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Alle finden den Wahlkampf langweilig. Aber stimmt das überhaupt?

Keine Frage, das spektakulärste Auf und Ab hat in diesem Jahr die SPD erlebt.

Anfang des Jahres dümpelte sie damals mit Sigmar Gabriel an der Spitze bei rund 20 Prozent in den Umfragen. Ende Januar dann wurde Martin Schulz Kanzlerkandidat und die SPD erlebte einen steilen Anstieg, im März lag sie mit der Union gleichauf. 

Das zeigt, dass es eben doch den Wunsch nach Aufbruch gibt und auch in Deutschland das Erfolgsmodell von Justin Trudeau oder Emmanuel Macron hätte kopiert werden können: engagierte Politiker mit einer positiven und auch für junge Wähler attraktiven Vision zur Zukunft der Gesellschaft.

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Ab April ging es dann aber über drei Monate wieder bergab für die SPD – die Befragten hatten anscheinend das Gefühl, dass die SPD ihnen eine solche Vision nicht bietet. Statt großen Ideen und einem sorgfältig geplanten ideologischen Überbau gab es viele kleinteilige Vorschläge und große Verluste bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. 

Auf Bundesebene haben sich die Werte der SPD nie wieder erholt.

Einen aufregenden Wahlkampf hat auch die AfD erlebt.

Zu Jahresbeginn stand die AfD noch bei fast 14 Prozent und lag damit sogar nur sechs Punkte hinter der SPD. Im Frühjahr und Sommer aber haben die wichtigen Themen der Rechtspopulisten keine Rolle gespielt: Flüchtlingspolitik und innere Sicherheit standen nicht in den Schlagzeilen und die drei Landtagswahlen im Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen liefen schlechter als die ostdeutschen Wahlen im Jahr zuvor. 

Seit Ende Juli geht es aber für die AfD wieder bergauf, die Partei steht mit geschickt kalkulierten Skandalen in den Schlagzeilen, außerdem gab es mit den Krawallen beim G20-Gipfel und den Terroranschlägen in London und Barcelona mehrere Großereignisse, die zu den Kernthemen der Partei passen. 

Das harmonische TV-Duell zwischen Merkel und Schulz hat Unzufriedenen zusätzlich gezeigt, dass eine Proteststimme bei der AfD viel Aufmerksamkeit bekommen könnte. Sollte die Große Koalition fortgesetzt werden, haben die Rechten aktuell beste Chancen, die größte Oppositionspartei im Bundestag zu werden.

Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte erlebt die FDP.

Noch Ende April stand sie bei rund 6 Prozent, aber inzwischen haben sie um die Hälfte zugelegt und stehen bei etwa 9 Prozent. Richtig bergauf ging es vor allem nach dem Wahlerfolg in Nordrhein-Westfalen mit Christian Lindner an der Landesspitze.

In den zwei Wochen nach der Abstimmung dort ging es um die zwei Prozentpunkte hoch – immerhin ein Plus von einem Viertel. Auch aktuell scheint die Inszenierung von Lindner als dynamischer Mini-Macron zu funktionieren: Pünktlich zum Ende des Wahlkampfs gelingen den Liberalen derzeit die besten Umfrageergebnisse des Jahres.

Die großen politischen Debatten in den letzten Monaten haben dagegen kaum Spuren hinterlassen. 

Ein Beispiel ist die Dieseldebatte und die Kartellabsprache der Automobilunternehmen Ende Juli: Obwohl die Themen viel Platz in den Medien eingenommen haben, haben sie weder den Regierungsparteien geschadet noch den Grünen in der Opposition genutzt.

Fazit: Es war tatsächlich ein Wahlkampf ohne Themen – viel eher haben externe Ereignisse wie Wahlen und die Inszenierung von Kandidaten die Umfragen beeinflusst.

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