Bild: VoteBuddy
Aber rechte Seiten regen sich trotzdem schon auf.

Es gibt Deutsche, die nicht wählen gehen wollen. Und es gibt Menschen in Deutschland, die gerne wählen würden – Flüchtlinge und hier lebende Ausländer zum Beispiel. Also schlägt das angebliche Start-up VoteBuddy einen Tausch vor und erklärt genau das zum Geschäftsmodell: Auf der eigenen Website vermittelt VoteBuddy Nichtwähler an Nichtwählendürfer. 

Die Praxis ist illegal. Wer seine Stimme überträgt, betreibt Wahlfälschung. Die Macher wissen das auch selbst. Deshalb hätten sie ihren Geschäftssitz nach New York verlegt, schreiben sie auf der Homepage.

Rechte Blogs und Nutzer regen sich prompt über die Stimmvergabe an Flüchtlinge auf. Dabei scheint die Seite gar nicht echt zu sein.

Wie genau will die Seite arbeiten? 

Man kann sich registrieren und sagen, ob man wahlberichtigt ist oder nicht. Dann vermittelt die Seite beide Kontakte. Bei einem gemeinsamen Treffen wird der Briefwahlzettel ausgefüllt. Flüchtlinge sollen so die Chance auf eine Stimme bekommen. Womit das Start-up Geld einnimmt, bleibt unklar.

Warum ist das illegal?

Laut Bundeswahlgesetz kann jeder Wahlberechtigte sein Stimmrecht nur persönlich ausüben. Wer das Ergebnis verfälscht, kann mit bis zu fünf Jahren Haft oder einer Geldstrafe belegt werden. Das gilt auch für Personen, die so eine Fälschung ermöglichen wollen.

Auf Facebook provozierte VoteBuddy trotzdem mit einem fröhlichen Video voller angeblicher Stimmentauscher – mittlerweile ist die Facebookseite und damit das Video gelöscht. Die Homepage besteht aber weiterhin. Und auf YouTube wurde das Werbevideo nachträglich hochgeladen:

Wie reagieren rechte Seiten darauf?

Wütend. Auf Blogs und bei Twitter beschweren sich Nutzer über die "illegale Aktion". Sie sind sich sicher: Hinter der Seite würden sicher "linksgrüne" Betreiber stecken und der Staat tue nichts gegen den Betrug. Auch die AfD-Wahlkämpferin Erika Steinbach hat sich auf Twitter bereits gemeldet:

(Bild: Screenshot: Twitter)
Aber ist die Seite überhaupt echt?

Das ist eher unwahrscheinlich. 

Wir haben versucht, den Betreiber zu kontaktieren, einen Timo Meissner aus New York. Auf Anrufe reagiert er nicht, auf Fragen per Mail antwortet er nicht. Meissner hat laut dem Domain-Dienst denic die Homepage am Samstag registriert. Die Facebook-Seite gibt es seit Mitte August.

Was dafür spricht, dass VoteBuddy ein Fake ist:

Die New Yorker Adresse vermietet "virtuelle Büros". Also Briefkastenfirmen.
Das Profilfoto von Timo Meissner auf LinkedIn ist via Google Bildersuche auch Foto weiterer, ganz anderer LinkedIn-Profile.
Die Fotos auf VoteBuddy.de sind Agenturbilder, die auch auf anderen Seiten auftauchen. Das heißt: Die angeblich echten Abonnenten sind es nicht.
​Das Hauptwerbebild mit den beiden Typen gibt es zum Beispiel auch auf maennerstyle.com.
Ein Ahmed aus Würzburg ist von der Stockfotoseite Unsplash, eine Franziska aus Frankfurt ebenfalls – fotografiert in San Diego.
500 Teilnehmer hat VoteBuddy angeblich schon. Auf Facebook aber nur 193 Fans.
Der Onlineshop bietet so absurde Dinge wie Bier und Chips. Gleichzeitig funktioniert der Shop aber gar nicht.
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Was steckt also dahinter?

Auch das ist unklar. 

  1. Es könnten Aktivisten sein, die auf reale Probleme hinweisen wollen – wie das "Zentrum für politische Schönheit". Dass Menschen, die seit Jahren in Deutschland leben, nicht über die Politik abstimmen können, ist ein Problem. Das Team vom Zentrum sagt aber gegenüber bento, nichts mit der Seite zu tun zu haben.
  2. Es könnte eine Satireaktion sein, zum Beispiel von Jan Böhmermann. Dann ginge es vor allem darum, zu sehen, wer darauf hereinfällt.
  3. Es könnte auch eine rechte Provokation sein – um bewusst Falschmeldungen kurz vor der Bundestagswahl in Umlauf zu bringen und die Gemüter zu erregen.

Sollte die Seite hingegen tatsächlich echt sein, wird sie nicht lange bestehen. Beim Bundeswahlleiter sind bereits Klagen eingegangen.

(Bild: Screenshot: Twitter)

Recherche-Update

Die Betreiber der Seite haben sich bei uns gemeldet. Zu ihren Identitäten konnten sie keine Details nennen; wie sie sich finanzieren wollen, was ihre Motive sind und warum der Online-Shop nicht geht, beantworteten sie auch nicht. Es bleibt also weiterhin unklar.


Art

"Jedes Hakenkreuz ist zu viel": Wie Berliner Graffitikünstler gegen rechte Schmierereien kämpfen

Ibo Omari hat das Hakenkreuz neu erfunden. Als Katze zum Beispiel. Oder als Eule. Oder – eines seiner Lieblinge – als Propellerflugzeug. Denn Ibo ist Graffitikünstler und hat es sich zum Ziel gemacht, rechte Schmierereien zu bekämpfen.

Mit seinem Team übermalt er Hakenkreuze – und verwandelt sie in fantasievolle neue Kunstwerke.

Die Aktion heißt "Paint Back". Ibo, heute 37, hat sie bereits 2015 gestartet. Wir haben kurz darauf mit ihm gesprochen (das kannst du hier nachlesen).