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"Zum Mitschreiben: Die Rente ist sicher!" – sagte Norbert Blüm (CDU) vor zwanzig Jahren im Bundestag. Die gesetzliche Rente war und ist ein Dauerthema der deutschen Politik.

Renteneintrittsalter, Beitragssätze und Bundeszuschüsse: Wie viel Rente wir ab wann kriegen, ist nicht nur für Senioren relevant. Es geht schließlich nicht allein darum, wie viele Jahre wir arbeiten müssen, sondern was wir von unseren Einzahlungen später mal haben werden.

Wen soll ich wählen, wenn ...?

Die Wahlentscheidung ist nicht immer einfach. Während sich manche schon lange sicher sind, für wen sie ihre Kreuze machen, tun sich andere schwer. Und die kompletten Wahlprogramme lesen will auch nicht jeder – immerhin sind manche mehr als hundert Seiten lang. In den einfacher zu verdauenden Kurzversionen werden dagegen nicht alle Fragen beantwortet.

In unserer Reihe "Wen soll ich wählen, wenn ...?" greifen wir uns deshalb jeweils ein Thema heraus, das vielen Menschen am Herz liegt und sehen uns die Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD, den Grünen, der Linken, der FDP und der AfD ganz konkret dazu an.

Die gesetzliche Rente gibt es in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert. Sie ist Teil eines Drei-Säulen-Modells aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge.

Jeder, der in einem Betrieb angestellt ist, zahlt automatisch in die Rentenkasse ein. Die eine Hälfte trägt der Arbeitgeber, die andere der Arbeitnehmer. Freiwillig Versicherte und versicherungspflichtige Selbständige tragen den vollen Beitrag allein.

Die Beiträge werden durch einen Zuschuss vom Bund ergänzt. Dieser wird aus Steuergeldern – also ebenfalls Einzahlungen der Bürger – finanziert.

Durch den demographischen Wandel hat sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern krass verschoben. Da der Anteil der Einzahler derzeit sinkt, musste der Beitragssatz mehrfach angehoben werden, um die Renten nicht radikal kürzen zu müssen. Schon jetzt wird ein Großteil nicht mehr aus dem Umlagesystem, sondern aus Steuermitteln finanziert.

Für alle, die jetzt gerade in den Beruf einsteigen, bedeutet das vor allem: Die Rente ist eben nicht mehr sicher und die Zukunft der Rente ungewiss. Seit Jahren fordern die meisten Parteien deshalb eine Reform des Rentensystems. Rangetraut hat sich bisher keiner so richtig. Kein Wunder: die Gruppe der Wähler über 50, für die die Rentenfrage drängender ist und die die Wahl entscheiden kann, liegt bei 56,1 Prozent.

Welche Partei setzt sich also für eine zukunftsfähige Rentenpolitik ein? Wir haben für dich in die Wahlprogramme geguckt:

CDU / CSU

In der nächsten Legislaturperiode will die Union nichts an der Rente verändern. Eine parteiübergreifende Rentenkommission soll sich allerdings bis Ende 2019 Gedanken machen, wie die Rente ab 2030 geregelt sein soll. Im Bayernplan der CSU steht die Mütterrente II drin: Ein drittes Erziehungsjahr für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, soll angerechnet werden.

Konkrete Vorschläge, wie ein Rentenkonzept für die Zukunft aussehen kann, finden sich nicht im Programm.

SPD

Die SPD will das derzeitige Rentenniveau von 48 Prozent bis 2030 und die Rente mit 67 garantieren. Gleichzeitig soll der Beitragssatz auf maximal 22 Prozent steigen. Damit das finanziert werden kann, soll der Zuschuss aus Steuermitteln erhöht werden. Außerdem sollen mehr Menschen einzahlen, beispielsweise Selbstständige, die nicht über ein Versorgungswerk abgesichert sind.

"Eine dauerhafte Stabilisierung des Rentenniveaus ist jedoch keine Kleinigkeit, sondern nur durch eine nationale Kraftanstrengung erreichbar" heißt es im Programm. Die SPD will deshalb nach der Wahl einen neuen "Generationenvertrag" ausarbeiten.

In dem soll es nicht nur um Rentenpolitik gehen, sondern um alle Faktoren, die die gesetzliche Rente beeinflussen. Das sind zum Beispiel Einkommen, Lebensarbeitszeit oder wachsende Produktivität durch die Digitalisierung.

Konkret fordern die Sozialdemokraten neben einer systematischen Einwanderungspolitik, um den demographischen Wandel zu verlangsamen, auch eine stärkere Tarifbindung der Löhne.

Wer nach 35 Beitragsjahren trotz Anrechnung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten keine ausreichenden Ansprüche erworben hat, soll eine Solidarrente bekommen. Riester-Renten sollen in Zukunft einfacher durch den Staat gefördert werden.

FDP

Die FDP will ein festes Renteneintrittsalter und Hinzuverdienstgrenzen abschaffen. Ab 60 soll jeder selbst entscheiden können, wann er in Rente gehen will. Bedingung dafür ist, dass die Summe aus gesetzlicher Rente und sonstiger Altersvorsorge über der Grundsicherung liegt.

Wer früher in Rente geht, soll weniger Geld bekommen, wer später aus dem Beruf ausscheidet mehr. Für Selbstständige soll es eine Basisabsicherung für das Alter geben.

Generationengerecht soll die Rente durch eine Berechnung anhand der durchschnittlichen Lebenserwartung der jeweiligen Generation werden. 

Die FDP will eine Altersvorsorge nach Baukastenprinzip, denn, so steht es im Wahlprogramm, "das Praktische an Bausteinen ist, dass man sie immer wieder neu und vielseitig kombinieren kann".

Ein freiwilliges digitales "Vorsorgekonto" soll übersichtlich zeigen, wie viel Rente man später aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge erhält. Es soll für den Ottonormalverbraucher einfacher werden,  die Höhe seiner Rente zu kalkulieren und nach Bedarf privat vorzusorgen.

Die FDP, sonst verschrien als Partei der Versicherungsindustrie, wirbt deshalb für mehr Verbraucherfreundlichkeit und Vergleichbarkeit der Angebote im Bereich der privaten Altersvorsorge.

Die Linke

Die Linke will das Rentenniveau von 48 auf 53 Prozent anheben. Und sie fordert: "Die Rente erst ab 67 muss zurückgenommen werden." Bei der Berechnung möchte die Partei Zeiten niedriger Löhne, Kinder und Zeiten der Kindererziehung sowie Pflege und Erwerbslosigkeit besser absichern.

In Zukunft sollen auch Selbstständige und Beamte, Politiker und insbesondere Manager in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Die Beitragsbemessungsgrenze soll drastisch erhöht werden und später sogar ganz wegfallen.

Wer 40 Jahre gearbeitet hat, soll schon ab 60 in Rente gehen können. Zentrale Forderung ist außerdem eine solidarische Mindestrente von 1050 Euro im Monat, wenn nach vorheriger Prüfung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse tatsächlich Bedarf besteht. So soll Altersarmut verhindert werden.

Für die Betriebsrenten fordert Die Linke eine 50/50-Beitragsfinanzierung durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Riester-Rente soll in die gesetzliche Rente überführt werden.

Ehrenamtliche Arbeit im Rettungsdienst, Brandschutz, Katastrophenschutz und THW soll belohnt werden: Der Staat soll dafür einen angemessenen Beitrag in die Rentenkasse einzahlen. Ausbildungszeiten sollen künftig angerechnet werden.

Die Grünen

Die Grünen wollen, dass das derzeitige Rentenniveau nicht mehr weiter sinkt. Aber: "Grundsätzlich halten wir an der Rente mit 67 fest", so die Losung des Wahlprogramms.

"Um die Rente wieder sicher zu machen, setzen wir uns dafür ein, das Drei-Säulen-System der Alterssicherung auf eine solide Basis zu stellen."

Das soll so aussehen: Eine "Bürgerversicherung", in die auch Selbstständige, Minijobber und Abgeordnete einzahlen, soll eingeführt werden. Gleichzeitig fordern die Grünen eine steuerfinanzierte Garantierente, die oberhalb der Grundsicherung liegen soll. Eine Bedürftigkeitsprüfung soll nicht erforderlich sein.

Für die private und betriebliche Altersvorsorge soll es einen öffentlich verwalteten Bürgerfonds geben, der das Geld der Versicherten effizienter und ertragreicher anlegen soll. Der Bürgerfonds soll nachhaltig investieren sowie soziale und ökologische Belange berücksichtigen. Betriebsrenten sollen künftig alle Arbeitgeber anbieten.

Die Grünen sind für die Rente ab 67, wollen es aber ermöglichen, schon früher in den Ruhestand zu gehen. Zu diesem Zweck soll ab 60 Jahren eine Altersteilzeit durch eine attraktive Teilrente gefördert werden.

AfD

Die AfD will, dass die gesetzliche Rente zeitweise erheblich stärker aus Steuermitteln mitfinanziert wird. So soll die steigende Beitragsentwicklung in Grenzen gehalten werden. 

"Wer gearbeitet hat, muss später mehr haben ": Die Partei fordert, dass jeder, der 45 Jahre gearbeitet hat, ohne Abschlag in Rente gehen kann. Kindererziehungszeiten sollen zu einer Rentenerhöhung für die Eltern führen. Wer jahrzehntelang gearbeitet, aber wenig verdient hat, soll eine Rente oberhalb der Grundsicherung bekommen.

Betriebsrenten will die AfD ebenso wie die private Altersvorsorge steuerlich mehr fördern.

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Gerechtigkeit

Alice lernt Krankenpflegerin und kandidiert für den Bundestag
Politik unter 30

Es gibt da diesen Spruch, der Alice Dorison zum Schmunzeln bringt. "Wer mit 20 kein Kommunist ist, der hat kein Herz. Wer es mit 40 noch immer ist, keinen Verstand." 

Er soll von Winston Churchill stammen, dem großen britischen Premierminister. Einem Konservativen

Alice Dorison ist 22, aber Kommunistin war sie nie. Nicht mal ansatzweise. Herzlos will sie deswegen nicht erscheinen. Eher der eigenen Zeit voraus. 

Sie kann dem Idealismus vieler junger Menschen aus dem linken Lager durchaus etwas abgewinnen. "Aber wenn du sie fragst, wie sie sich ihr Leben mit 30 vorstellen, sprechen sie über Familie, Sicherheit und Arbeit", sagt sie.