Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

In wenigen Wochen ist Bundestagswahl – und es gibt ein Tool im Netz, das dir dabei hilft, eine Entscheidung zu treffen. Der Wahl-O-Mat stellt Fragen zu politischen Thesen. Dann berechnet er, wie deine Entscheidungen mit der Haltung verschiedener Parteien übereinstimmt. (Hier kannst du ihn ausprobieren)

Der Parteienrechner ist ein Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung. Vor allem junge Wähler nutzen ihn – jeder Dritte ist unter 30 Jahren. Bei der vergangenen Bundestagswahl 2013 wurde er 13 Millionen Mal genutzt (bpb).

Wie viele sich an die Wahlempfehlung gehalten haben, ist aber nicht bekannt. Wahrscheinlich waren nicht wenige über ihr Ergebnis überrascht. 

Kein Wunder: Der Wahl-O-Mat ist nicht so gut, wie er scheint.
1. Die Thesen richten sich nach den Interessen der Parteien – nicht nach denen der Wähler.

Welche Themen wichtig und unwichtig sind, ist eine sehr subjektive Entscheidung. Doch der Wahl-O-Mat versucht erst gar nicht, die wichtigsten Themen aus der Bevölkerung aufzugreifen. Stattdessen werden Thesen aus den Wahlprogrammen aufgegriffen und in ein starres Ja-Nein-Schema gepresst. 

So beschwert sich keine Partei. Aber dem Wähler helfen die oft wirklichkeitsfremden Themen nicht weiter.

2. Der Wahl-O-Mat gibt rechten Parteien unverhältnismäßig viel Raum.

Kindergeld nur für Deutsche? Ein mögliches Ende der Erinnerungskultur für die Opfer des Holocausts? 

Solche Forderung sind klar fremdenfeindlich und rechtsradikal. Doch weil der Wahl-O-Mat allen Parteien eine Plattform geben will, werden auch krude Thesen vom rechten Rand übernommen – obwohl sie für die Wahlentscheidung der meisten Menschen keine Rolle spielen.

3. Das Ja-Nein-Schema ist für viele Themen unpassend.

Alle Parteien sind gleich? Von wegen! Zwischen den Bewerbern bei der Bundestagswahl gibt es grundlegende Unterschiede. Doch die stecken oft im Detail. Mit dem simplen Ja-Nein-Schema werden diese Differenzen verwischt. Einfacher wird dadurch nichts. Die wirklichen Unterschiede werden so nur noch schwieriger zu erkennen. 

4. Wer schon weiß, was wichtig ist, muss endlos klicken.

Ob bessere Bildung, Schuldenabbau oder Freihandelsabkommen – fast jeder hat Themen, die er für besonders wichtig hält. Doch beim Wahl-O-Mat müssen erst alle 38 Fragen beantwortet werden, bevor aus einer langen Liste Schwerpunkte ausgesucht werden können. Was für eine Rolle die dann für das Endergebnis spielen, ist nicht transparent dargestellt.

5. Fast nichts wird erklärt

Es gibt kaum Erklärungen, obwohl viele Fragen kompliziert sind. Absurd. Und die Begründungen der Partei-Positionen sind so gut versteckt und kurz gehalten, dass sie oft auch nicht wirklich weiterhelfen.

Fazit: 

Der Wahl-O-Mat ist ein nettes Spielzeug – und als Instrument zur politischen Bildung sehr wichtig. Gleichzeitig ist er zu ungenau, um sich nur darauf zu verlassen. 

Wer wirklich wissen will, wie er seine Herzenspartei finden kann, sollte mehrere Tests miteinander kombinieren und auf den Seiten der für ihn wichtigen Parteien die Kernthesen miteinander vergleichen.

Hier beantworten wir Google-Suchanfragen zu den wichtigsten Parteien:

Im folgenden Video findet ihr die Ergebnisse!
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Das hier sind einige Alternativen, die du testen kannst:
  • Der Sozial-O-Mat – der Diakonie-Verband betreut nach eigenen Angaben eine Million Menschen in Deutschland. Mit dem Sozial-O-Mat will der Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche darauf hinweisen, welche sozialen Fragen bei dieser Wahl zur Entscheidung stehen. 
  • DeinWal – das Quiz zeigt nicht, was die Parteien für die Zukunft geplant haben, sondern wie sie in den letzten vier Jahren tatsächlich abgestimmt haben. Verglichen werden deshalb nur die Parteien im aktuellen Bundestag. Manche Formulierungen sind allerdings ungenau.
  • Steuer-O-Mat – der Rechner will aufzeigen, welche Folgen die Wahlprogramme der unterschiedlichen Parteien für das eigene Einkommen hätten. Berücksichtigt werden dabei Familienstand und Kinderzahl.
Mehr zur Bundestagswahl bei bento findest du hier.

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