Bild: Ben Schieler
Politik unter 30

Es gibt da diesen Spruch, der Alice Dorison zum Schmunzeln bringt. "Wer mit 20 kein Kommunist ist, der hat kein Herz. Wer es mit 40 noch immer ist, keinen Verstand." 

Er soll von Winston Churchill stammen, dem großen britischen Premierminister. Einem Konservativen

Alice Dorison ist 22, aber Kommunistin war sie nie. Nicht mal ansatzweise. Herzlos will sie deswegen nicht erscheinen. Eher der eigenen Zeit voraus. 

Sie kann dem Idealismus vieler junger Menschen aus dem linken Lager durchaus etwas abgewinnen. "Aber wenn du sie fragst, wie sie sich ihr Leben mit 30 vorstellen, sprechen sie über Familie, Sicherheit und Arbeit", sagt sie. 

Und was ist mit uns?

Junge Menschen sind im Bundestag schlecht vertreten: Nur eine der 630 Abgeordneten ist unter 30. Das durchschnittliche Alter: fast 50 Jahre. Was ist da los? Und wer kümmert sich um unsere Interessen? bento trifft junge Politiker, um das herauszufinden.

Diese Themen und diese Wertehaltung sind ihr heute schon wichtig. Deswegen ist sie vor zwei Jahren in die Junge Union eingetreten und vor einem Jahr in die CDU. Nun ist die Tübingerin deren jüngste Kandidatin für die Bundestagswahl in Baden-Württemberg. 

Wählen allerdings kann man sie nicht, zumindest nicht direkt. Dorison steht nur auf der Landesliste – und dort ziemlich weit hinten, auf Platz 46. Ihr Einzug ins Parlament: unwahrscheinlich. 

Statt für sich selbst macht Dorison deshalb Werbung für Annette Widmann-Mauz. 

Die parlamentarische Staatssekretärin im Berliner Gesundheitsministerium holte in Tübingen 2009 und 2013 das Direktmandat

Den Gesundheitshintergrund hat die Nachwuchspolitikerin mit Widmann-Mauz gemein. 

Dorison ist Kinderkrankenpflegerin in Ausbildung. Bald muss sie zur schriftlichen Examensprüfung antreten, die mündliche und die praktische hat sie schon hinter sich. Das Büffeln hat ihr Engagement im Wahlkampf zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt. 

(Bild: Ben Schieler)
Trotz allem ist ihr ihre eigene Kandidatur wichtig. Weil sie jungen Frauen ein Vorbild sein will. 

Und weil sie dem Gefühl vieler Bürger entgegenwirken möchte, "die da oben", die abgehobenen Politiker, würden eh machen, was sie wollen. Weil sie Vertrauen zurückgewinnen will.  

Politik verständlich zu machen, ohne hohle Phrasen zu dreschen – das ist Dorisons Ziel. 

"Man kann auch komplizierte Dinge einfach erklären", sagt sie – und will damit schon bei den ganz Jungen anfangen. Die Nachwuchsorganisationen der Parteien in Tübingen gehen gemeinsam zu politischen Speed-Datings in Schulen.

Unsere Serie: Politik unter 30

"Es geht dabei nicht um Rivalitäten, sondern um politische Bildung", sagt Dorison und lobt die überparteiliche Initiative. 

Die Junge Union, die Jusos, die Grüne Jugend, die Julis und die Linksjugend Solid sind seit längerem dabei, seit kurzem ist es auch die Junge Alternative. 

Von einer rigorosen Abwehrhaltung gegenüber der AfD hält sie nichts. "Wenn eine Partei bei den Menschen so viel Gehör findet, sollte man das ernstnehmen und inhaltlich dagegen argumentieren."

Dorison selbst argumentiert pragmatisch, weniger emotional. Angela Merkel will sie nicht als alleiniges Vorbild bezeichnen, aber den Kurs der Kanzlerin, vor allem ihre Unaufgeregtheit in turbulenten Zeiten, findet sie gut. 

"Merkels Ruhe und Gelassenheit sind bewundernswert." Den SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz dagegen kritisiert sie. "Ich habe große Probleme mit seiner Behauptung, Deutschland habe ein Gerechtigkeitsproblem. Es geht uns besser als je zuvor." 

Mit Schulz, glaubt sie, werde es für die CDU schwierig, ein neues Regierungsprogramm zu schmieden. Sie hofft deshalb, dass es am Sonntag für eine Koalition mit der FDP reicht.  

Jeder von uns wird irgendwann einmal Pflege in Anspruch nehmen müssen
Alice

Sie wird die Verhandlungen aus der Ferne beobachten – und sich fürs Erste auf lokalpolitischer Ebene weiter engagieren, im Kreis- und Bezirksverband von Junger Union und CDU. Basisarbeit statt Berlin also. "Der Bundestag ist kein festes Ziel", sagt sie, "aber ich lasse alles auf mich zukommen."

Sollte die Bundespolitik dann doch noch rufen, ist bereits klar, in welchem Ressort sie sich einbringen wird. Das Thema Pflege liege ihr von Berufs wegen am Herzen. "Die Gesellschaft wird immer älter. Jeder von uns wird irgendwann einmal Pflege in Anspruch nehmen müssen."

Der bissigen Kritik, die ein junger Arbeitskollege jüngst in der ARD-Wahlarena an Kanzlerin Merkel übte, schließt sich Dorison aber nicht an. Über die neuen Pflegestärkungsgesetze der Regierung sagt sie: "Sie sind ein großer Schritt in die richtige Richtung. Darauf lässt sich aufbauen."


Gerechtigkeit

Wir brauchen die Kanzler-Schranke: Personalwechsel alle 8 Jahre

Ich bin für eine "Kanzler-Schranke". Also eine Begrenzung, wie lange eine Person das Amt des Bundeskanzlers ausführen darf – und zwar wie im US-Modell auf zwei Amtszeiten. 

Der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin kann nur zweimal gewählt werden – dann muss jemand neues ran. 

Die Idee dahinter: Wahlkämpfe werden endlich wieder spannender.