Bild: dpa

Leon Hahn sitzt am Ufer des Bodensees. Er ist 26 Jahre alt, das Hemd hellblau, die Ärmel hochgekrempelt, Dreitagebart. Sein Facebook-Messenger meldet sich. Er hat eine neue Nachricht.

"Guten Morgen, Herr Hahn. Wie sieht es Ihrer Meinung nach mit Europa aus?"

Hahn ist der Bundestagskandidat der SPD im Bodenseekreis. Jetzt ist die Europapolitik nicht gerade das, worauf er sich spezialisiert. Aber kein Problem: "Nur wenn wir es schaffen, durch die EU mehr Wohlstand und Sicherheit zu schaffen, können wir das europäische Friedensprojekt voranbringen."

Und was ist mit uns?

Junge Menschen sind im Bundestag schlecht vertreten: Nur eine der 630 Abgeordneten ist unter 30. Das durchschnittliche Alter: fast 50 Jahre. Was ist da los? Und wer kümmert sich um unsere Interessen? bento trifft junge Politiker, um das herauszufinden.

Auf seiner Facebook-Seite hat er einen Chatbot eingerichtet. Der gibt Themen vor, durch die sich Nutzer klicken können. Das System erkennt Stichworte und gibt Antworten. Weiß der Bot nicht weiter, muss Hahn selbst ran.

Wohnungen, Armut, Digitalisierung: Das sind seine Themen. Denn im Bodenseekreis, wo andere Urlaub machen, lässt es sich zuweilen nicht so einfach leben. 

Die Mieten steigen. "Es gibt Orte, da sind die meisten Häuser schon Ferienhäuser", sagt Hahn. 

Der Ausbau des Mobilfunks? Scheint bislang an seiner Heimat vorbeigegangen zu sein. Am Seeufer landet man wegen mangelnder Netzabdeckung ständig im schweizerischen Mobilfunknetz – das kann teuer werden. 

Auch die Unternehmen in Friedrichshafen brauchen eine gute Internet- und Mobilfunkversorgung. Der Automobilzulieferer ZF ist dort ebenso ansässig wie der Luftschiffbauer Zeppelin oder der Energieriese Rolls-Royce Power Systems. 

Kein Wunder, dass junge Leute in größere Städte ziehen.

Leon Hahn will nach Berlin, um daran etwas zu ändern. Die älteren Abgeordneten wüssten nicht, wie junge Menschen in Deutschland leben. Hahn will zeigen, "wo die Politik der Realität hinterherläuft".

Im Video: Wir beantworten Google-Fragen zur SPD

Es gibt Parteien, die eher für Digitalisierung stehen als die alte SPD. Hahn ist in die Partei eingetreten, weil er findet, dass Menschen unabhängig von ihrer Herkunft die gleichen Chancen haben sollte. "Jeder Mensch sollte die Freiheit haben, seinen eigenen Weg zu gehen und das aus eigener Kraft – dafür steht keiner so wie die SPD."

Hahn kommt nicht aus einer Akademikerfamilie. Seine Mutter war alleinerziehend. Studiert hat er trotzdem: Wirtschaft

(Bild: dpa)

Anfang des Sommers landete ein quadratisches Papier in den Briefkästen in Friedrichshafen. "Denkzettel für Leon", stand auf der Vorderseite. Auf der Rückseite: 

Ein Textfeld, Hahns Handynummer und die Bitte, ihm ein Statement abfotografiert per WhatsApp zu schicken. 

Hahn verteilte einfach seine Handynummer, in einer Zeit, in der öffentliche Beleidigungen auf Facebook an der Tagesordnung sind. "Ich habe kaum negative Rückmeldungen oder Beleidigungen bekommen", sagt Hahn.  

250 bis 300 Whats-App-Nachrichten habe er durch die Aktion bekommen, sagt er: "Die Leute haben Bock auf Dialog."

Die AfD gab den Anstoß zur Denkzettel-Aktion. Als die Rechtsaußen-Partei im Frühjahr in den Umfragen zulegt, machen sich die etablierten Parteien Sorgen. Sie fürchten, viele würden die AfD wählen, um ihnen eine Denkzettel zu verpassen. 

Den Denkzettel will Leon Hahn lieber im Briefkasten haben als auf dem Wahlzettel. 

WhatsApp, Facebook, zwischendurch noch Burger essen mit Wählern: Leon Hahn will einen modernen Wahlkampf führen. "Es ist nun mal 2017", sagt er. 

Unsere Serie: Politik unter 30

Ob sich das für ihn auszahlt, wird sich am 24. September zeigen. Er ist auf Platz 28 der Landesliste in Baden-Württemberg, sein Wahlkreis ging in den letzten Wahlen mit deutlichem Abstand an die CDU. Das wird schwer.

Aber noch sei der Schulz-Zug nicht abgefahren, sagt Hahn. "Der Hype um Martin Schulz war wirklich schön, aber es war klar, dass das ein Langstreckenlauf ist. Gleich darauf gibt er zu, damit eine "Scheiß-Metapher" zu verwenden. "Aber sie trifft’s."


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