Bild: dpa/Rainer Jensen

Der Politiker von heute hängt ständig nur am Handy. Gerade im Parlament, wenn alle mal so schön beisammensitzen, holt er das Ding raus und twittert rum, liked, shared, kommentiert irgendwas. 

Nun soll damit Schluss sein. 

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat die Abgeordneten dazu aufgefordert, während der Sitzungen nicht mit ihren Smartphones zu spielen. Per Brief.

Die Handy-Regulierung ist nicht neu, aber Schäuble fühlte sich genötigt, noch mal daran zu erinnern.

Im Schreiben will er die Abgeordneten "an die Regeln zur Benutzung technischer Geräte im Plenarsaal erinnern", schreibt der CDU-Politiker. "Insbesondere Mobiltelefone und Tablet-Computer" sollen "zurückhaltend" und in "angemessener Weise" verwendet werden.

Und weiter: "Geräten, die Geräusche erzeugen, aufgeklappt oder hochgestellt werden" seien unzulässig. "Unerwünscht" sei die Nutzung von "Geräten zum Fotografieren, Twittern oder Verbreiten von Nachrichten über den Plenarverlauf."

Hier ist der Brief:
Die Idee hinter dem Social-Media-Verbot: Die Abgeordneten sollen sich stärker auf die Sitzungen konzentrieren und nicht ständig nur darüber schreiben. 

Die Regel gilt seit langem, aber anscheinend sind Politiker manchmal wie Schüler nach den Sommerferien: Man muss sie erst mal wieder an die Hausordnung erinnern.

Denn Rumknipsen und Rumtwittern ist in Mode. Erst am Dienstag ging das Foto eines AfD-Abgeordneten herum, der einen angeblich leeren Bundestag zeigen wollte:

Was durch die Social-Media-Zurückhaltung aber auf der Strecke bleiben würde: die Chance, Politik für die Bürger lebendig zu machen. 

Viele Abgeordnete nutzen Twitter und Facebook, um die Debatten aus dem Bundestag nach draußen zu schaffen. Politik erlebbar zu machen. 

Auch der FDP-Politiker Frank Sitta regt sich darüber auf:

Auch die Linken-Politikerin Petra Sitte hält den Ordnungsruf für "affig". Gegenüber der Berliner Morgenpost sagt sie: "Wir leben in einer offenen Mediengesellschaft, in der Geschwindigkeit manchmal alles ist. Da gehört es dazu, auf eine absurde politische Äußerung sofort reagieren zu können."


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Ja! Warum das Mahnmal vor Höckes Haustür eine großartige Aktion ist

Ich finde den Kunstprotest des Zentrums für politische Schönheit richtig gut: Ein eigenes Holocaust-Mahnmal für den rechtsradikalen AfD-Einpeitscher Björn Höcke, direkt vor seinem Haus in Bornhagen. Angeblich spähen Aktivisten Höcke außerdem seit Monaten aus.

Weil er das Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnet hat. Weil er und seine AfD-Freunde nicht ständig an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnert werden möchten.