Bufdi ist nicht gleich Bufdi!

Jede dritte Person, die einen Bundesfreiwilligendienst (BFD, auch Bufdi genannt) macht, bricht diesen vorzeitig ab. Das hat eine Anfrage der Sprecherin für bürgerschaftliches Engagement der Linken, Katrin Werner, bei der Bundesregierung ergeben. (bento)

Aber woran liegt das? Die Suche nach den Ursachen ist nicht leicht, denn jeder Bundesfreiwilligendienst ist anders. 

Die Einsatzstellen können Krankenhäuser, Schulen, Mehrgenerationenhäuser, Altersheime, Sportvereine oder Kultureinrichtungen wie Theater oder Mussen sein, aber auch Bauernhöfe, Jugendherbergen, Einrichtungen für Behindertenhilfe, Vereine für Umwelt-, Zivil- oder Katastrophenschutz.

Bufdi – Was ist das eigentlich?

Ein Bufdi kann jede und jeder ab 16 Jahren machen. Der Dienst dauert in der Regel ein Jahr, kann aber auf sechs Monate verkürzt oder maximal auf 24 Monate verlängert werden. Da der Dienst freiwillig ist, muss er nicht vergütet werden. Die Einsatzstellen können aber ein Taschengeld von höchstens 390 Euro festsetzen. Mehr Infos zum Bufdi findest du hier

Deshalb unterscheiden sich die Umstände, unter denen die Menschen ihren Dienst leisten, und damit auch die Gründe, warum so viele den Bufdi frühzeitig beenden. 

Patrik Schnell begann seinen Bufdi in einer Kindertagesstätte im September 2016 – und brach ihn nach zwei Wochen ab. "Ich wollte ein wenig Berufserfahrung sammeln. Ich hatte vorher schon Praktika in derselben Kita gemacht und liebe einfach die Arbeit mit Kindern." Doch als Bufdi war die Arbeit nicht mehr dieselbe

Patrik Schnell, hat seinen Bufdi nach zwei Wochen abgebrochen. (Bild: Privat)

"Mir war klar, dass ich eine 40-Stunden-Woche haben werde – und das für einen Lohn von 250 Euro im Monat. Das war ok", erzählt der 20-Jährige heute, der Wirtschaftswissenschaften in Konstanz studiert. Das Problem war ein anderes: Die Arbeit in der Kita war nicht das, was er erwartet hatte. 

"Am ersten Tag wurde ich direkt eingespannt, ohne vorher wirklich eine Einweisung zu bekommen. Ich sollte zusehen – und danach alles perfekt machen." Am zweiten Tag sei er schon auf sich allein gestellt gewesen, seine Bitten um Anweisungen seien konsequent ignoriert worden. Als Patrik dann ein Fehler passierte sei er direkt ins Büro der Chefin zitiert worden: Er hatte vergessen, die schmutzigen Handschuhe zu entsorgen, die die Erzieherinnen und Erzieher zum Windelwechseln tragen. 

"Ich musste vor allem putzen und aufräumen. Gerade Aufgaben wie Müll wegbringen, 50 Lätzchen am Tag waschen und auf die Leine hängen, hätte man einfach auf alle Mitarbeiter verteilen können, und nicht den Bufdi alles machen lassen."

Ich habe mich einfach ausgenutzt gefühlt
Patrik

Patrik hatte in der Kita nicht das Gefühl, wertgeschätzt und fair behandelt zu werden.

"Manche Unternehmen glauben, sie können mit den Bufdis machen, was sie wollen. Sie setzen sie als volle Arbeitskräfte ein, entlohnen sie schlecht. Einen Lerneffekt gibt es nicht. Ich verstehe, dass da viele sagen: 'Es reicht mir, ich gehe'. Das habe ich ja selbst getan." 

Patrik sagt, auch der Bufdi nach ihm habe nach kürzester Zeit in der Kita abgebrochen. Er glaubt: Strenger geregelte Aufgaben und Arbeitszeiten könnten die hohe Abbrecherquote reduzieren. 

Ganz andere Erfahrungen hat Andreas Penzkofer gemacht. Der 20-Jährige aus München half als Bufdi beim Erzbischöflichen Jugendamt in München mit. Dort erledigte er vor allem Büroaufgaben, brachte Post weg, bestellte Material, half bei Events und in der Hausaufgabenbetreuung einer offenen Einrichtung. 

Er fand die Arbeit so bereichernd, dass er seinen Dienst von zwölf auf 18 Monate verlängerte.
Andreas Penzkofer, hat seinen Bufdi um sechs Monate verlängert.

"Erst in dieser Zeit, in der ich mit Menschen zusammenarbeitete und ihnen half, fand ich heraus, dass ich Theologie studieren möchte – und nicht Informatik, wie ursprünglich angedacht." 

Ich hatte Zeit, mich auf mich zu besinnen und mir darüber klar zu werden, was ich eigentlich machen möchte
Andreas

Pro Monat bekam er 195 Euro Taschengeld, plus Pauschalen, wie etwa Fahrtkosten. Für ihn spielten die Finanzen allerdings keine große Rolle, da er noch zuhause lebte. 

Andreas empfand die eineinhalb Jahre als große persönliche Bereicherung. "Es bringt den Freiwilligen total viel, und auch der Allgemeinheit. Es ist gut, dass seit dem Entfall der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes eine Institution eingeführt würde, um sich zu engagieren." Seine Einsatzstelle beim Erzbischöflichen Jugendamt suchte er sich nicht einmal bewusst aus – es war einfach die erste Stelle, die antwortete. Er hatte Glück

Gut findet Andreas auch, dass das Jahr eben freiwillig sei – dadurch könne man auch jederzeit abbrechen oder seinen Dienst verkürzen, wenn man etwa ein Jobangebot oder einen Studienplatz bekomme. So erklärt Andreas sich auch die hohe Abbrecherquote: Er kenne nur einen Bufdi, der abgebrochen habe, und zwar deswegen, weil ihm eine Arbeitsstelle angeboten wurde. 

Andreas beendete seinen Bufdi im vergangenen Februar und beginnt im Oktober ein Theologiestudium. Sein Fazit: Ohne die Zeit als Bufdi zwischen Schule und Studium hätte er seinen Weg dorthin womöglich nicht gefunden. 

Für Andreas war diese Zeit eine richtungsweisende Erfahrung – für Patrik eine unerträgliche Situation.

Die Faktoren dafür sind vielfältig. Es liegt an den Aufgaben, an der Einsatzstelle, an der Wertschätzung, die einem entgegengebracht wird. Es liegt an der persönlichen Lebenssituation, an den Motiven, mit denen man die Stelle antritt. An Alternativen, die sich während dieser Zeit bieten. 

All das kann dazu führen, dass man seine Zeit als Bufdi verlängern – oder so schnell wie möglich etwas anderes machen möchte. 


Grün

US-Regierung will grausame Jagd-Methoden wieder erlauben, die Obama verboten hatte
Bärenjunge wieder frei zum Abschuss, echt jetzt?

Eine der beliebtesten Amtshandlungen von US-Präsident Donald Trump ist: Gesetze von Vorgänger Barack Obama wieder aufheben. Dabei scheint es oft keine Rolle zu spielen, ob Trump die Gesetze für gut oder schlecht befindet. Hauptsache, sie sind wieder abgeschafft.

Der nächste Schritt könnte nun Jägern wieder weitreichende Rechte zugestehen – und zum Teil brutale Jagd-Methoden wieder erlauben.

Demnach sollen geltende Regeln für Naturschutzgebiete wie im US-Staat Alaska aufgehoben werden. Einen entsprechenden Entwurf hat der National Park Service hier vorgestellt, Innenminister Ryan Zinke unterstützt die Jagd-Vorschriften. (Washington Post)