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Sich im Nachhinein beschweren, eine Online-Kampagne starten – das können sie, die Jungen. Aber zum Wählen selbst, seien sie zu faul. So kommentierten einige Beobachter in den Tagen nach dem Brexit-Referendum.

Die Basis dafür war eine Schätzung des Fernsehsenders Sky. Demnach seien nur 36 Prozent der Wahlberechtigten zwischen 18 und 24 Jahren auch zur Wahl gegangen. Bei den Wahlberechtigten über 65 Jahren seien es weit mehr gewesen. Jetzt wird klar: Die Schätzung war wohl ziemlich mies.

Eine Untersuchung der London School of Economics kommt zu einem völlig anderen Schluss. Demnach seien etwa 64 Prozent der zwischen 18 und 24 Jahre alten registrierten Wähler auch zur Wahl gegangen (The Guardian). In den Altersgruppen bis 54 Jahre sah es kaum anders aus:

  • Bei den 25-39-Jährigen seien es 65 Prozent gewesen,
  • bei den registrierten Wählern zwischen 40 and 54 Jahren auch nur 66 Prozent.
  • Erst dann sei die Wahlbeteiligung rapide gestiegen. 74 Prozent bei den 55 bis 64-Jährigen und unglaublich hohe 90 Prozent bei den über 65 Jahre alten Wahlberechtigten.

Die Zahlen beziehen sich – wie auch die offizielle Wahlbeteiligung – nur auf die registrierten Wähler. Nicht alle theoretisch Wahlberechtigten haben sich registrieren lassen. Rund 72 Prozent der 46.500.000 registrierten Wähler gingen am Ende auch zur Wahl.

Warum ist das wichtig?
  1. Junge Wähler wollen den Brexit eher nicht – und beschweren sich nun. Das Argument, die jungen Wähler seien halt zu faul gewesen, um zur Wahl zu gehen, zieht nun nicht mehr, schreiben die beiden Autoren, Michael Bruter und Sarah Harrison, in der Untersuchung. Über 70 Prozent der Jungen hat für den Verbleib Großbritanniens in der EU gestimmt. Ihre Wahlbeteiligung lag offenbar nur knapp unter dem Durchschnitt von 72 Prozent. Die Jungen sind es allerdings, die mit der Entscheidung, die mehrheitlich die Alten getroffen haben, am längsten leben müssen. Eine generelle Ungerechtigkeit in direktdemokratischen Referenden, die mal mehr und mal weniger ins Gewicht fällt – je nachdem wie groß die Meinungsunterschiede zwischen jungen und alten Wählern in der jeweiligen Abstimmungsfrage sind.
  2. Die Umfrage zeigt auf, dass es einen großen Unterschied gemacht hätte, wenn 16- und 17-Jährige auch hätten wählen dürfen. Viele Briten hatten das im Vorfeld gefordert. Der scheidende britische Premierminister hatte die Forderungen aber abgewehrt. Hätten die 16- und 17-Jährigen auch abstimmen dürfen, so wie es bei den nächsten Europawahlen wohl der Fall sein wird, hätten rund 1,6 Millionen Briten mehr abstimmen dürfen. Dass sie mehrheitlich für einen Verbleib ihres Landes in der EU gestimmt hätten, gilt als sicher. Am Ende lag das Brexit-Lager mit 1.270.000 Stimmen vorne. Die beiden Wissenschaftler schätzen, dass sich der Vorsprung des Brexit-Lagers durch die 16- und 17-Jährigen um etwas weniger als 500.000 Stimmen verringert hätte. Das hätte das Ergebnis nicht auf den Kopf gestellt – aber die Legitimität des Brexit-Votums geschwächt.
In der Slideshow: Wie junge Leute in London gegen den Brexit protestieren

Das sind die besten Plakate der Brexit-Gegner

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Woher kommen die Zahlen?
  • Nach der Wahl fragte das Umfrageinstitut Opinium 2002 Briten, ob und wie sie abgestimmt haben und ob sie registriert waren.
Warum hatte Sky andere Zahlen ermittelt?

Der Fernsehsender schätzte die Wahlbeteiligung anhand von Daten der vergangenen Wahl zum britischen Parlament ab. Sky orientierte sich daran, wie viele der Wähler pro Altersgruppe jeweils gesagt hatten, dass sie immer wählen gehen würden. Im Vergleich zu einer Umfrage nach der Wahl ist das eine sehr unsichere Methode.

So könnte der Brexit doch noch verhindert werden:

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Tech

So bekommst du Pokémon Go schon vor dem deutschen Release

Pokémon Go holt eine der berühmtesten Videospielreihen der Welt aufs Smartphone. "Gotta catch em all!" ist das Motto der neuen App von Spieleentwickler Niantic. 20 Jahre nach Veröffentlichung des ersten Pokémon-Spiels kann man auch in der realen Welt Pokémon fangen. Die App meldet via Vibrationsalarm, wenn ein Pokémon in der Nähe ist. Mit der Handykamera filmt man die Umgebung und Pokémon werden hineingeschnitten.

Klick: Der ultimative Pokémon-Anfänger-Guide

Bisher ist die App nur in den USA, Japan, Australien und Neuseeland erschienen, der deutsche Start war für den 10. Juli angekündigt. Die Veröffentlichung der App für Europa wurde verschoben, weil die Server überlastet sind. Wann sie offiziell erscheint, teilte Nintendo auf Anfrage nicht mit. (Golem)

Auch das separat erhältliche "Pokémon Go Plus"-Armband, das mit einem Vibrationsalarm auf Pokémon in der Nähe aufmerksam machen soll, ist schon komplett ausverkauft – obwohl der Hersteller noch kein einziges ausgeliefert hat. (i4u)

Trotz aller Schwierigkeiten kann man die App nutzen, zahlreiche Spieler sind auch in Deutschland schon auf der Jagd. Wir zeigen euch, wie das geht: