Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union dürfen frei entscheiden, in wechem Mitgliedsstaat sie leben und arbeiten. Ein Privileg, das an die EU-Mitgliedschaft geknüpft ist.

Um dieses Privileg nicht zu verlieren, haben Tausende Britinnen und Briten, die in Deutschland leben und arbeiten, zusätzlich zu ihrem britischen auch den deutschen Pass beantragt – den Doppelpass

Seit dem Brexit haben viele von ihnen Angst, ihr britischer Pass könnte mit dem Austritt weniger wert sein oder ihnen das Leben in Deutschland sogar erschweren.   

Die Zahl der Anträge für einen deutschen Pass ist deshalb stark gestiegen: Seit dem Brexit-Referendum hat sich die Zahl der Menschen aus Großbritannien, die eine deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, verzehnfacht (ZEIT). Wer noch einen Doppelpass will, muss sich beeilen: Nach dem Brexit verlieren die Briten ihren Anspruch darauf. 

Was ist eigentlich ein Doppelpass?

Einen Doppelpass zu besitzen bedeutet, dass man zwei Staatsbürgerschaften hat. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist eine Ausnahmeregelung, die im Fall von Großbritannien an die Mitgliedschaft in der EU geknüpft ist. 

Aber nicht alle Britinnen und Briten in Deutschland haben Anspruch auf einen solchen Doppelpass. Eine Einbürgerung ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft: In der Regel muss man zum Beispiel schon seit acht Jahren in Deutschland leben und gutes Deutsch sprechen. Wer noch einen Doppelpass beantragen will, müsste das so schnell wie möglich tun. Bei einem ungeregelten Brexit wäre der letzte Termin schon in drei Wochen: am 29. März 2019. Kommt ein Deal zustande, gibt es eine Übergangszeit, dann kann man den Doppelpass bis Ende 2020 beantragen.

Die Britin Naomi, 23, lebt schon ihr ganzes Leben in München. 

Letztes Jahr hat sie den Doppelpass beantragt – und ist nun auch Deutsche. Wir haben Naomi gefragt, was das für sie bedeutet.

"Ich bin ein Drittkulturkind, ich fühle mich weder ausschließlich englisch noch deutsch. Zwar kommen meine Eltern aus England, aber ich bin in München geboren und aufgewachsen. Am Küchentisch wird bei uns zu Hause meistens 'Denglisch' gesprochen, ich bin auf eine internationale Schule gegangen und auch sonst bin ich eine Mischung aus beiden Kulturen und Mentalitäten. 

Das merke ich an ganz banalen Dingen. Zum Beispiel bin ich viel direkter als die meisten Engländer. In England ist Höflichkeit sehr wichtig, da weiß man oft nicht so genau, was der andere gerade denkt und hält sich eher zurück. Meine Weihnachtsgeschenke packe ich dafür immer erst am 25. Dezember aus.

"Should I stay or should I go?" - Die Brexit-Kolumne

Im Juni 2016 stimmte die Mehrheit der Britinnen und Briten in einem Referendum für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – den Brexit. Was das für die Zukunft des Landes und junge Menschen in Großbritannien bedeutet, ist noch ungewiss. In unserer Reihe "Should I stay or should I go?" kommen deshalb junge Menschen zu Wort, die vom Brexit unmittelbar betroffen sind.

Der Tag des Brexit-Referendums war für mich ein Schock. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es zum Brexit kommt. Ich ging ins Bett, bevor die Ergebnisse feststanden. Am nächsten Morgen konnte ich es nicht glauben. Es fühlte sich an, als hätte mir jemand einen Teil meiner Identität genommen. 

Ich hatte das Gefühl, ich passe nicht mehr in die britische Gesellschaft: Schließlich bin ich ein Produkt der Europäischen Union. Eine andere Welt kenne ich nicht. Durch den Brexit wusste ich nicht mehr, ob ich mich als Engländerin überhaupt noch europäisch fühlen darf. Es war, als hätte man mir auf einem Schlag 27 Staaten weggenommen.

Deshalb entschied ich mich noch am selben Tag, neben meinem britischen auch den deutschen Pass zu beantragen. Das war gar nicht so einfach. Ich habe zu dieser Zeit in England studiert und wollte mein Studium natürlich auch abschließen. Um einen deutschen Pass zu beantragen, muss man aber in Deutschland leben. Auch deshalb bin ich nach dem Studium direkt nach München zurückgekommen. Schließlich konnte ich nur so einen Doppelpass beantragen.

Für mich ging noch alles gut aus: Seit Dezember habe ich neben meinem englischen auch den deutschen Pass. Genau wie meine Eltern. Die beiden leben seit 25 Jahren in Deutschland und freuen sich wahnsinnig, jetzt in Deutschland wählen zu dürfen. 

Für meine Schwester ist die Situation komplizierter. Sie studiert noch in England und kann den deutschen Pass deshalb nicht beantragen. Bei einem ungeregelten Brexit ist die letzte Frist am 29. März, zu dieser Zeit ist sie noch nicht mit dem Studium fertig. Wenn sie nach dem Brexit zurück nach Deutschland möchte, muss sie vielleicht ein Visum beantragen. Aber wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, muss sie ihren britischen Pass aufgeben. Damit hätte sie dann weniger Rechte in Großbritannien. Für Menschen wie meine Schwester bleibt die Zukunft ungewiss."

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