Bild: Fernando Frazão/Agencia Brazil/dpa
Darum ist der Tweet der Deutschen Bank völlig daneben.

Für manche ist Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro ein Rechtspopulist, für andere ein Rechtsextremist. Für die Deutsche Bank allerdings ist der Politiker einfach nur neoliberal – obwohl er gegen politische Gegner und Minderheiten hetzt, "beispiellose Säuberungen" angekündigt hat und mit einer brutalen Militärdiktatur sympathisiert. Doch die Deutsche Bank geht in einem Tweet noch weiter: Laut ihnen ist Bolsonaro der "Wunschkandidat der Märkte".

Was passiert gerade in Brasilien?

Brasilien hat gewählt: In einer Stichwahl, bei welcher der rechtsextreme Jair Bolsonaro gegen Fernando Haddad, einen Kandidaten der linken Arbeiterpartei PT antrat, gewann Bolsonaro mit 55,14 Prozent der Stimmen. Dieses Wahlergebnis hat Konsequenzen für ganz Brasilien: Denn Bolsonaro hetzt gegen Frauen, Schwarze und Homosexuelle. Er möchte das Waffenrecht liberalisieren, ist gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und möchte die Rechte der indigenen Bevölkerung im Amazonas-Gebiet einschränken.

Was sagt die Deutsche Bank zu Bolsonaro?

In einem Tweet, den die Deutsche Bank schon vor über zwei Wochen absetzte, beschreibt das Unternehmen den neu gewählten Präsidenten als neoliberal. Doch nicht nur diese milde Umschreibung Bolsonaros politischer Einstellung ist bedenklich: Die Deutsche Bank geht in ihrem Tweet noch weiter und twittert, Jair Bolsonaro sei der "Wunschkandidat der Märkte".

Nachdem zahlreiche Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer Kritik am Tweet der Deutschen Bank geübt hatten, entschuldigte sich das Unternehmen zwar nicht – allerdings gab die Bank an, generell keine Politiker und Parteien zu unterstützen.

Außerdem nannte das Unternehmen den Grund für ihre Einschätzung: Demnach sei durch Bolsonaros Versprechen, Staatsbetriebe verkaufen zu wollen, um den brasilianischen Haushalt zu sanieren, der Aktienmarkt um fünf Prozent gestiegen.

Wer freut sich noch über Bolsonaros Sieg?

Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump habe Bolsonaro telefonisch gratuliert, auch Anhänger Trumps freuten sich über das Ergebnis. Mauricio Macri und Sebasián Piñera, die Staatschefs von Argentinien und Chile, beglückwünschten den neu gewählten Präsidenten ebenfalls. (Süddeutsche Zeitung)

Doch auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger Brasiliens sind glücklich über das Wahlergebnis. Trotz Bolsonaros rassistischer Ausfälle haben selbst Schwarze Brasilianer den Rechtsextremen gewählt. Und auch Bewohner der brasilianischen Favelas – die Armenviertel, in denen Millionen von Brasilianerinnen und Brasilianern leben – gaben ihre Stimmen für Bolsonaro ab. 

Warum darf Bolsonaro nicht verharmlost werden?

Bolsonaros politischer Kurs bewegt sich zwischen rechtspopulistisch und rechtsradikal und ist eindeutig nicht einfach nur neoliberal, wie die Deutsche Bank es nennt: Denn mit seiner radikalen Rhetorik heizt der neu gewählte Präsident die Stimmung im Land an und macht Hetze gegen Schwarze, Homosexuelle oder linke Aktivistinnen und Aktivisten salonfähig. Die Tageszeitung "Folha de São Paulo" hat zudem einen Skandal um hunderttausende gekaufte Fake News aufgedeckt, die in WhatsApp-Gruppen verbreitet wurden, um Stimmung gegen die Arbeiterpartei PF und den Gegenkandidaten Haddad zu machen. (SPIEGEL ONLINE). 


Retro

Die "Fünf Freunde" sind jetzt erwachsen, leben glutenfrei und sind Helikopter-Eltern
Es gibt neue Bücher mit neuen Abenteuern – aber anders, als du denkst.

Was wurde eigentlich aus Julian, George, Anne, Dick und Timmy, dem Hund?

76 Jahre ist es her, da erschien in Deutschland der erste Band der Jugendbuchreihe "Fünf Freunde", geschrieben von Enid Blyton. Sie gehört mit rund 700 Werken, darunter auch "Hanni und Nanni" und über 600 Millionen verkauften Büchern zu den kommerziell erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen der Welt.

Doch Blyton starb 1968 – und die Freunde sind erwachsen geworden.