Nun zieht sie Konsequenzen.

Im Februar hatte sie eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt im Boxsport gestartet und kritisierte den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) mit heftigen Worten. Jetzt ist die ehemalige Vize-Europameisterin Sarah Scheurich von ihrem Posten als Athletensprecherin zurückgetreten – weil sie vom DBV zu wenig Unterstützung erhielt. 

Gemeinsam mit anderen Boxerinnen hatte sie seit Februar unter dem Hashtag #CoachDontTouchMe auf Missbrauch und sexualisierte Gewalt im Boxsport aufmerksam gemacht. 

Es ist ein Thema, zu dem "viel zu lange geschwiegen" worden sei, sagt Sarah Scheurich. 

Bei dem Hashtag geht es unter anderem um den Fall einer Hamburger Boxerin, die ihren Trainer beschuldigte, sie im Jahr 2011 auf Lehrgängen und Turnierreisen bedroht und sexuell missbraucht zu haben. Die betroffene Sportlerin war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt und gerade Mitglied im Nationalkader geworden. (NDR)

Nachdem die – inzwischen ehemalige – Boxerin im Dezember 2016 den Fall zur Anzeige brachte nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Die wurden aber vergangenen August wieder eingestellt – zwar gebe es einen "hinreichenden Verdacht", dass es sexuellen Kontakt zwischen der Sportlerin und dem Trainer gegeben hatte. Es könne aber nicht nachgewiesen werden, dass der Trainer seine Machtposition ausgenutzt habe. 

Die Ex-Boxerin hat inzwischen Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingelegt, die Entscheidung steht noch aus. 

Mit #CoachDontTouchMe wollten Sportlerinnen wie Sarah Scheurich den Opfern Mut machen, "dass sie sich öffnen können, ohne Scham", wie sie in einem Facebook-Post schrieb. Denn: Beim Hamburger Missbrauchsfall hatte sich die lokale Frauenbeauftragte des Amateur-Boxverbands eingeschaltet. Dafür hat man sie vom Verband ausgeschlossen und es wurde ihr Hausverbot erteilt. Die Begründung des Hamburger Amateur-Verbandes: "verbandsschädigendes Verhalten". (taz)

Also hatten die Boxerinnen ihren eigenen Verband kritisiert. Passiert ist: nichts. 

Deswegen trat Scheurich nun ihrer Funktion als Sprecherin zurück: In einem Facebook-Post begründete sie diesen mit der Untätigkeit des DBV:

"Der DBV hat es bis heute auch nicht für notwendig erachtet auf unsere Kampagne #coachdonttouchme auch nur zu reagieren, wir haben nicht den Hauch einer Unterstützung bekommen. Einzige Reaktion war die Umbenennung der bisherigen 'Verbandsärztin' über Nacht in 'Frauenbeauftragte'"

Ich bin gestern als Athletensprecherin der Deutschen Boxnationalmannschaft zurückgetreten. Das hat mehrere Gründe, ein...

Gepostet von Sarah Alexandra Scheurich am Dienstag, 29. Mai 2018

Und zur Frauenpolitik habe die Verbandsärztin bisher keinen Bezug gehabt – deshalb frage sie sich, "mit welcher Legitimation" die Männer des DBV Vorstandes die Frauenbeauftragte kürten. Und weiter:

So kann und darf Sportpolitik aus meiner Sicht nicht aussehen und ich bin nicht bereit, weiter meinen Namen für diese reine Alibipolitik, die nichts ändert, aber alles aussitzen will, herzugeben. ​
Sarah Scheurich

Die ehemalige deutsche Meisterin kritisierte zudem, dass man das Thema Prävention sexualisierter Gewalt im Sport "bewusst" ohne Athletenvertretung im DBV Vorstand angehen werde – der Termin der betroffenen Vorstandssitzung wurde nämlich auf den gleichen Zeitraum wie die Box-EM der Frauen gelegt, die im Juni in Bulgarien stattfindet.

Der Präsident des DBV, Jürgen Kyas, wieß die Vorwürfe zurück. "Wir distanzieren uns von der in dieser Form vorgebrachten Kritik, weil sie nicht der Realität entspricht", sagte Kyas. Er kritisierte, dass Scheurich kein verbandsinternes Gespräch gesucht habe. Beim Umgang mit sexualisierter Gewalt habe man sich stets an Richtlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes gehalten. (sport1)


Gerechtigkeit

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