Bild: Ralf Hirschberger/dpa

Ein katholisches Gymnasium in NRW zog einen Arbeitsvertrag zurück, weil der Lehrer seinen Lebensgefährten heiraten will. Die Einstellung des Lehrers stimme "nicht mit den Vorstellungen der katholischen Kirche von Ehe und Familie überein".

Ein Schulfest, in dieser Situation? Und dann auch noch unter dem Wochen vorher festgelegten Motto "Sag Ja zu Mariengarden"? Er habe, sagt Michael Brands, Schulleiter am katholischen Privatgymnasium Mariengarden in Borken, am vergangenen Samstag zunächst "ziemlich viele Bauchschmerzen" gehabt.

Was ist passiert?

Der Grund: Ein paar Tage vorher war bekannt geworden, dass das Gymnasium den unterschriftsreifen Anstellungsvertrag für einen Englisch- und Biologie-Lehrer zurückgezogen hatte. Der Mann, der gerade sein Referendariat in Mariengarden beendet hat, ist homosexuell und hatte angekündigt, seinen Lebensgefährten heiraten zu wollen.

"Wir haben daraufhin schweren Herzens vom Vertragsangebot Abstand genommen", sagt Pater Christoph Heinemann auf Anfrage des SPIEGEL. Heinemann ist Sprecher des Oblatenordens in Mainz, der das Gymnasium in Borken betreibt: "Die persönliche Lebenseinstellung des Lehrers stimmt nicht mit den Vorstellungen der katholischen Kirche von Ehe und Familie überein."

Eigentlich wollte ihn die Schule behalten.

Der Mann sei "zweifellos ein guter Lehrer" und auch nicht wegen seiner Homosexualität abgelehnt worden, sondern "nur wegen seiner Hochzeitspläne". Er könne verstehen, sagt Heinemann, dass es an der Schule jetzt ein Gefühl der Enttäuschung gebe.

Das gebe es bei Lehrern, Schülern und Eltern gleichermaßen, bestätigt Schulleiter Michael Brands. "Wir wollten ihn von Seiten der Schule gerne halten", sagt er über den Referendar. Jetzt müsse man in Borken ausbaden, "was meiner Meinung nach in der Kirche geändert werden müsste". Der Referendar hat mittlerweile eine Stelle an einer staatlichen Schule gefunden.

Brands und seine Kollegen unterstützten die Diskussionen auch auf dem Schulfest. Weil eine Lokalzeitung vom "Scherbenhaufen" der kirchlichen Personalpolitik geschrieben hatte, gab es für die Festbesucher einen echten Scherbenhaufen. "Wer wollte, konnte seine Wut, Ängste und Sorgen auf einer Scherbe notieren und in den Un-Mut-Topf werfen", berichtet Brands.

In der Schule wird nun diskutiert.

"Auseinandersetzungen über das kirchliche Arbeitsrecht und kirchliche Sexualmoral sind nicht neu", heißt es dazu in einer gemeinsamen Erklärung von Schulleitung und Oblatenorden, "auch innerhalb der Amtskirche ist vieles nicht unumstritten, manches hat sich bewegt." Weitere Diskussionen seien notwendig und würden auch in der Schule und im Unterricht geführt.

Dafür will auch Lara Doods sorgen. Sie sei, sagt die 17-Jährige, über die Entscheidung des Ordens entsetzt. Doods ist Schülersprecherin in Mariengarden. "Seit einer Woche ist die Kündigung das Top-Gesprächsthema bei uns." Abfinden wollen sich die Schüler damit nicht. So soll am Donnerstag in der großen Pause mit bunten Oberteilen und Luftballons der Protest noch einmal in die Schule getragen werden.

Dazu werden die Schüler den Hashtag #Mariengardenistbunt über Social-Media-Kanäle verbreiten. Schon zuvor hatte es im Netz Reaktionen von Ehemaligen gegeben, die die Entscheidung des Ordens kritisierten.

Zum Schulfest war auch der Leiter des Oblatenordens nach Borken gereist. "Wir wollen klar machen, dass Schülerinnen und Schüler, die selbst schwul oder lesbisch sind, sich keine Sorgen machen müssen", sagt Pater Christoph Heinemann. Dass das in der aktuellen Situation ein eher schwaches Argument ist, weiß er selbst.

Die Schüler jedenfalls wollen ihre Proteste fortsetzen. Natürlich, sagt Lara Doods, wüssten sie, dass sich die katholische Kirche nicht von jetzt auf gleich umkrempeln lasse. "Aber wenn es nicht sofort klappt, dann vielleicht in ein paar Jahren", sagt die Zwölftklässlerin. Von Eltern und Lehrern hätten sie bisher viel Unterstützung für ihren Protest erfahren: "So schlimm die Entscheidung ist: Der Widerstand dagegen hat uns als Gemeinschaft positiv gestärkt."

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen. 


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