Bild: dpa/Christoph Schmidt
Typisch Boris Palmer.

Dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer wird Rassismus vorgeworfen. Nicht zum ersten Mal. Aber dieses Mal macht der Grünen-Politiker eine größere Debatte daraus – und will auf Facebook Asylbewerber und Deutsche gegeneinander ausspielen.

In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage fordert er Nutzer auf, zu trennen, wann jemand Rassist ist und wann nur ein "verängstigter Mensch".

In den Kommentaren wird Palmer hingegen vorgeworfen, dass er durch solche Aktionen die Gesellschaft spalte.

1.

Was war passiert?

Vor einigen Tagen hatte der Grüne bei einer Talkrunde in Ulm von einem Vorfall mit einem Radfahrer erzählt. Palmer war sich sicher, dass es sich bei dem Mann um einen Asylbewerber handeln muss. Er sei schließlich schwarz gewesen. Auf die Frage, wie Palmer sich so sicher sein könne, antwortet er:

"Ich wette, dass es ein Asylbewerber war. So benimmt sich niemand, der hier aufgewachsen ist mit schwarzer Hautfarbe. Das wäre völlig missglückte Integration."

Daraufhin wurde Palmer Rassismus vorgeworfen – von Hautfarbe und Rowdyverhalten auf Flüchtling zu schließen, sei falsch. Mehrere Parteikollegen haben sich mittlerweile von Palmer distanziert. (FAZ)

Der Vorwurf der Grünen: Palmer trage dazu bei, "dass schwarze Menschen und Asylbewerber pauschal stigmatisiert werden und das Klima gegen diese Gruppen vergiftet wird". 

2.

Wie ging es weiter?

Palmer wollte die Kritik nicht gelten lassen – und bezog in einem langen Facebook-Post Stellung. 

Es sei vollkommen okay, "aus der Kombination seltener Merkmale einen Schluss zu ziehen", rechtfertig er sich darin. Junge Schwarze würden häufiger "Fehlverhalten" zeigen. Also meint Palmer, generalisieren zu können: "Das ist kein Rassismus, sondern Logik." 

Fehlverhalten gehöre sich generell nicht, für Asylbewerber aber "dreimal nicht". Auch für dieses Urteil wurde Palmer kritisiert – also legte er nun erneut nach.

3.

Worum geht's in Palmers Umfrage?

Am Freitagabend veröffentlichte er auf Facebook die Frage. Die ist wegen der schlechten Grammatik nicht auf den ersten Blick verständlich. Offenbar wollte Palmer wissen, wie man Schwarzen in Deutschland besser helfen könne. Die beiden Antwortmöglichkeiten haben dann aber nur wenig mit Hilfe zu tun: 

  1. Solle man lieber Menschen, die auf Straftaten verängstigt reagieren, als Rassisten bezeichnen?
  2. Oder solle man diese verängstigten Menschen respektieren und "offensiv gegen Tunichtgute, Störenfriede und Kriminelle unter den Asylbewerbern" vorgehen?

(Falls du dir selbst ein Bild machen willst, hier die Umfrage im Wortlaut:

Was ist daran problematisch?

Klar, Straftaten müssen geahndet werden. Vom Fehlverhalten einer Person auf eine ganze Gruppe zu schließen, ist dennoch: Rassismus.

Palmer lenkt so übrigens auch ganz nebenbei von den wirklich wichtigen Debatten ab.

  • Zumindest auf seiner Facebook-Seite geht es nun nicht mehr darum, wie Flüchtlinge integriert werden können.
  • Und auch nicht mehr darum, wie man Straftaten verhindert oder sie richtig ahndet.
  • Es geht nur noch darum, wie kriminell Flüchtlinge im Allgemeinen sind.
  • Dabei zeigen Studien, dass Ausländer nicht mehr oder weniger kriminell als Deutsche sind.

Übrig bleiben unbegründete Ängste. Und die schürt Palmer ganz gezielt. Immer wieder. So sorgt er mit dafür, dass aus diffusen Ängsten verletzende Vorurteile werden.


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