Ganz alltägliche Dinge können für Menschen mit Behinderung zu großen Herausforderungen werden. Denn an vielen Stellen sind die Städte, die Infrastruktur oder auch die Freizeit-Angebote noch nicht barrierefrei. Menschen ohne Behinderung haben oft gar keine Vorstellung davon, wo es im Alltag bei der Inklusion hakt. 

Blind shoppen gehen

Wenn man an einen sehbehinderten Menschen denkt, der shoppen geht, kommen vermutlich bei vielen Fragen auf. Zum Beispiel: Wie findet man die passende Klamotte, ohne sie zu sehen? Aber soweit muss man erstmal kommen. Denn am Anfang steht eine ganz andere Herausforderung. Man muss sich in der Fußgängerzone zurechtfinden. Die blinde YouTuberin Ypsilon hat das für ihre Follower in der Kölner Innenstadt mit einem Beitrag begleitet. Und wie das eben immer so ist, ist die Fußgängerzone natürlich ordentlich voll. Das heißt, zum einen muss sie höllisch aufpassen, nirgendwo anzustoßen, zum anderen will sie niemanden über ihren Blindenstock fallen lassen. Alles in allem eine Konzentrations-Meisterleistung. Ganz nebenbei muss sie natürlich das Geschäft finden, das sie sucht. Dabei kommen blinde Menschen meist nicht drum herum, andere Menschen nach dem Weg zu fragen. Aber wie beschreibt man einem blinden Menschen am besten den Weg?? „Da vorne bei dem roten Schild“ oder „Da entlang!“ in Kombination mit einer Geste, bringt jemanden, der nichts sehen kann, natürlich nicht weiter. Ypsilon nimmt es mit Humor. „Können sie mir vielleicht sagen, das wievielte Geschäft es ist?“.

Im Laden orientiert sich Ypsilon mithilfe der Verkäufer und fragt sich nach dem Gesuchten durch (graue Sneaker). Sie lässt sich Farben beschreiben, Material und Form kann sie selbst durch Fühlen beurteilen. In diesem Fall wusste sie schon ziemlich genau, was sie wollte, das reine Schlendern und durch die Auslage wühlen ist da schon etwas schwieriger, denn die Läden sind sehr unterschiedlich und die Waren sind nicht immer logisch sortiert.

Das ganze Erlebnis könnt ihr im Video verfolgen:

Im Rollstuhl spontan und alleine verreisen

 Die Autorin, Moderatorin und Schauspielerin Kübra Sekin sitzt im Rollstuhl. Wer schon mal ein Video der Vloggerin gesehen hat, weiß, dass sie tough ist. Aber spontan und allein verreisen bleibt für sie „eine große Challenge“. Oft ist es leider so, dass ein Teil der Selbstständigkeit von Menschen mit Behinderung an einen Ort gebunden ist, den sie kennen: Wo sind die Cafés und Toiletten, die barrierefrei sind? Gibt es jemanden, den ich anrufen kann, wenn der Rolli streikt, welche Wege sind einigermaßen barrierefrei? An Orten, die man kennt, hat man diese Fragen für sich beantwortet. An neuen Orten können böse Überraschungen lauern.  Aber Kübra will‘s wissen. Ihr Ziel: Salzgitter.

Menschen ohne Behinderung könnten vermutlich innerhalb weniger Minuten ein Bahnticket und eine nette Unterkunft buchen und im Prinzip sofort losfahren. Aber Kübra muss erst Hilfeleistungen anmelden fürs Ein-, Um- und Aussteigen mit dem elektrischen Rollstuhl. Außerdem muss gecheckt werden, ob Start-, Umsteige- und Zielbahnhof dafür geeignet sind. Und ein barrierefreies Zimmer zu finden, ist auch gar nicht so leicht. Nur große Ketten sind verpflichtet, barrierefreie Zimmer anzubieten. Viele kleinere Gasthöfe haben keine passenden Zimmer und selbst wenn, dann ist es häufig nicht auf der Homepage ersichtlich. Hilft nur eins: herumtelefonieren. Kübras Sorge beim allein Reisen ist zudem natürlich, dass irgendwas mit dem Rolli hakt. Wenn etwas schiefläuft, ist es nicht nur ein bisschen ärgerlich, sondern wird schnell zum größeren Problem. Wie Kübras Reise verlief und ob alles glatt ging, könnt ihr im Video erfahren:

Jobsuche mit Tic

Die Jobsuche ist immer ein bisschen mit Zweifeln und Aufregung verbunden. Findet man etwas Passendes? Was schreibt man in die Bewerbung? Wie verhält man sich im Bewerbungsgespräch und was tut man, wenn es einem plötzlich die Sprache verschlägt? Ganz andere beziehungsweise zusätzliche Hürden erlebt zum Beispiel René. Er ist 17 Jahre alt und hat vor ein paar Jahren eine Tic-Störung entwickelt.

 Seine Tics, das sind zwanghaft ausgeführte Geräusche und Bewegungen - , werden durch Stress verstärkt. Und was ist eine der klassischsten Stresssituationen? Richtig, ein Bewerbungsgespräch. Bei seiner Ausbildungssuche musste er leider feststellen, dass auch hier galt, was er schon im Alltag erfahren hatte: wenig Verständnis und Inklusionswillen. „Einmal wurde mir gesagt, Leute wie mich könnte man nicht mit Menschen arbeiten lassen“, sagt René. Dabei kann René sehr gut mit Menschen arbeiten, wenn man ihm einfach ein paar Pausen zugesteht. Das beweist er derzeit in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in einem Wohnheim für körperbehinderte Kinder und Jugendliche, wo er seit ein paar Monaten eine ganz normale 40-Stunden-Woche absolviert. „Die haben sehr viel Verständnis für mich. Wenn ich eine Pause brauche, darf ich sie mir nehmen und den Entspannungsraum nutzen“, sagt René. Tics hat er während der Arbeit kaum, weil er sich wohl fühlt und Körper und Geist beschäftigt sind. „Ich bin jetzt wieder viel zuversichtlicher, dass ich einen Ausbildungsplatz finde“, sagt René.  

Die Beispiele zeigen: Vor allem die mangelnde Barrierefreiheit und fehlende Inklusion bereiten Menschen mit Behinderung Probleme und schränken den Bewegungsradius ein. Mehr Zugänglichkeit, aber auch Verständnis würden vieles im Alltag erleichtern.  

Kundeninformationen

Du möchtest mehr über Ypsilon und Kübra erfahren? In den Stories auf dem Instagram-Kanal der Aktion Mensch berichten die beiden regelmäßig über ihren Alltag. 

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