Bild: Netflix
Keine geschickte Idee für ein autokratisches Land.

Die Nutzer von Ekşi Sözlük, einer Art türkischem reddit, wurden in den vergangenen Tagen mit einer eindringlichen Botschaft verstört: 

"Wir wissen, was du vorhast. Warte ab, was wir machen werden." 

Das schrieb ihnen mitten in der Nacht ein ominöser Absender, der sich "iamwaldo" nannte. So sieht die Nachricht aus:

Waldo soll eigentlich an eine Figur aus "Black Mirror" erinnern. Mit der Botschaft wollte Netflix in der Türkei Werbung für den Start der aktuellen, vierten Staffel machen.

Das ging allerdings nach hinten los: Viele Nutzer auf Ekşi Sözlük bekamen Angst, der Geheimdienst könne hinter ihnen her sein.

Auf Ekşi Sözlük schilderten Nutzer ihre Sorgen. Viele rätselten, wer Waldo sein könne. Die Auflösung, dass es nur eine harmlose Werbung ist, kam erst später. Laut "Daily Sabah" hätte die Nachricht verstörend gewirkt. Auch andere türkische Medien berichten von dem misslungenen PR-Stunt – und wie es Nutzer mit der Angst zu tun bekamen.

Die Türkei hat sich unter Präsident Recep Tayyip Erdogan in eine Autokratie verwandelt.

Erdogan konzentriert die Macht und vergibt Posten an seine Anhänger. Eine kritische Opposition gibt es kaum, Medien werden zensiert. 

Im Sommer 2016 hatten einige Militärs versucht, gegen Erdogan zu putschen – seither verfolgt die Regierung Kritiker mit aller Härte. Den Putsch hat sie zum Anlass genommen, mit einer Säuberungswelle Tausende Lehrer, Uni-Professoren, Beamte und Soldaten zu entlassen. Jeder, der nicht konform erschien, musste gehen oder wurde gar eingesperrt.

Nun sind viele still geworden. Sie fürchten, selbst für Kleinigkeiten verhaftet zu werden – Netflix hat genau diese Furcht ungewollt befeuert.

Gerechtigkeit

Protest in Iran: "Wenn es so weitergeht, werden wir viel Blut in den Straßen sehen"
Wir haben mit einer Demonstrantin gesprochen, die von Anfang an auf die Straße geht.

Reyhane ist wütend. Seit knapp einer Woche gehen in Iran täglich Menschen auf die Straßen (bento). Die 27-Jährige ist eine von ihnen. Zuerst ging es nur um gestiegene Lebensmittelpreise – mittlerweile um so ziemlich alles. In einer kollektiven Wut über das Regime versammeln sich Reyhane und ihre Freunde jeden Abend auf der Straße.