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Neue Zahlen des BKA zeigen, welche Gruppen wirklich gefährlich sind

Spezialeinheiten, die mit schwerer Bewaffnung Türen aufbrechen, Hubschrauberlärm, brennende Barrikaden - wer die Bilder von den Krawallen beim G20-Gipfel in Hamburg gesehen hat, konnte schnell glauben, die Stadt stünde kurz vor dem Kollaps. Bundesweit reagierten Politiker und Medien mit Entsetzen auf die Ausschreitungen im Schanzenviertel. 

Die SPD sprach anschließend von "Protestterroristen":

Auch Kanzleramtsminister Altmaier sprach von linksextremem Terror und verglich die Ausschreitungen in Hamburg mit rechtsextremen und islamistischen Taten - eine angesichts der zehn NSU-Toten und der Anschläge von Berlin oder München mindestens fragwürdige Analogie:

Doch wie groß ist die Terrorgefahr von links wirklich?

Aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen, dass die Zahl der sogenannten Gefährder im linksextremen Spektrum mit deutlichem Abstand die kleinste ist. BKA-Chef Münch sagte der Frankfurter Rundschau in einem Interview:

Im Bereich links gingen die Länder bislang von einer Größenordnung aus, die man an einer Hand abzählen kann. Im Bereich rechts ist es eine niedrige zweistellige Zahl.
Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (FR)

Dagegen zählt Münch rund 690 Islamisten, die verdächtigt werden, in absehbarer Zeit strafbare Handlungen zu begehen. Im Klartext: Es gibt laut BKA etwa 130 mal mehr islamistische als linksextreme Verdächtige. Auch die Zahlen der Rechtsextremen ist um ein vielfaches höher

Wir haben einen Gefährder getroffen:

Mehrere rechte Gruppen nach dem NSU entdeckt

Auch was die Radikalisierung betrifft, hält der Präsident des Bundeskriminalamts die rechtsextreme Szene für deutlich gefährlicher:

"Anders als derzeit im Bereich der politisch linksmotivierten Kriminalität sehen wir im rechten Spektrum durchaus das Risiko, dass sich terroristische Strukturen bilden können. In den letzten zwei Jahren hat das Thema Zuwanderung zu einer erkennbaren Radikalisierung der Szene beigetragen. Die immense Zahl von Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte in den Jahren 2015 und 2016 unterstreichen das. "

Als Beispiele für eine solche Radikalisierung in Richtung Terrorismus nennt Münch die Ermittlungen gegen Neonazis in Bamberg, die "Gruppe Freital" aus Sachsen oder die sogenannte "Oldschool Society" - bei allen Gruppen fanden sich Sprengsätze, die geeignet waren, Menschen zu töten oder schwer zu verletzen. 

Bei der Bamberger Neonazi-Gruppe fand die Polizei 2015 sogar Kugelbomben. Mitglieder der "Oldschool Society" wurden wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt (MDR). Gegen die sogenannte Gruppe Freital läuft aktuell ein Verfahren, das die Bundesanwaltschaft übernommen hat. Ihr werden drei Terroranschläge vorgeworfen. Erst Anfang Juli schrieb der Verfassungsschutz in seinem aktuellen Jahresbericht: "Die Herausbildung weiterer rechtsterroristischer Strukturen erscheint möglich."

Die Herausbildung weiterer rechtsterroristischer Strukturen erscheint möglich.
Verfassungsschutzbericht 2016
Vor allem rechte Gruppen rüsten auf

Als Beispiele für eine solche Radikalisierung in Richtung Terrorismus nennt Münch die Ermittlungen gegen Neonazis in Bamberg, die "Gruppe Freital" aus Sachsen oder die sogenannte "Oldschool Society" - bei allen Gruppen fanden sich Sprengsätze, die geeignet waren, Menschen zu töten oder schwer zu verletzen.

Bei der Bamberger Neonazi-Gruppe fand die Polizei 2015 sogar Kugelbomben. Mitglieder der "Oldschool Society" wurden wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt (MDR). Gegen die sogenannte Gruppe Freital läuft aktuell ein Verfahren, das die Bundesanwaltschaft übernommen hat. Ihr werden drei Terroranschläge vorgeworfen. Erst Anfang Juli schrieb der Verfassungsschutz in seinem aktuellen Jahresbericht: "Die Herausbildung weiterer rechtsterroristischer Strukturen erscheint möglich."

In Thüringen trafen sich Neonazis zu einem Rechtsrock-Festival:

Seit 1990 fast 200 Tote durch Nazis 

Auch wenn die Gewalt in Hamburg für viele sinnlos, zerstörerisch und verstörend war: Terror und politischer Mord gehen in Deutschland immer noch vor allem von Rechts aus. Wer sich mit dieser Erkenntnis schwertut, der sollte sich die - keineswegs neuen, aber immer wieder erschreckenden - Zahlen anschauen, die der Berliner Journalist Jan Thomsen kürzlich unter Berufung auf amtliche und seriöse Quellen zusammengefasst hat:

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Regel Nummer eins im Internet: Traue niemals dem Internet! Erst recht nicht, wenn es politisch wird. In den Diskussionen um den Umgang mit linksextremer Gewalt nach dem G20-Gipfel in Hamburg ging das ziemlich schief.

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