Bild: dpa / Montgomery County District

Bill Cosby ist ein freier Mann. Zumindest vorerst. Eine Million Euro Kaution muss der amerikanische Komiker zahlen, nur deswegen muss er nicht in Haft. Angeklagt wird Cosby wegen sexueller Nötigung in einem Fall, der schon knapp zwölf Jahre zurückliegt: Cosby soll die damals 31-jährige Universitätsangestellte Andrea Costand missbraucht haben, er betreute sie als Mentor.

"Mr. Cosby hat das Opfer gedrängt, Pillen zu nehmen und Wein zu trinken. Danach war sie bewegungsunfähig, und Mr. Cosby hat sie sexuell missbraucht", sagte der zuständige Staatsanwalt am Mittwoch.

Aber Andrea Constand ist nicht die einzige, die Bill Cosby sexuelle Belästigung vorwirft. Insgesamt 55 Frauen tun das.

So fasst die New York Daily News die Beweislage zusammen:

Natürlich gilt für Bill Cosby die Unschuldsvermutung. Und wie oft in Fällen von mutmaßlicher sexueller Gewalt wittern auch jetzt einige Unterstützer eine Kampagne gegen Cosby.

Die meisten Amerikaner allerdings haben inzwischen den Glauben an den Star verloren. Mehr als 7000 Menschen fordern in einer Petition Barack Obama dazu auf, Cosby seine Freiheitsmedaille abzuerkennen. Auf dem Weg zum Gericht begleiteten Cosby Rufe wie "Schäm dich" und "Du bist ein Monster". Die bekannte Feministin Lena Dunham twitterte:

Cosby war jahrelang eine moralische Autorität

Er spielte als erster Schwarzer eine Hauptrolle in einer amerikanischen Fernsehserie, später wurde er durch die "Bill Cosby Show" weltberühmt. Nun dämmert es vielen Amerikanern, dass Cosby wohl mit dem sympathischen Familienvater Dr. Cliff Huxtable aus der Show nicht viel gemein hat.

Viele der Fälle sind bereits verjährt

Ein Teil der Fälle liegt bereits Jahrzehnte zurück und ist deshalb verjährt. So hat Cosby bereits zugegeben, einer Frau 1976 Beruhigungsmittel gegeben zu haben, um mit ihr zu schlafen.

Auch Andrea Constand wirft dem 78 Jahre alten Comedian vor, sie mit Wein und Tabletten gefügig gemacht zu haben. Schon 2005 und 2006 wurde Cosby mehrmals zu den Vorwürfen Constands angehört. Damals hatte er angegeben, ihr Beruhigungspillen verabreicht zu haben. Allerdings sei der Sex einvernehmlich gewesen. Das Verfahren wurde eingestellt. Erst jetzt, kurz vor der Verjährungsfrist, wird es neu aufgerollt.

Sagen nun noch mehr Opfer aus?

Cosbys Gegner hoffen, dass nun durch das Verfahren auch andere Frauen, die Cosby belästigt haben soll, vor Gericht aussagen. Abwegig ist das nicht. Die Vergewaltigungsvorwürfe tauchten erst nach und nach auf. Cosby konnte sein Image als Saubermann lange aufrechterhalten, auch weil viele Opfer jahrelang schwiegen.

Das dürfte auch an der Stimmung gelegen haben, die lange in den USA herrschte. Die Vorwürfe waren teils bekannt, doch niemand nahm sie ernst. Cosby galt als “America’s dad”, schreibt der Guardian. Für den 14. Januar ist die erste Anhörung geplant. Cosby drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Quellen