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Geprägt haben den Begriff die Nazis.
Was ist passiert?
  • "Die Umvolkung Deutschlands hat begonnen. Handlungsbedarf besteht!" Am Samstagmorgen um 9.17 Uhr twittert die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla diese Sätze.
  • Ihre Partei reagiert empört: Die Unions-Fraktion im Bundestag hat sich von der Aussage bereits distanziert. Der Parlamentarische Geschäftsführer Grosse-Brömer nannte sie "unsäglich" (Zeit Online). Der in dem Tweet genannte CDU-Genralsekretär Peter Tauber twitterte:
Woher kommt der Begriff "Umvolkung"?
  • Die Nazis prägten den Begriff und meinten damit die Germanisierung deutschfreundlicher Bevölkerungsgruppen und die Vertreibung fremder Volksgruppen in den eroberten Ostgebieten.
  • Heute nutzen deutsche Rechtspopulisten, wie Pegida- oder AfD-Anhänger den Begriff, um die Flüchtlingspolitik der Regierung zu kritisieren.
  • Dahinter steckt die vermeintliche oder tatsächliche Angst, eines Tages "fremd im eigenen Land" zu sein, wie ein AfD-Landespoltiker dem ZDF sagte. AfD- und Pegida-Anhänger halten es also offenbar nicht für möglich, dass eingewanderte Menschen eines Tages genauso selbstverständlich Deutsche sein könnten wie hier geborene Menschen.
Wer ist Bettina Kudla?
  • Eine Hinterbänklerin in der CDU. Ihren Wahlkreis hat sie in Leipzig, auffallend sind nur ihre Tweets.
  • Anfang September hatte die CDU-Politikerin den regierungskritischen türkischen Journalisten Can Dündar als "Cansel Dünnschiss" bezeichnet. Schon damals distanzierte sich die CDU vorsichtig von ihr. Dündar hatte Waffenlieferungen der türkischen Regierung an Extremisten in Syrien enthüllt, saß zwischenzeitlich im Gefängnis und musste die Türkei verlassen. (SPIEGEL ONLINE)
Warum das Gerede von der vermeintlichen "Umvolkung" so gefährlich ist

Kudlas Tweet ließe sich leicht abtun, sie ist eine Außenseiterin selbst in der eigenen Partei, ein Wort – was macht das schon? Doch solche Äußerungen nicht ernst zu nehmen, das wäre fahrlässig:

  • "Umvolkung" ist ein Wort, das implizit zum Handeln aufruft. Die Rechtsextremen rechtfertigen so den Widerstand gegen Ausländer. Kudla mag mit ihrem Tweet politischen Handlungsbedarf meinen, bei einigen Bürgern kommt die Botschaft aber unter Umständen anders an: Wer eine "Umvolkung" fürchtet, greift womöglich zu außergewöhnlichen Mitteln. Von der Furcht vor der vermeintlichen Veränderung des Staatsvolkes bis zum gewaltsamen Widerstand ist es nicht weit.
  • Ausländer oder Menschen, die ausländisch aussehen, leiden darunter. Zahlen des Bundesinnenministeriums zeigen, wie groß das Problem inzwischen ist: Von Januar bis Mitte September registrierte die Polizei bereits 507 Fälle fremdenfeindlicher Gewalt – fast doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. Insgesamt wurden in den ersten achteinhalb Monaten des Jahres mehr als 1800 politisch motivierte Straftaten gegen Asylbewerber und Flüchtlinge registriert. (SPIEGEL ONLINE)

Angesichts dieser Zahlen dürfte es nicht hilfreich sein, dass sich neben den Rechtspopulisten nun auch eine Bundestagsabgeordnete einer Volkspartei solcher Sprachbilder bedient.


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