Am Montag postet die amerikanische Komikerin Beth Stelling ein Foto auf Instagram. Darauf zu sehen: Ihre Arme und Beine, übersät mit blauen Flecken. In der Bildunterschrift beschreibt sie, was sich in ihrer Beziehung bis zum vergangenen Sommer abgespielt hat. Ihr damaliger Freund habe sie vergewaltigt und missbraucht, schreibt Stelling.

Es ist peinlich. Ich fühle mich dumm!
Beth Stelling

Nach den Vorfällen sei sie noch zwei Monate mit dem Mann zusammen gewesen, erst dann habe sie sich von ihm getrennt. Den Namen ihres Ex-Freundes erwähnt Beth Stelling nicht.

In ihrem Post schildert Stelling ihre Bedenken, den Missbrauch öffentlich zu machen. Auch sei es ihr nicht leicht gefallen, nach der Trennung darüber zu sprechen: "Wenn Freunde oder Comedians fragen, warum wir Schluss gemacht haben, ist es nicht einfach oder angenehm zu antworten; es scheint nicht angebracht, bei einer Stand-up-Show über die Sache zu reden oder auf einer Party oder Hochzeit. Es ist peinlich. Ich fühle mich dumm!"

Ihr Ex-Freund selbst habe sie darum gebeten, in ihren Stand-up-Shows nicht über die Vergewaltigungen zu reden. Stelling hielt sich daran – bis vor kurzem. Seit sie auch auf der Bühne über die Misshandlungen spricht, hätten sich ihr auch andere Opfer ihres Ex-Freundes offenbart, schreibt Stelling. Darunter sei eine andere ehemalige Partnerin ihres Ex-Freundes.

Wer ist Beth Stelling?

Stelling lebt in Los Angeles, tritt regelmäßig als Stand-up-Comedian auf, zudem schreibt sie Drehbücher für Theaterstücke und Fernsehkomödien. Als Schauspielerin ist sie unter anderem in dem Film "This Isn't Funny" zu sehen. Den großen Durchbruch schaffte sie in diesem Jahr mit ihrem zweiten Comedy-Album "Simply the Beth".

Mit ihren Erfahrungen ist Beth Stelling nicht allein: In Deutschland wird rund jede vierte Frau Opfer von häuslicher Gewalt, das zeigt eine repräsentative Studie des Bundesfamilienministeriums von 2004. Eine 2014 veröffentlichte Studie der Europäischen Grundrechteagentur zu Gewalt gegen Frauen in ganz Europa kommt zu einem ähnlichen Ergebnis (zu den Studien). Zwei Drittel der misshandelten Frauen erleiden demnach schwere oder sehr schwere körperliche oder sexuelle Gewalt.

Allerdings sprechen viele der Opfer nie öffentlich über Vergewaltigungen und häusliche Gewalt. Für ihren mutigen Schritt in die Öffentlichkeit bekommt Beth Stelling auf Twitter auch deshalb viel Unterstützung:

Insgesamt erstrecken sich Stellings Schilderungen auf zwei Posts.
Die zentralen Stellen:

"Es gibt viele Gründe, eine gewalttätige Beziehung nicht öffentlich zu machen, vor allem Furcht. Furcht vor dem, was die Leute denken, Furcht davor, dass es mich schwach oder unprofessionell erscheinen lässt.

(…)

Ich schrieb vage Witze, weil wir beide in L.A. leben, ich wollte ihn nicht verletzen, einen Krieg beginnen, ihn anklagen, verhört werden oder von ihm oder seiner Familie und seinen Freunden belästigt werden. Ich wollte nach vorne schauen und vergessen, weil ich es nicht verstanden habe.

Auch jetzt möchte ich mich nicht rächen oder ihm wehtun, aber es ist ungesund, diese Sache für mich zu behalten, weil meine Stand-up-Shows von meinem Leben handeln. So verdiene ich meinen Lebensunterhalt.

(…)

Ich konnte nicht unsere Beziehung beibehalten und warten, dass es noch mal passiert. Ich werde es auch nicht mehr geheim halten, sodass jede Frau eine faire Chance hat, es in Zukunft zu vermeiden."

Hier ist der gesamte Text:
Same girl in all of these photos (me). I've had an amazing year and you've seen the highlights here, so these photos are an uncommon thing to share but not an uncommon issue. You may be weirded out but do read on. I have a point. There are many reasons not to make an abusive relationship public, mostly fear. Scared of what people will think, scared it makes me look weak or unprofessional.

When I broke up with my ex this summer, it wasn't because I didn't love him, it was because of this. And I absolutely relapsed and contacted him with things I shouldn’t have, but there are no “best practices” with this. When friends or comics ask why we broke up it's not easy or comfortable to reply; it doesn't seem like the appropriate thing to say at a stand-up show, a party or a wedding. It's embarrassing. I feel stupid. After being verbally, physically abused and raped, I dated him for two more months. It's not simple.

After I broke up with him he said, "You're very open and honest in your stand-up, and I just ask that you consider me when you talk about your ex because everyone knows who you're talking about." And I abided. I wrote vague jokes because we both live in L.A. and I didn't want to hurt him, start a war, press charges, be interrogated or harassed by him or his friends and family. I wanted to move on and forget because I didn’t understand.

I don't want revenge or to hurt him now, but it's unhealthy to keep this inside because my stand-up is pulled directly from my life. It's how I make my living. My personal is my professional. That is how I've always been; I make dark, funny. So now I'm allowing this to be part of my story. It's not my only story, so please don't let it be. If you live in L.A., you've already started to hear my jokes about this and I ask you to have the courage to listen and accept it because I’m trying.

Already since talking about this onstage, many women have come to me after shows asking me to keep doing it. Men have shown their solidarity. An ex-girlfriend of this ex-boyfriend came to me and shared that she experienced the same fate. Then there was another and another (men and women) who shared other injustices at his hand that shattered my belief that I was an exception. I am not alone; unfortunately I'm in a line of smart, funny women who experienced this from the same man in our L.A. comedy community.

I couldn't stay in our relationship waiting for a it to happen again & I wont keep it a secret any longer so that a future woman has a fair chance of voiding it. I don't have all the answers. I'm doing my best to work through this. There are more stories out there from men & women and they don't all involve getting raped by a stranger in an alley. Many crapes (the coziest kind) in the comfort of your own bed.
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