Bild: dpa/Pablo Albarenga
Danke Berlin!

Ganz ehrlich: Wie viel denkst du an einem Feiertag über dessen Bedeutung nach? Gut, an Ostern oder Weihnachten gehst du vielleicht noch in die Kirche – wenn du nicht schon längst ausgetreten bist. Aber Pfingsten, Himmelfahrt, Fronleichnam? Irgendwas ging da mit Jesus. Aber was noch mal? Ach, erstmal Netflix an und den Kater auskurieren.

Das Modernste, was Deutschland an Feiertagen zu bieten hat, sind der 1. Mai und der Tag der Deutschen Einheit. An diesen Tagen treffen sich immerhin Menschen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Oder, um auf einer Partymeile das eigene Land zu feiern – wenn es da gerade irgendetwas zu feiern gibt. 

Doch jetzt könnte ein Tag dazukommen, der für etwas steht, das wir dringend brauchen, für einen der wohl größten Kämpfe, die unsere Gesellschaft noch immer austrägt: die Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau. 

Denn nun soll – vorerst nur in Berlin – ein neuer Feiertag eingeführt werden: Der 8. März, der Weltfrauentag. 

Endlich ein historischer und aktueller Tag zugleich, der nicht nur daran erinnert, was Frauen alles erreicht haben – sondern wofür sie jetzt gerade und in Zukunft kämpfen müssen.  

Was feiert der Weltfrauentag eigentlich?

1911 – damals noch am 19. März – gingen erstmals Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz zum Frauentag auf die Straße. Sie forderten das Wahlrecht für Frauen, mehr politische Mitbestimmung. Außer in Finnland durften Frauen zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land wählen oder gewählt werden. In Deutschland war es erst 1918 soweit. 

Auch, wenn wir wählen dürfen, vieles andere bleibt uns noch immer verwehrt. Zum Beispiel so oft Chef sein wie Männer. 200 Jahre soll es noch dauern, bis Frauen und Männer die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, sagten Experten auf dem Weltwirtschaftsforum.

Auf genau solche Ungerechtigkeiten weist der Weltfrauentag hin. Ihn zum Feiertag zu machen, ist ein Signal an Frauen, weiterzukämpfen. Plakate zu malen, auf die Straße zu gehen, sich zu wehren – so lange, bis sich endlich etwas ändert. Je mehr Aufmerksamkeit es dafür gibt, desto besser. Für Frauen, die die Frauenquote durchsetzen wollen. Die ihre Arbeitgeber verklagen, wenn sie ungerecht bezahlt werden. Für Frauen, die den Paragraf 219a kippen wollen – damit Frauenärztinnen endlich nicht mehr veurteilt werden, wenn sie auf ihrer Homepage Schwangerschaftsabbrüche anbieten. 

Einen neuen Feiertag hatte zuletzt Hamburg eingeführt, dort entschied man sich für den Reformationstag – der Tag, an dem Martin Luther im Jahr 1517 mit einem rostigen Nagel 95 Thesen in lateinischer Sprache an eine Schlosskirche geschlagen haben soll. Dazu nur so viel: Nur noch 54 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören einer der beiden großen Kirchen an (evangelische Kirche: 21,5 Millionen, katholische Kirche: 23,3 Millionen).

Das Schöne am Weltfrauentag ist dagegen: Hier wird nicht nur die Hälfte der Bevölkerung angesprochen. Nein, dieser Tag ist auch, ja sogar ganz besonders: für Männer.

Am 8. März 2019 können zumindest die Berliner Männer sich einen Tag lang damit beschäftigen, ob sie ihre Kollegin für die tolle Arbeit und nicht für ihren Rock gelobt haben. Mit welcher Frau sie die nächste Führungsposition in ihrem Unternehmen besetzen. Oder ob sie der neuen Abteilungsleiterin nicht genauso viel Lohn geben wollen wie ihrem männlichen Kollegen?

"Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte", hatte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin 1910 gefordert, als sie den Weltfrauentag initiierte. 

Lasst uns also am 8. März die Menschenrechte feiern. Warum eigentlich nicht in ganz Deutschland?

Dieser Artikel ist zuerst am 22. November 2018 auf bento erschienen.


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