Bild: Marc Röhlig
Die Polizei ermittelt

Der Antisemitismus war in Deutschland nie weg. Er war nur längere Zeit nicht auf der Straße sichtbar. Nun zeigt ein Facebook-Video, mit wie viel Hass manche Menschen Juden in Deutschland begegnen. 

In einem knapp sechsminütigen Clip pöbelt ein Mann mitten in Berlin gegen den Restaurantbesitzer Yorai Feinberg. Er steht mit seiner Freundin vor dem gemeinsamen Restaurant, das jüdische Küche anbietet. Dann kommt der ältere Mann vorbei und beginnt grundlos, seinen Hass abzuladen. Sie zeichnen seine Rede auf Video auf und veröffentlichten es auf Facebook.

Es wird zum gruseligen Dokument, wie alltäglich Judenhass in Deutschland immer noch ist – und dass er kein importiertes Problem ist.
Hier könnt ihr den Clip sehen:

Antisemitismus in Berlin 2017 - Restaurant Feinberg's In den letzten Wochen wurde das Thema Antisemitismus in Deutschland mal wieder heiß diskutiert. Aus den einschlägigen Ecken hieß es direkt, dass die Angstgefühle von jüdischen Menschen und Israelis in Deutschland oft überzogen sind, man sich ja generell gerne in die Opferrolle flüchte und die vielen Attacken nur bedauerliche Einzelfälle seien. Doch es sind keine Einzelfälle. Solche Angriffe passieren nun mehr fast täglich und sie werden immer intensiver. Die Täter verlieren ihre Scham, weil Sie denken, Sie könnten ihr wahres Gesicht hinter dem schönen Begriff der "legitimen Israelkritik" verstecken. Doch am Ende bleibt es nur blanker Hass. Hass gegen Juden. Hass gegen Israel. Es ist wirklich schwer bei diesen Bildern noch die Fassung zu bewahren und rational einen Beitrag dazu zu verfassen, doch ich möchte allen danken, die sich Tag für Tag, trotz aller widrigen Umstände, in Deutschland für den Kampf gegen Antisemitismus einsetzen und Gesicht zeigen. Ob in der Politik oder privat. Zusammen, müssen wir uns weiter dafür einsetzen, dass antisemitische Attacken stärker verfolgt und geahndet werden, dass es nicht zu tolerieren ist, dass israelische Fahnen in Deutschland verbrannt werden, oder das Existenzrecht Israels in Frage gestellt wird. Never again.

Posted by Tabea Johanna Krause on Mittwoch, 20. Dezember 2017


Der Mann pöbelt los: "Ihr führt seit 70 Jahren Krieg gegen die Palästinenser. Ihr führt einen Krieg und wollt euch hier installieren." Die Kamera stört ihn bei der Tirade anscheinend nicht – er ist sich bewusst, dass all sein Hass aufgezeichnet wird. Und wird immer verletzender.

Was macht ihr eigentlich nach 1945 noch hier? Haben die Gaskammern nicht gereicht?

Dann behauptet der Mann, dass Deutschland seine Heimat sei. Yorai hingegen habe keine. Als Yorai sich über die aggressiven Beleidigungen des Mannes beschweren will, legt der nach: "Du kriegst deine Rechnung in zehn Jahren. In zehn Jahren lebst Du nicht mehr."

Das Video wurde bereits am Dienstagnachmittag aufgezeichnet, am Mittwochabend hatte es die Freundin von Yorai veröffentlicht. Mittlerweile wurde es 375.000 Mal angesehen und knapp 3000 Mal geteilt.

In den vergangenen Wochen gingen mehrmals arabischstämmige Demonstranten auf die Straße. Sie wollten gegen Trumps Entscheidung protestieren, Jerusalem zur israelischen Hauptstadt zu machen – tatsächlich zeigten sie ihren Judenhass. Mehrere israelische Flaggen wurden verbrannt. bento war bei einer der Demos dabei:

Das Video zeigt nun, dass Antisemitismus kein arabisches Problem ist – auch Deutsche tragen den Hass auf Juden in sich. 

Gegen Ende des Videos fuhr zufällig eine Polizeistreife vorbei. Yorai hielt die Beamten an, die Aufnahme stoppte. "Der Mann hat auch vor den Polizisten nicht aufgehört, uns antisemitisch zu beschimpfen", sagte er danach zu SPIEGEL ONLINE. "'Die Juden lügen', hat er gerufen." Der Mann sei so aggressiv gewesen, dass die Polizisten ihm Handschellen anlegen mussten. 

Sie haben nun Ermittlungen wegen Volksverhetzung und Widerstands gegen Polizeibeamte aufgenommen. 


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