Bild: Sebastian Christ

Es waren absurde Szenen, die sich am Abend in Berlin abspielten: Etwa 20 bis 30 Mitglieder der "Identitären Bewegung" hatten den Eingangsbereich der CDU-Zentrale besetzt.

Die meist jungen Demonstranten saßen auf dem Bürgersteig vor dem Konrad-Adenauer-Hauses und skandierten Parolen wie "Stoppt den großen Austausch" oder "Europa-Jugend-Reconquista" – klare Referenzen an neurechte und völkische Konzepte. Per Megafon machten sie Angela Merkel für die Gewalttat am Berliner Breitscheidplatz verantwortlich, bei der am Montag zwölf Menschen starben (bento).

Wer sind die "Identitären"?

Die "Identitäre Bewegung" sind Rechtsextreme, die seit 2012 in Deutschland aktiv sind. Die Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Flüchtlinge und Zuwanderer islamischen Glaubens werden von den "Identitären" in extremer Weise diffamiert. Auf Twitter macht das rechte Bündnis unter "Ein Prozent" Stimmung.

Die "Identitären" wenden sich gegen eine angebliche "Überfremdung" durch Einwanderer. Im vergangenen August besetzte die Gruppierung kurzzeitig das Brandenburger Tor.

Die Forderung der "Identitären": Sofort mit einem Vertreter der CDU zu reden.

Vor dem Eingang sangen die Identitären die deutsche Nationalhymne, außerdem das Volkslied "Die Gedanken sind frei". Womöglich der Versuch, das eigene fremdenfeindliche Gedankengut in die Tradition von oppositionellen Bewegungen der deutschen Geschichte zu setzen. Auch Sophie Scholl soll das Lied einst geschätzt haben.

Am Rande des Geschehens zeigte sich auch der rechte Publizist Jürgen Elsässer. Der Chefredakteur des Magazins "Compact" war zuvor bei einer "Mahnwache" vor dem Kanzleramt zusammen mit den AfD-Politikern Alexander Gauland und Björn Höcke aufgetreten.

Kaum mehr als 200 Menschen kamen, um bei schwülstigen "Trauerliedern" den Toten von Montag zu "gedenken". Im Publikum wurde bei Kerzenlicht unter anderem die Anwendung von Waffengewalt gegen die "Bedrohung" durch "Muslime" gefordert.

Danach schloss sich Elsässer den Protesten vor der CDU-Zentrale an. Er protestierte gegen die angebliche Anwendung von Gewalt und ließ sich schließlich von der Polizei auf den Randstreifen der Straße abführen.

Was macht die "Identitäre Bewegung" gefährlich? Klick dich durch die wichtigsten Fakten:
Die Identitäre Bewegung, kurz auch Identitäre, ist eine relativ junge rechtsextreme Bewegung.
In mehreren Bundesländern beobachtet der Verfassungsschutz die Gruppe.
Die Identitären setzen sich für "Ethnopluralismus" ein – also eine rassische Trennung der Nationen.
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Laut Polizei war eine Kundgebung auf der anderen Straßenseite angemeldet.

Die Besetzung des Eingangsbereichs dagegen sei illegal gewesen.

Gegen halb neun wurde daher die CDU-Zentrale geräumt. Die Demonstranten leisteten vereinzelt Widerstand.

Laut Augenzeugenberichten soll zuvor ausgerechnet die Antifa die eigentlich ungeliebte CDU verteidigt haben: Mitglieder der Antifa hatten gegen die Besetzung des Konrad-Adenauer-Hauses protestiert.

Die Polizei löst die Blockade auf(Bild: Sebastian Christ)

In Berlin kamen am Mittwoch aber auch immer wieder Menschen zusammen, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Nahe der Gedächtniskirche versammelten sich rund 800 Menschen, um gegen einen Aufmarsch der NPD zu protestieren. Am Brandenburger Tor stellten sich Berliner der AfD entgegen. Hier liest du unseren Bericht von vor Ort:

Hier findest du die wichtigsten Hintergründe zum Anschlag in Berlin:


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Polizei fahndet öffentlich nach Anis Amri – bis zu 100.000 Euro Belohnung
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Nach dem Anschlag in Berlin fahndet die Polizei jetzt öffentlich nach einem Verdächtigen. Gesucht wird der 24-jährige Tunesier Anis Amri, teilte das Bundeskriminalamt am Mittwochabend mit. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Beschuldigten führen, ist eine Belohnung von bis zu 100.000 Euro ausgesetzt. Amri könnte gewalttätig und bewaffnet sein, warnten die Behörden (tagesschau.de).

Amri wird verdächtigt, am Montagabend einem Lkw über den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert hat. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen, Dutzende wurden zum Teil schwer verletzt.