Bild: Azamat Zhanisov / Unsplash

Eigentlich sind Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland verboten. Es gibt allerdings Ausnahmen: Wenn eine Person sich zum Beispiel mindestens drei Tage vor dem Termin von einer staatlich anerkannten Stelle beraten lässt und der Abbruch vor der 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird, bleibt sie "straffrei". Wenn jemand abtreiben will, ist der nächste Schritt also zwangsläufig eine Konfliktberatung, denn nur dort bekommt man den Beratungsschein, den man vorlegen muss. 

Wer nach einer solchen Beratung sucht, findet unter anderem auch die Beratungsstelle "Pro Femina". In Berlin hat die Organisation zum Beispiel im Juli eine neue Zweigstelle eröffnet (taz). "Pro Femina", das klingt ein bisschen wie "Pro Familia", und auch sonst macht die Seite einen seriösen Eindruck.

Das Problem: "Pro Femina" ist keine staatlich anerkannte Beratungsstelle. Und ihre Beratung scheint nicht ergebnisoffen zu verlaufen. Recherchen wie die von Buzzfeed und Strg_F zeigen, wie einige Beratungen mit dem Ziel geführt wurden, von einer Abtreibung abzuhalten. 

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Ein Bündnis aus feministischen Organisationen ruft deshalb zum Protest am ersten August gegen "Pro Femina" auf (Facebook). Ihre Forderung: "Die ergebnisoffene Beratung von Schwangeren in Krisensituationen und der freie Zugang zu Informationen über Abtreibungen. Wir fordern die Schließung dieser selbsternannten Beratungsstelle!“

Jetzt könnte man natürlich sagen: Naja, von einer, die eine so wichtige Entscheidung trifft, kann man ja wohl erwarten, dass sie selbst recherchiert, von wem sie sich beraten lässt. Wer mit den Ideen von "Pro Femina" nicht einverstanden ist, kann ja wegbleiben. 

Aber die notwendige Recherche ist Teil des Problems: Zum Körper einer Schwangeren und zu ihrem Recht auf Abtreibung gibt es nicht nur sehr viele unterschiedliche Meinungen – sondern auch einen Informationskrieg.

Auf der einen Seite verbietet der Gesetzgeber derzeit Ärzten und Ärztinnen, über genaue Verfahren zu informieren, mit denen sie eine Schwangerschaft beenden, eine Liste, auf denen die Mediziner gesammelt werden, die Abbrüche anbieten, ist unvollständig und umstritten (SPIEGEL ONLINE), und Studierende der Medizin, die die Technik richtig lernen wollen, gehen dafür an ausländische Universitäten (bento).

Aber auf der anderen Seite wird eine selbsternannte Beratungsstelle nicht dazu  verpflichtet, noch vor einem Kontakt klar zu kennzeichnen, dass ihr Angebot nicht staatlich anerkannt ist und sie keinerlei Berechtigung hat, die nötigen Beratungsscheine auszustellen.

Dieses Ungleichgewicht führt dazu, dass Bedürftige in einer schwierigen Situation keine Informationen finden – und dann bei der Suche nach Ansprechpartnern an Organisationen geraten, deren Beratung nicht anerkannt ist.

Und das ist genau das Gegenteil von dem, was die staatliche Beratung eigentlich sein sollte, das Gegenteil von dem, worauf sich die demokratisch gewählten Repräsentanten geeinigt haben. Sie haben entschieden, dass es für so eine wichtige Entscheidung wie einen Schwangerschaftsabbruch eine verpflichtende Beratung geben muss – aber dass sie dann auch unseren Prinzipen entsprechen muss, sie muss anonym, ergebnisoffen und unabhängig von religiösen Überzeugungen sein. Es wäre doch schön, wenn das auch durchgesetzt würde. 


Grün

Plastikfrei im Bad: Zwei Wochen ohne Shampoo und Zahnpasta

Egal ob Deo, Zahnpasta oder Bodylotion: Die meisten Produkte, die man im Badezimmer benutzt, sind in Plastik verpackt. Plastik, das irgendwann im Müll landet. Trotz eines eigentlich gut gemeinten Recycling-Systems verkauft Deutschland Müllberge in ärmere Länder, zum Beispiel Malaysia. Über schlecht gesicherte Deponien landet so auch Müll aus Deutschland in den Meeren, in Meerestieren und in unserer Nahrung (Deutsche Welle, Greenpeace).

Immer mehr Menschen sehen Plastik daher als großes oder sogar größtes Umweltproblem (BMU). Wer etwas dagegen tun möchte, fängt meist bei sich selbst an und reduziert Verpackungsmüll.