Die Eismarke "Ben & Jerry's" hat sich in der Diskussion um Rassismus und Gewalt gegen Schwarze in den USA mit einem deutlichen Statement zu Wort gemeldet: Auf ihrer Website und bei Twitter spricht sich die Firma jetzt für die Bewegung "Black Lives Matter" aus, die seit etwa drei Jahren gegen Polizeigewalt demonstriert und gleiche Rechte für alle einfordert.

In dem Statement heißt es:

Black lives matter. They matter because they are children, brothers, sisters, mothers, and fathers.

"They matter because the injustices they face steal from all of us — white people and people of color alike. They steal our very humanity."

"Es ist schrecklich mit anzusehen, wie die Liste der von Polizisten getöteten, unbewaffneten schwarzen Amerikaner länger und länger wird", schreibt die Firma. Und: "Wir müssen erkennen, dass zahlreiche schwarze und weiße Amerikaner sehr unterschiedliche Erfahrungen mit dem Justizsystem und der Polizei machen. Deshalb ist uns klar geworden, dass wir eine moralische Verantwortung haben, für Gerechtigkeit und schwarze Leben einzustehen." (Ben & Jerry's)

    (Bild: Ben & Jerry's )

    Außerdem veröffentlichte die Firma eine Liste mit sieben Punkten, die zeigen soll, wie systematischer Rassismus in den USA funktioniert. Zum Beispiel in punkto Reichtum: Weiße Familien halten demnach 90 Prozent des nationalen Vermögens, die schwarze und lateinamerikanische Bevölkerung nur 2,6 beziehungsweise 2,3 Prozent.

    Und auch bei der Bildung sieht es laut "Ben & Jerry's" schlecht aus: So hätten schwarze Schüler eine dreifach höhere Wahrscheinlichkeit, dem Unterricht verwiesen zu werden – für dieselben Vergehen wie ihre weißen Klassenkameraden. (Ben & Jerry's)

    "Black Lives Matter" – darum geht es:
    Ein Polizist erschießt im August 2014 in Ferguson einen unbewaffneten Schüler. Es gibt keinen Gerichtsprozess - die "Black Lives Matter"-Bewegung wird bekannt.
    Sechzehn Mal schießt ein Polizist im Oktober 2014 auf den 17-jährigen Labuan McDonald, der in Chicago über eine Straße rennt. Der Beamte wird des Mordes angeklagt.
    Tamir Rice ist erst zwölf Jahre alt, als er beim Spielen mit einer Softairwaffe in den Straßen von Cleveland in Ohio im November 2014 von einem 26-jährigen Polizisten niedergeschossen wird.
    Im Dezember 2014 wird Rumian Brisbon bei einer Personenkontrolle in Phoenix erschossen. Die Polizei glaubte, er sei bewaffnet - tatsächlich hatte er nur Medikamente in der Tasche.
    Bei einer Verkehrskontrolle im April 2015 erschießt die Polizei den 50-jährigen Walter Scott in North Charleston, South Carolina. Zuvor gab es Streit - wegen eines kaputten Rücklichts.
    Im Juli 2015 wird Samuel DuBose bei einer Verkehrskontrolle in Cincinnati, Ohio, erschossen. Sein Auto hatte vorne kein Nummernschild. Er war unbewaffnet.
    Im Dezember 2015 tötet ein Polizist aus Chicago einen 19-jährigen Studenten und eine 55-jährige Frau. Der Jugendliche hatte zuvor seinen Vater bedroht, die Frau wird versehentlich getroffen.
    Zeugen filmen mit ihren Smartphones, wie der 37-jährige Verkäufer Alton Sterling im Juli 2016 in einem Supermarkt in Louisiana auf dem Boden liegend erschossen wird.
    Ein Live-Video der Freundin von Philando Castle zeigt, wie auf ihn geschossen wird, als er bei einer Fahrzeugkontrolle in Saint Louis, Missouri, im Juli 2016 seine Fahrzeugpapiere zeigen möchte.
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    Warum setzt sich "Ben & Jerry's" für die Bewegung ein?

    Die Eisfirma, gegründet in den Siebzigern von zwei selbsterklärten Althippies, hat eine lange Geschichte von sozialem Engagement: Firmengründer Jerry Greenfield und Ben Cohen setzen sich für die gleichgeschlechtliche Ehe ein, machen Lobbyarbeit für eine Kennzeichnungspflicht von Gentechnik und kämpfen gegen den Klimawandel. Bei einem Protestmarsch unter dem Titel "Democracy Awakening" im Jahr April 2016 sollen die beiden kurzfristig festgenommen worden sein – was sie natürlich publikumswirksam ausschlachteten. (Guardian)

    Dahinter steckt natürlich auch eine Strategie: In den Vereinigten Staaten hat die sogenannte "Corporate Social Responsibility" einen hohen Wert. Unternehmen haben erkannt, dass eine moralische Positionierung zwar Feinde erzeugt, aber vor allem die Glaubwürdigkeit erhöht. Deshalb setzen sich Firmen wie "Doritos" und "Oreos" für die Ehe für alle ein, der Supermarktriese Target für geschlechtsneutrale Formulierungen.

    Bei der Öffentlichkeit kommt die Positionierung jedenfalls gut an:
    Zum Dank entstand auf Twitter der neue Hashtag #BenAndJerrysNewFlavor, unter dem die User die besten Ideen für eine "Black Culture" Eissorte sammeln.

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