Bild: dpa/Emily Wabitsch

Belgien geht gegen das Schächten vor. In der Region Flandern ist die religiöse Form der Tiertötung bereits seit 1. Januar verboten, in der Region Wallonien soll ein Verbot im September folgen. (New York Times)

Beim Schächten wird einem Tier lebendig die Halsschlagader durchtrennt, dann soll es vollständig ausbluten. Nach religiöser Überzeugung entweicht so die Seele aus dem Tier, erst dann darf es verspeist werden. Das Tier erleidet dabei aber minutenlang einen qualvollen Tod. Das Schächten ist im Judentum und im Islam Pflicht.

Tierschützer engagieren sich seit Jahren gegen das Schächten – aber Juden und Muslime in Belgien fürchten, dass vor allem Rechtspopulisten und Antisemiten hinter dem neuen Verbot stecken.

Von einem "Affront gegenüber den europäischen Werten, die wir alle so hochhalten", spricht Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz und Oberrabbiner von Moskau. Das Verbot des Schächtens würde jüdisches Leben iun Europa gefährden. (The JC)

Auch Yaakov David Schmahl, ein Rabbiner aus Antwerpen, ist verunsichert. Beim Verbot sei nicht klar, ob wirklich der Tierschutz im Vordergrund stehe – oder Vorurteile gegen Juden und Muslime:

„Man kann die wahren Absichten der Menschen nicht sehen, so lange sie nicht sagen, was sie bewegt. Die meisten Antisemiten tun das nicht.“

Wieso lässt sich Schächten und Tierschutz nicht in Einklang bringen?

Die meisten Gesetze in Europa verlangen, dass ein Tier mindestens betäubt wird, bevor es geschlachtet wird. Hühner werden in ein Elektrobad getaucht, größere Tiere bekommen einen Bolzenschuss

Im Judentum und Islam sieht die religiöse Praxis jedoch vor, dass das Tier gesund ist, bevor es geschächtet wird – das steht im Widerspruch zum Bolzenschuss.

In Schweden, Norwegen, Island, Dänemark, Slowenien und der Schweiz gibt es Schächtverbote – in Deutschland gilt ein rechtlicher Spagat. Schächten ist hier zwar grundsätzlich verboten, aber es muss Ausnahmen geben. Diese sollen die ungestörte Religionsausübung gewährleisten. (SWR)

Für den Hintergrund:

Im Islam wie auch im Judentum gelten für Gläubige bestimmte Speisevorschriften, erlaubtes Essen ist "halal" beziehungsweise "koscher". Unter anderem Schweinefleisch ist in beiden Religionen verboten. Außerdem muss jedes Tier komplett ausbluten, bevor es verzehrt werden darf – die umstrittene Praxis wird Schächten genannt.

Die "Koscher"-Regeln sind etwas strenger, hier wird auch Milchiges von Fleischigem getrennt. Käse und Wurst dürfen also nicht auf einen gemeinsamen Teller. Mit einem Zertifikat können sich Fabriken, Metzgereien und Bäckereien bescheinigen lassen, dass sie "halal" oder "koscher" produzieren.


Streaming

Marie Kondo räumt jetzt bei Netflix auf – funktioniert ihre Methode wirklich?
Was man von KonMari lernt.

Sie sei hier, um Ordnung und Freude in die Welt zu bringen, sagt Marie Kondo im Vorspann der neuen Netflix-Serie "Aufräumen mit Marie Kondo". Darin zeigt die 34-jährige Aufräumexpertin und Bestsellerautorin aus Japan Familien, wie sie ihr Haus mit der KonMari-Methode aufräumen. Und damit nicht nur ihr Zuhause – sondern auch ihr Leben verändern können. So zumindest die Theorie. 

Am ersten Januar bekamen viele Netflixnutzerinnen und -nutzer eine Push-Mitteilung, die sie über den Start der Aufräum-Serie informierte. Der Zeitpunkt war sicherlich nicht zufällig gewählt: Eine Serie, die den Weg in ein ordentlicheres und besseres Leben weisen will, passt gut zu einem Tag, an dem die Menschen noch verkatert, aber hochmotiviert auf dem Sofa liegen – schließlich ist das neue Jahr da, gute Vorsätze wollen erfüllt werden. Warum nicht endlich ausmisten?