Bild: Robin Wilson-Beattie
Bisher klappt das richtig gut.

Wenn Robin Wilson-Beattie läuft, dreht sich bei jedem Schritt ihr rechter Fuß nach innen. Wenn sie ihn hinter sich her zieht, schleift er über den Boden, vor sich schiebt sie einen Rollator. 

Robin hat eine Gehbehinderung. Und sie findet: Sie hat trotzdem das Recht auf ein erfülltes Sexleben. 

15 Prozent der Bevölkerung weltweit haben irgendeine Art von Behinderung. Wir sind Teil der Gesellschaft. Und wir haben Lust auf Sex!
Robin Wilson-Beattie, Expertin für Behinderung und Sexualität

Auch unter den Deutschen haben 13 Prozent eine amtlich anerkannte Behinderung (Statistisches Bundesamt). Als Expertin für Behinderung und Sexualität kämpft Wilson-Beattie dafür, dass der Teil der Welt ohne Behinderungen versteht, dass auch Menschen mit Behinderungen Lust verspüren – und jedes Recht haben, sie auszuleben. 

Als Waffe in diesem Kampf nutzt sie: Twitter

Auf der Digitalkonferenz re:publica in Berlin, hat Wilson-Beattie nun erzählt, wie genau ihr das gelingt.

1.

Mit dem Hashtag #SexTalkTuesday

Im vergangenen Jahr hat Wilson-Beattie dazu aufgerufen unter dem Hashtag #SexTalkTuesday darüber zu sprechen, inwiefern die Sexindustrie Produkte schafft, die speziell Menschen mit Behinderungen bei der Befriedigung ihrer Lust helfen. Sie stellte ihnen fünf Fragen, über die die User diskutierten. 

Das traurige Ergebnis: Menschen mit Behinderungen werden in der Sexindustrie kaum berücksichtigt. Wilson-Beattie hat daraufhin im Gespräch über Twitter herausgefunden, was Menschen mit Behinderungen sich von der Sexindustrie wünschen.

"Viele Menschen mit Muskelschwächen oder die Probleme mit dem Greifen haben, wünschen sich Sexspielzeug, das sich leichter bedienen lässt", erzählt sie im Gespräch mit bento. "Viele haben auch Probleme mit dem Aufladen ihrer Geräte, weil das oft kleine Teile involviert und man Kabel umstecken muss. Perfekt wäre darum beispielsweise magnetisches Aufladen der Spielzeuge."

Bei den "Adult Video News Awards" im vergangenen Januar – dem Oscar der Erotik-Filme – teilte sie dieses Wissen vor internationalen Sexspielzeug-Herstellern – und hofft, dass diese Menschen mit Behinderungen künftig beim Designen ihrer Produkte stärker berücksichtigen. 

2.

Mit dem Hashtag #DisabledAndCute

Sichtbarkeit ist wichtig, denn nur so können Menschen Teilhabe bekommen: Indem man sie sieht. Über Twitter will Wilson-Beattie dafür Bewusstsein schaffen.

Durch das Netz hätten Menschen mit Behinderungen einen Weg gefunden gesehen zu werden – und zwar als Menschen, die Spaß am Leben haben, die nicht bemitleidet werden müssen, denen man auf Augenhöhe begegnen kann und sollte. Die sexy und erotisch sein können.

Diese Bilder posten Menschen mit Behinderung für sich:

So zeigen sie sich selbstbewusst auf Social Media:

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3.

Und auch mit dem Hashtag #MeToo 

Obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit Behinderungen sexuell belästigt werden, doppelt so groß ist wie bei Menschen ohne Behinderungen, waren sie in der Diskussion um Machtmissbrauch in der Gesellschaft in den Mainstream Medien kaum involviert. (TeenVogue

Die Aktivistin für Rechte von Menschen mit Behinderungen, Alice Wong, die das Projekt "Disability Visibility Project" gegründet hat, rief Menschen mit Behinderungen dazu auf, in einem Twitter-Chat auch ihre Erfahrungen zu teilen: 

Damit lenken sie die Aufmerksamkeit darauf, dass Menschen mit Behinderungen noch viel dringender über #MeToo reden – und gehört werden – sollten. Denn zum Thema Sex gehört leider auch sexueller Missbrauch. Und darüber muss gesprochen werden. 

"Ich habe Twitter tatsächlich erst 2014 für mich entdeckt", erzählt Wilson-Beattie im Gespräch mit bento. 

Am Anfang habe ich das Potential für Menschen wie mich darin noch nicht gesehen.

Inzwischen glaube sie, dass Menschen mit Behinderung auf Twitter viel erreichen können. "Es ermöglicht uns Austausch, Zugang, Anteilnahme und wir können Bewusstsein schaffen." 


Gerechtigkeit

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