Bild: YouTube/Neo Magazin Royale
Böhmermanns Video zeigt, was wir AfD und Pegida entgegensetzen müssen.

Was ist derzeit eigentlich typisch deutsch? Für Flüchtlinge zu applaudieren, um sie in unserem Land willkommen zu heißen? Oder Heime anzünden?

Jan Böhmermann hat diese Woche mit seinem Video “Be Deutsch” diese Fragen neu gestellt – und die Antworten gleich mitgeliefert: Die richtig guten Deutschen haben doch aus der Nazi-Zeit gelernt, sie sind mitfühlend, aufgeklärt, weltoffen.


Was Böhmermann nicht sagt: Wir, die Jungen, sollten uns seinen Aufruf ganz besonders zu Herzen nehmen und vorangehen. Sich ohne Angst auf etwas Neues einzulassen, war schon immer Sache der Jugend.

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Dabei könnte helfen, dass junge Menschen einfach noch nicht viel zu verlieren haben. Wir haben kein Haus im Grünen, wir fragen uns nicht, ob Flüchtlinge eventuell das Niveau in der Grundschulklasse der Tochter runterziehen. Wir müssen keine Angst haben, dass sich unser Lebensstil radikal ändert – wir verändern ihn eh ständig.

Deshalb müsste unsere Generation die erste sein, die geflüchtete Menschen willkommen heißt. Es ist die große Frage des nächsten Jahrzehnts, ob wir den neuen Bürgern im Alltag mit Wut, Hass und Ignoranz oder aber mit Verständnis begegnen. Wir sollten sie zu unserer machen.

Wenn nicht wir, wer dann?

Unser Vorteil: Wir haben als Erasmus-Studenten bei Bier und Wein von einer Welt ohne Grenzen geträumt; wir haben erfahren, dass die eigene Kultur erst so richtig interessant wird, wenn man auch andere Kulturen im Alltag erlebt; wir haben uns fast alle schon mal fremd gefühlt in einem anderen Land, um die Einsamkeit dann doch schrittweise zu überwinden, Satz für Satz in der fremden Sprache. Wir müssten, eher noch als unsere Eltern, ansatzweise nachvollziehen können, wie sich die Flüchtlinge nun fühlen.

Aber wo sind die jungen Menschen, die für diese Ideale eintreten? Noch sind sie zu leise.

Viele von ihnen setzen sich direkt für Flüchtlinge ein. In den Heimen und an den Hauptbahnhöfen helfen meist junge Freiwillige – oft bis zur Erschöpfung. Das ist bewundernswert. Aber praktische Hilfe allein wird nicht reichen.

Spätestens seit der Kölner Silvesternacht, seit den AfD-Erfolgen bei den Landtagswahlen nehmen die Sorgen der AfD-Anhänger in der Diskussion zu viel Raum ein. Wir müssen die Debatte beeinflussen, sonst werden wir auch die Zögerlichen, die Unentschlossenen nicht überzeugen.

Nicht alle von uns haben Millionen Twitter-Follower und eine eigene Fernsehsendung.

Aber die Gelegenheit für unsere Werte einzustehen, haben wir trotzdem. In unseren eigenen kleinen Öffentlichkeiten, also beim WhatsApp-Chat mit dem besorgten Cousin, in den Diskussionen auf Facebook, beim Abendessen mit den Großeltern. Und auch ganz privat im Selbstgespräch, wenn wir doch einmal Angst haben und eigentlich gar nicht genau wissen, warum.

AfD und Pegida haben ihr Deutschlandbild bereits enthüllt. Dem müssen aufgeklärte Bürger etwas entgegensetzen. Aber was genau?

Böhmermann tritt ein für ein tolerantes, aufgeklärtes, vernünftiges Deutschland.

Auf der Suche nach Identität sollen wir ins Grundgesetz schauen – das reiche als gemeinsamer Bezugspunkt und weise uns den Weg. Diese Meinung vertritt Böhmermann schon länger – zum Beispiel in Interviews oder in seinem Podcast.

Nicht alle werden ihm zustimmen.

Viele lehnen Nationalstolz generell ab. Sie sind überzeugte Europäer oder Weltbürger. Aber auch diese Stimmen sind jetzt gefragt. Um geflüchteten Menschen zu helfen und sie integrieren, braucht es ja keinen Patriotismus, nur klare eigene Werte – und eine Menge Empathie und Neugierde.

Nur so können wir wissen, wofür wir gemeinsam mit den neuen Mitbürgern einmal stehen wollen.

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Noch eine Meinung zum Video:

Das sind die Geschichten der Menschen, die jeden Tag am Hamburger Hauptbahnhof Flüchtlingen helfen:
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Hier geht es zu den ganzen Geschichten:

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