Bild: dpa / Sven Hoppe
Endlich bewegt sich etwas!

In den vergangenen Monaten hat sich in Bayern einiges getan. Das zeigt jetzt auch das Wahlergebnis: 37,2 Prozent, da ist die CSU ziemlich auf die Nase gefallen. Auch die SPD ist derzeit bei uns in Bayern nicht wirklich beliebt. Gewonnen hat Grün, vor allem in den Städten.

Ein kleines Beben ist das hier, auch wenn das die CSU nicht wahrhaben will. Doch das Wahlergebnis ist eindeutig: In Bayern haben viele keine Lust mehr auf ein "weiter so". Die Zeit, in der nur eine Partei alleine regieren konnte, ist vorbei. Viele von uns jungen Menschen wünschen sich schon lange vor allem eines für Bayern: Dass sich endlich mal etwas bewegt. Und es hat sich etwas bewegt im Freistaat. Drei Beispiele:

1Protest, größer als die Meisterfeier

In den letzten Jahren war Bayern nicht unbedingt bekannt dafür, dass viele Menschen zu Demonstrationen auf die Straße gehen. Doch auch wenn München noch lange nicht Berlin ist, konnte sich das, was man hier auf den Straßen der bayerischen Hauptstadt in den letzten Monaten beobachten konnte, durchaus sehen lassen. Denn als die CSU das neue Polizeiaufgabengesetz verabschieden wollte, reichte es vielen von uns endgültig.

30.000 Menschen gingen im Sommer gegen das neue Gesetz der CSU auf die Straße. Menschen quer durch alle Altersgruppen versammelten sich zusammen auf dem Münchner Marienplatz um gemeinsam zu demonstrieren. Der Andrang war sogar größer als bei der Meisterfeier des FC Bayern – und das will hierzulande doch etwas heißen. 

2Keine Lust auf noch mehr Rechtsruck

Im Sommer 2015 gingen die Bilder von der Willkommenskultur in München um die Welt. Da standen Menschen am Bahnhof und empfingen die Neuankömmlinge mit Geschenken und einem Lächeln. Dann folgte die bis heute andauernde Debatte über die "Flüchtlingskrise". Die spaltete auch Bayern. Die CSU schlug sich – auch mit Blick auf die anstehende Wahl – schnell auf die Seite der Flüchtlingsgegner und schlug rhetorisch in die AfD-Ecke aus. 

Die Rede vom "Asyltourismus" und die geplanten "Ankerzentren" gefiel hier in Bayern allerdings nicht jedem. 25.000 Menschen gingen schon im Sommer dieses Jahres auf die Straße, um gegen den allgemeinen Rechtsdruck in der Gesellschaft zu demonstrieren – auch die CSU bekam dort ihr Fett weg. Am 3. Oktober waren es dann sogar 40.000. Übrigens waren dort – außer AfD und CSU – alle Parteien vertreten. Langsam entwickelte sich ein Gemeinschaftsgefühl.

3Genug von Söder und Seehofer

Dass die CSU vor allem auf dem Land noch stärker unterstützt wird als in den Städten, stimmt natürlich. Und trotzdem zeigten die vergangenen Monate: Auch einst eingefleischte CSU-Dörfer beginnen zu wackeln. Denn die schier endlosen Streits zwischen CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder gingen nicht spurlos vorbei. 

Hinzu kommt: Söder ist als Ministerpräsident nicht gerade beliebt. Schuld daran ist hauptsächlich er selbst. Sein Auftreten, seine durchschaubaren strategisch gewählten Antworten, kommen eben bei vielen nicht gut an.

In Bayern hat sich also einiges verändert.

Eigentlich muss man der CSU dafür schon fast danken. Schließlich war es vor allem ihre Politik, die viele von uns in den letzten Monaten zu politisch aktiven Bürgern gemacht hat. Und die damit auch selbst dafür gesorgt hat, dass in Bayern jetzt eben nicht mehr nur eine Partei allein regiert.

Sich jetzt aber wieder aufs Sofa fallen zu lassen, ist trotzdem keine Option. Denn auch wenn die CSU eine ordentliche Klatsche bekommen hat und die Grünen so stark wie nie wurden, sieht es doch ganz nach einer Koalition aus CSU und Freien Wählern aus. Ein komplettes "weiter so" ist das zwar nicht. Eine echte Veränderung aber auch nicht. Denn schließlich regieren auch dann wieder nur zwei konservative Parteien.

Da bleibt uns dann wohl nichts anderes übrig, als kurz zu verschnaufen, dann wieder Schilder zu basteln und erneut auf die Straße zu gehen. Um einzustehen, für das, was uns wichtig ist. Für das, was uns bewegt, uns Sorgen macht. Und da gibt es eben neben Migrations- und Flüchtlingspolitik auch noch jede Menge andere Sachen: zum Beispiel die Rente, die Pflege und vor allem in München: die Mieten

Vielleicht reicht es ja dann in fünf Jahren für eine echte Veränderung.


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So haben die jungen Menschen in Bayern gewählt
Grüne liegen bei über 20 Prozent

Die CSU und die SPD sind die großen Verlierer der Landtagswahl in Bayern. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommt die CSU auf 37,2 Prozent – das zweitschlechteste Ergebnis überhaupt. Die SPD kann nur noch ein einstelliges Ergebnis erzielen und landet bei 9,7 Prozent. (Landeswahlleiter)