Bild: dpa/Pixabay; Montage: bento
Sie betont ja so gerne "christlich-jüdischen" Wurzeln.

Bayern will mehr Religion wagen: Vom 1. Juni an soll in jeder staatlichen Behörde ein Kreuz hängen. Das hat das von der CSU geführte Landeskabinett in Bayern am Dienstag beschlossen. (bento)

Das Kreuz soll "deutlich wahrnehmbar" als Ausdruck der "geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayern" in den Amtsstuben hängen. Also ein Bekenntnis zu den Wurzeln, quasi. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat selbst das erste aufgehängt:

Das Kreuz soll ein Bekenntnis zu den religiösen Werten Bayerns sein. Da müsste doch die Frage erlaubt sein, ob auch ein Davidstern dort hängen darf? Über Jahrhunderte hinweg fanden jüdische Familien in Deutschland eine Heimat. 

Das Jiddische geht zum Beispiel aus dem Deutschen hervor und schenkt uns noch heute Wörter wie Schlamassel und Redewendungen wie "Guten Rutsch".

Jüdische Persönlichkeiten wie Hannah Arendt oder Sigmund Freud haben die deutsche Kulturgeschichte mit geprägt.

Gleichzeitig wurden Juden immer wieder als Minderheit verfolgt, die Nationalsozialisten sperrten Millionen in Lagern ein und töteten sie. Das Bekenntnis zu dieser Schuld gehört heute zum deutschen Selbstverständnis, Politiker betonen vor allem daher immer wieder unsere gemeinsamen "christlich-jüdischen" Werte. 

Und gerade die CSU betont ihre "christlich-jüdischen" Wurzeln auch regelmäßig. Ein paar Beispiele: 

  • Söder selbst hat hier gesagt: "Wir sind christlich-abendländisch geprägt mit jüdisch-humanistischen Wurzeln. Das ist die historisch-kulturelle Wahrheit und dabei bleibt es auch."
  • Und sein Vorgänger und jetziger Innenminister Horst Seehofer hat hier gesagt: "Dass Deutschland geschichtlich und kulturell christlich-jüdisch und nicht islamisch geprägt ist, kann doch niemand ernsthaft bestreiten."
  • Außerdem hat die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner neulich im Bierzelt noch gesagt: "Wir sind ein christlich-jüdisch geprägtes Land!"

Ja mei, selbst in ihrem Grundsatzprogramm betont die CSU jüdische Werte. Dort steht:

Zu Bayern gehört die jüdische Gemeinschaft, der wir uns besonders verpflichtet wissen.

Wie sieht es also mit jüdischen Davidsternen in Bayerns Amtsstuben aus? Wir haben in der Bayerischen Staatskanzlei nachgefragt.

  • Die offizielle Antwort der Pressesprecherin:

Nein, Davidsterne werden nicht aufgehängt. Mit der neuen Bestimmung gehe es darum, elementare Werte wie Toleranz und Zusammenhalt sichtbar zu machen. 

Kann der Davidstern oder ein anderes religiöses Symbol wie der islamische Halbmond solche Werte nicht auch vermitteln? Die Sprecherin dazu:

Nun ja, das Kreuz ist im Endeffekt das Symbol dafür.

Tatsächlich ist auch in der offiziellen Info der Staatskanzlei nicht mehr von einem "christlich-jüdischen Abendland" die Rede. Dort steht nun stattdessen: "Das Kreuz ist das grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung." 

Das alles kommt nicht zufällig: Im Oktober sind Landtagswahlen in Bayern. 

Das Hervorkehren der Werte, es ist Wahlkampf. 


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