Bild: Screenshot/Youtube
Das Video zeigt gut, was der CSU gerade fehlt

Kommen ein CSU-Politiker, eine junge Frau und ein Werbeprofi in den Raum – was wie der Anfang eines mittelmäßigen Witzes klingt, ist das Szenario für den vielleicht bemerkenswertesten Wahlwerbespot im bayrischen Landtagswahlkampf. Veröffentlicht hat ihn der stellvertretende CSU-Vorsitzende Karl Freller, der derzeit im Stimmkreis 503 Nürnberg-Süd und Schwabach für seine Wiederwahl wirbt. Zu sehen ist das Video auf Youtube und in verschiedenen Kinos.

Genau genommen erzählt der 83-sekündige Clip nicht eine, sondern gleich drei Geschichten auf einmal. Gezeigt wird wie die drei anfangs genannten Personen versuchen, Freller von ihren Wahlkampf-Ideen zu überzeugen. Jede für sich ist eine absurde Überspitzung echter Kampagnenideen. 

Der erste Teil wirkt wie eine Parodie auf FDP-Chef Christian-Lindner und seine pathetischen Kampagnenbilder. Optik: schwarz-weiß, Stil: entschlossen-dynamisch. Die Musik dazu: vorantreibend. Jedes Bild hämmert ein: Hier wird gemacht, nicht gelabert. 

(Bild: Screenshot/Youtube)

Dazu erklärt ein zwielichtiger Werbeprofi: "Ihr Wahlwerbespot muss modern sein. Wir zeigen Szenen aus Ihrem Alltag als Politiker. Total dynamisch, in schwarz-weiß!"

Ist das die Rettung der CSU als Volkspartei oder doch nur eine gute FDP-Parodie? Zeit zum Nachdenken bleibt keine. 

Nach einem letzten Jump-Cut kommt der 62-jährige Politiker in einem zweiten Gespräch wieder zu sich. Jetzt mit einem zigarrerauchenden Funktionärstyp. Statt um Dynamik geht es plötzlich um pure Macht. "Man muss Ihre große Beliebtheit, Ihre enorme Stärke und Ihre gewaltige Durchsetzungskraft fühlen!"

(Bild: Screenshot/Youtube)

Die Bilder dazu zeigen Freller zwischen "Franken First"-Schildern und Bodyguards vor einer jubelnden Menge.  Triumphierend hebt er die Hände zur Siegerpose. 

(Bild: Screenshot/Youtube)

Wieder ein Schnitt. Im dritten Teil sitzt dem CSU-Politiker einer jungen Frau gegenüber, die einen Smoothie schlürft und gelangweilt Erneuerungs-Phrasen von sich gibt: "Sie müssen die jungen Leute ansprechen!"

In der nächsten Szene steht Freller mit Goldkette und Ghettoblaster unter einer Brücke voller Graffiti und gibt sich jugendaffin. Maximal anbiedernd. Um ihn herum posieren junge Erwachsene mit Sonnenbrillen und umgedrehten Basecaps. Ein generischer Hip-Hop-Beat bellt basslastig im Hintergrund. 

Der Landtagsabgeordnete schaut gelangweilt in die Kamera und zupft sich am T-Shirt. Der Aufdruck:

I bims der Charly, vong CSU her

Zum Abschluss greift Freller szenetypisch in die laufende Kamera. 

Am Ende sitzt er wieder in seinem Büro und soll sich entscheiden: "Und, was sagen Sie?" Wäre die Frage nicht gespielt, könnte sie fast ein Kommentar zum echten Richtungsstreit der bayrischen Volkspartei sein. Seit Monaten fragt sich die CSU, wohin sie will: Trump oder doch lieber Live-Rapbattle und Lederhosen? 

Das Video endet schließlich damit, dass sich der Kandidat in House-of-Cards-Manier direkt zur Kamera dreht. Mit fränkischem Einschlag empfiehlt er dem Publikum: "Wählen Sie kein Klischee, niemand, der sich verstellt. Wählen Sie einen Politiker mit Herz, Haltung und Humor." Wo genau Freller Haltung zeigt, bleibt freilich offen.

(Bild: Screenshot/Youtube)

Hier ist der ganze Wahlwerbespot zu sehen:

Gedreht wurde der Spot von Birgit Feller, der Tochter des Kandidaten. Nach Auskunft auf der Homepage ihres Arbeitgebers, einer Fernsehproduktionsfirma, arbeitete die Journalistin bislang vor allem für TV-Magazine wie Galileo und Taff. Der Wahlwerbespot soll dagegen vor allem im Familienkreis entwickelt worden sein.

Bereits in der Vergangenheit hatte die CSU immer wieder mit missglückten Wahlkampf-Aktionen für Aufsehen gesorgt. Als die SPD die Domain zu einem CSU-Slogan kaperte, versuchten die Christsozialen spontan zu kontern. Die Aktion wirkte auf viele jedoch eher verbissen als souverän. Nach kurzer Zeit wurde sie wieder eingestampft. (bento)

Dem "Donaukurier" sagte Karl Freller, sein Film sei innerhalb von zwei Tagen in München gedreht worden. Die Idee zum Video sei ihm gekommen, als er mit seiner Familie "Die letzten Jedi" im Kino angeschaut habe. 

Der Filmtitel könnte eine Metapher für die Ausgangslage seiner Partei bei der Landtagswahl am 14. Oktober sein. Umfragen zufolge, muss die CSU bislang mit deutlichen Verlusten rechnen. 

Vielleicht sollte sie öfter auf Rap statt Rechtspopulismus setzen.


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