Bild: dpa/Xcitepress
Was ist passiert?

Im sächsischen Bautzen sind am Mittwochabend Einheimischen und Flüchtlingen aufeinander losgegangen: Rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen auf der einen Seite, etwa 20 junge Asylbewerber auf der anderen. Die Polizei musste nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot von rund 100 Polizisten anrücken und den Streit auflösen. Von Augenzeugen heißt es, es sei nicht der erste Abend dieser Art gewesen: Bereits am Montag und Dienstag sei es zu Zusammenstößen gekommen.

Ein im Netz verbreitetes Video zeigt zwei Gruppen, die sich über die Straße hinweg anschreien. Später sind auch Szenen zu sehen, in denen mehrere Männer "Wir sind das Volk" rufen. Bislang ist nicht bestätigt, in welcher Nacht die Szenen gefilmt wurden.

Wie schildert die Polizei den Vorgang?
  • Der Streit zwischen beiden Gruppen spielte sich im Bautzener Stadtzentrum ab, Anwohner alarmierten kurz vor 21 Uhr die Polizei.
  • Laut Polizeibericht sind die rund 80 Anwohner "in großer Zahl dem politisch rechten Spektrum" zuzuordnen. Viele seien gewaltbereit gewesen und hätten "Deutschland den Deutschen" gerufen. Auslöser der Eskalation seien laut Augenzeugen jedoch die Asylbewerber gewesen.
  • Als die Polizei beide Gruppen trennte, sei sie von Seiten der Flüchtlinge mit Flaschen und Holzlatten beworfen worden. Später eskortierte die Polizei die Asylbewerber zurück in ihre Unterkünfte – die deutsche Gruppe hatte versucht, die Flüchtlinge zu verfolgen. Die Polizei musste mehrere Unterkünfte vor Übergriffen beschützen. Erst um 2.30 Uhr morgens wurde der Einsatz beendet.
  • Ein angeforderter Rettungswagen – ein 18-jähriger Marokkaner hatte Schnittverletzungen am Arm – wurde von "augenscheinlich rechtsmotivierten Männern" mit Steinen beworfen. Die Sanitäter mussten umdrehen und mit Polizeischutz zurückkehren. Der 18-Jährige wurde später im Krankenhaus versorgt.
  • Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen wegen Verdacht auf Landfriedensbruchs sowie gefährlicher Körperverletzung aufgenommen.
"Alles Nazis", "alles Ausländer" – Wie das Netz auf Bautzen reagiert:
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Was sagt die Stadt Bautzen?

Der Oberbürgermeister Alexander Ahrens hat ein Statement auf Facebook veröffentlicht, in dem er die Gewalt auf beiden Seiten verurteilt. Allerdings bezieht er sich nicht auf den Mittwochabend – sondern auf Ausschreitungen der Vornächte. Demnach habe es bereits montags und dienstags Ausschreitungen gegeben.

Ahrens will daher vor Ort Streetworker einsetzen. Polizei und Ordnungsamt sollen verstärkt Streifen im Stadtzentrum laufen. Viele kommentieren, dass sich die Politik vor der Verantwortung drücke und "ein offensichtliches Naziproblem" klein rede.

Ich bin entsetzt und sehr besorgt, dass sich die Situation auf dem Kornmarkt in den letzten Tagen deutlich zugespitzt...

Posted by Alexander Ahrens - Oberbürgermeister von Bautzen / Budyšin on Mittwoch, 14. September 2016
Was sagen Zeugen?

Neutrale Meinungen aus Bautzen finden sich kaum. Rechte wie linke Aktivisten beurteilen den Abend aus ihrer Sicht:

In rechten Gruppen heißt es, 250 Bautzener hätten sich "rumpöbelnden Asylbewerbern" entgegengestellt und sie aus der Innenstadt vertrieben. Pegida-Chef Lutz Bachmann erklärte, "mutige Bürger" hätten Zivilcourage gezeigt und "pöbelnde Asylbetrüger" friedlich aus der Innenstadt vertrieben ("Der Tagesspiegel").

Eine rechte FB-Seite bedankt sich mit Herzchen-Emoji und dem Hashtag "Progromstimmung":

Andere Augenzeugen sagten, es habe zwischen 100 bis 150 rechte Demonstranten gegeben. Viele hätten Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. Die Polizei sei vor allem gegen die Asylbewerber vorgegangen. Unbeteiligte, die helfen wollten, seien gehindert worden:

Es ist nicht das erste Mal, dass Bautzen wegen rechter Gewalt in die Schlagzeilen kommt. Im Februar war eine noch leerstehende Flüchtlingsunterkunft angezündet worden. Schaulustige hatten johlend die Feuerwehr am Löschen gehindert:

Lass uns Freunde werden!


Gerechtigkeit

Eine 15-Jährige aus Berlin kämpft für das erste Kopftuch-Emoji
Wir haben mit ihr gesprochen.

Es gibt ein Emoji für Einhörner. Und eins für Donuts. Und für Männer mit Bärenfellmützen. Für Eis gibt es sogar drei. Doch für Millionen Frauen, die ein Kopftuch tragen, gibt es keins. Rayouf Alhumedhi aus Berlin will das ändern. Sie ist 15 Jahre alt und geht noch zur Schule. Ihr Plan hat bereits prominente Unterstützer – und durchaus Chancen.

Auf die Idee für ein Hijab-Zeichen kam sie, als Freundinnen eine Whatsapp-Gruppe gründeten und für jede von ihnen ein Emoji suchten, erzählt Rayouf bento. Nur sie fand sich nicht wieder und beschloss, dass es an der Zeit für ein neues Emoji war.

Plötzlich geht es darum, Apple und Google zu überzeugen.