Bild: Screenshot: RTL
Zwei Experten antworten.

Ein Rechter bei RTL zur besten Sendezeit? In der Sendung "Bauer sucht Frau" nimmt ein Landwirt teil, der Mitglied der Alternativen Demokratischen Reformpartei (ADR) in Luxemburg ist. 

Die Partei bezeichnet sich zwar selbst als rechtskonservativ, machte aber in der Vergangenheit auch Schlagzeilen, weil Mitglieder ausländerfeindliche und islamophobe Aussagen verbreitet hatten (Lessentiel). Die Partei wird meist in einem Spektrum zwischen "rechtskonservativ bis rechtspopulistisch" eingeordnet (Die Zeit). 

RTL wusste von Guy Arends Mitgliedschaft in der ADR, sah aber nach eigenen Angaben kein Problem darin. (RTL

Wer ist dieser Kandidat?

  • Guy Arend ist einer der neuen Bauern in der 14. Staffel von "Bauer sucht Frau". Der 45-jährige lebt in Luxemburg.
  • Die Bild-Zeitung hatte am Donnerstag berichtet, dass Arend Mitglied der ADR sei.
  • Dem "Lessentiel" sagte Parteichef Fernand Kartheiser allerdings, dass Arend keine Funktion innerhalb der Partei inne habe (Lessentiel).

Seine Teilnahme bei "Bauer sucht Frau" sorgte für Aufruhr: Mehrere Medien berichteten darüber und kritisierten RTL. "Inka, du hast einen Rechtspopulisten im Stall", schrieb die "Bild". Und weiter: "Weiß Moderatorin Inka Bause eigentlich, wem sie da zum Liebesglück verhelfen soll?"

RTL reagierte mit einem Video von Arend und einem eigenen Statement. In dem Video sagt der Landwirt, er habe "mit Rechts" nichts zu tun. Er sei nicht ausländerfeindlich. 

Auch RTL sieht kein Problem: Eine Sprecherin sagte, dass es bei "Bauer sucht Frau" allein um die Liebe gehe. "Generell können auch politisch aktive Bauern bei der Sendung mitmachen", teilte sie weiter mit. Der politischen Ausrichtung würde in der Sendung aber keinerlei Platz geboten. "Wir wussten von Guys Mitgliedschaft in der ADR. Da es sich um eine legale Partei in einem demokratischen Land handelt, ist das kein automatischer Hinderungsgrund, bei 'Bauer sucht Frau' die Frau fürs Leben zu finden."

Bei 'Bauer sucht Frau' geht es allein um die Liebe.
RTL-Sprecherin

Aber ist das wirklich so einfach? Oder ist die Kritik an RTL berechtigt?

Joan Kristin Bleicher ist Medienprofessorin an der Universität Hamburg. Sie hat bento erklärt, warum sie den Auftritt von Arend als Mitglied der ADR kritisch sieht. 

RTL stellt bei Bauer sucht Frau einen Rechten auf –  jetzt regen sich viele darüber auf. Was halten Sie davon?

Die Kritik ist durchaus berechtigt. Zu sagen, 'Es geht bei uns um Liebe', ist ein Zurückziehen hinter das Unterhaltungsziel. Was zusätzlich vermittelt wird, wird übersehen.

Wie schätzen sie die Wirkung von Unterhaltungssendungen auf die Zuschauer und Zuschauerinnen ein – gerade, wenn es um Politik geht?

Politiker haben schon immer diese Möglichkeit genutzt, um sich als Sympathieträger zu inszenieren und ihre Inhalte zu vermitteln. Und das kann natürlich auch bei "Bauer sucht Frau" passieren. RTL hat zwar die Möglichkeit, den Kandidaten nicht zu politischen Statements kommen zu lassen, aber es besteht immer noch die Möglichkeit, dass er sich als Sympathieträger inszeniert, dessen politische Meinung dadurch gewissermaßen leichter zu akzeptieren ist.

Gibt es Grenzen?

Es kommt immer darauf an, ob und wann der Sender sich selbst Grenzen setzt. Der Versuch, politische Propaganda innerhalb der Unterhaltung zu vermeiden ist etwas, das der Sender selbst bestimmen muss.

Werden diese Formate in ihrer Wirkung unterschätzt?

Ich glaube, den Zuschauern ist nicht bewusst, wie sehr diese Unterhaltungsdimension möglicherweise ihre Einstellung verändert.
Joan Kristin Bleicher

Ich glaube nicht, dass alle merken, wenn etwas als Unterhaltungsangebot präsentiert wird, dass dann auch gleichzeitig implizierte Ideologien vermittelt werden.

Aber sollte man Mitglieder einer Partei wie der ADR oder auch der AfD deshalb aus dem Unterhaltungsfernsehen ausschließen? Kann das ernsthaft eine Option sein?

Das haben wir Daniel-Pascal Zorn gefragtEr ist einer der Autoren des Buches "Mit Rechten reden: ein Leitfaden".

RTL wird kritisiert, weil sie einen Rechten im Unterhaltungsfernsehen auftreten lassen. Was sagen Sie dazu?

Eine politische Einstellung ist eine politische Einstellung und keine Eigenschaft, die dem Menschen anhängt wie seine Körpergröße oder seine Hautfarbe. 

Das heißt, der Mensch wählt diese Partei oder ist Mitglied dieser Partei, aber er hat auch andere gesellschaftliche Rollen. Er ist zum Beispiel auch ein Bruder, ein Sohn oder Mitglied eines Gesangvereins. Ihn also auf eine Rolle zu reduzieren und daran einen moralischen Vorwurf zu knüpfen, halte ich für ziemlich problematisch.

Wie sollte man mit politischem Engagement im Unterhaltungsfernsehen umgehen?

'Bauer sucht Frau' ist ein mittlerweile etabliertes Format. Es gibt sogar aus diesem Format heraus Auskopplungen von einzelnen Schicksalen. Der Kontext ist also schon relativ komplex. In diesem Kontext würde ich auch die derzeitige Situation sehen. 

Wäre das die erste Staffel, würde ich die Auswahl der Redaktion problematischer betrachten, welchen Menschen sie die Möglichkeit zur Repräsentation gibt. Aber im Kontext der letzten dreizehn Staffeln und der vielen ironischen – und auch selbstironischen – Brechungen, würde ich sagen, der Vorteil liegt auf der Seite derjenigen die das kommentieren.

Wie meinen Sie das?

Man kann die derzeitige Situation in die ganzen Geschichten, die über die Jahre hinweg gewachsen sind, einflechten. Diesen einen Aspekt muss man also gar nicht so groß aufhängen. 

Ich würde fast sagen, dass die Tatsache, dass das jetzt so empört nach oben gespült wird, dem wesentlich mehr Aufmerksamkeit verschafft, als wenn sich niemand darüber aufgeregt hätte.

Ich glaube auch nicht, dass sich die Sympathie, die man für den Bauern als Mensch hegt, auf die Akzeptanz seiner politischen Einstellung auf die eigene überträgt. 

Was halten Sie von der Begründung von RTL, dass es in der Sendung nur um die Liebe gehe und deshalb die politische Einstellung keine Rolle spiele?

Es geht nicht um die Liebe, es geht um viel mehr. Um Einschaltquoten und um jahrelange mediale Ausbeutung.
Daniel-Pascal Zorn

Vielleicht denkt RTL sogar darüber nach, den politischen Diskurs dazu zu benutzen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Und die Empörung dazu zu nutzen, das eigene Produkt zu bewerben, wäre höchst zynisch.     

Gibt es Grenzen, was die politische Einstellung im Unterhaltungsfernsehen angeht?

Eine Redaktion hat eine gewisse Verantwortung den Bedingungen gegenüber, die ihnen die Arbeit ermöglichen, dazu gehören die Pressefreiheit, das Neutralitätsgebot und die Freiheit der Kritik an unliebsamen Meinungen. Wer unkritisch eine Plattform anbietet, muss sich auch Vorwürfe gefallen lassen. Aber das muss man von Fall zu Fall beurteilen. 

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