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Über die Leiden des jungen Durchschnitts.
Die Basic Bitch kam aus den USA durchs Netz nach Deutschland. Noch kennt sie nicht jeder, doch hört und liest man mittlerweile oft: Basic. Bitch. Beide Wörter sind einzeln schon geladen: Basic, das ist das Uninteressante, Langweilige, Fade und Geistlose. Basic, das sind auch Kleidungsstücke, die sich dadurch auszeichnen, dass sie keine besonderen Merkmale außer ihrer Funktionalität besitzen – wie ein schlichtes, weißes T-Shirt. Und Basic sind Menschen mit voraussehbaren Interessen, Menschen, die das Klischee leben.
Bitch, eigentlich Hündin, wird häufig als Synonym für Zicken verwendet, oft sind damit auch ganz allgemein Frauen gemeint. Teilweise nennen Frauen sich selbst so, wie zum Beispiel die türko-deutsche Feministin Lady Bitch Ray. Das Wort Bitch gendert den Begriff ungemein und bringt eine sexistische Konnotation ins Spiel.
Lady Bitch Ray rappt, schauspielert, sie hat in Sprachwissenschaft promoviert und als Radiomoderatorin gearbeitet.(Bild: dpa/Ingo Wagner)

Die Basic Bitch hat es auch früher schon gegeben, damals hieß sie etwa H&M-Mädchen. Sie mag Duftkerzen, "Pumpkin Spiced Latte“, "Ugg Boots“, Funktionsjacken, Kalendersprüche, Horoskope, "Margs“ statt "Margaritas“, Taylor Swift und Katy Perry, Nicholas Sparks, königliche Hochzeiten und Cocktailabende. Auch wenn sich die Basic Bitch von Milieu zu Milieu leicht unterscheidet, gilt immer: Sie mag Mainstream.

Sexistisch ist nicht der Begriff allein. Das Problem ist eher, dass er stereotypisch weibliche Verhaltensweisen diskreditiert. Über Basic Bitches machen sich genderpolitisch längst überholte Comedians wie Mario Barth lustig. Frauen dürfen nicht mit Genderrollen brechen, sie dürfen sie aber auch nicht zu perfekt beherrschen. Fair ist das nicht.

Das männliche Pendant zur Basic Bitch ist der Bro, der Brother. Der fällt auch nicht gerade durch ausgefallene Merkmale auf, er aber muss sich nicht dafür schämen. Er muss sich nicht von anderen abheben und seine Kollegen als Konkurrenten betrachten. Frauen hingegen sollen und wollen nicht wie die anderen sein. Nur: Was ist daran überhaupt so schlimm?

Schließlich ist das Normalo-Dasein derzeit auch ein Trend: Der "Normcore“ ist nicht nur auf zahlreichen Runways, sondern auch in einigen Fußgängerzonen zum beliebten Stil aufgestiegen. Die ironische Imitation des Durchschnittsbürgers trägt Trekking-Sandalen mit Socken, Bauchtaschen, Karottenhosen und ausgewaschene T-Shirts, die gern in den Hosenbund reingesteckt werden.
Das eine gilt als klug überhöht, das andere als langweilig.
Während der Normcore die Normalo-Mode überspitzt, stehen Basic Bitches hingegen ganz unironisch für Stereotype. Normcore-Fans sehen aus wie Figuren aus 90er-Sitcoms, Basic Bitches sehen aus wie alle. Das eine gilt als klug überhöht, das andere als langweilig.

Dabei darf man natürlich öde Menschen ablehnen. Schließlich grenzen sich diese Normalos andersherum auch ab, indem sie etwa in der Schule Mitschüler als "Freaks“ oder "Outsider“ ausgrenzen, nur weil sie nicht der Norm entsprechen. Natürlich dürfen sich die Freaks von damals heute vom Konventionellen abgrenzen.

Wie wäre es jedoch damit, in Zukunft Männer aus ihrer Bequemlichkeit herauszulocken und den mediokren Bro für seine öde Durchschnittlichkeit zu verspotten?

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