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Macht mehr aus eurem Leben, Mädchen - als nur mit Barbie zu spielen, dazu ermutigt ein neuer Werbespot. Das Absurde: Der Spot ist von Barbie selbst.

Barbie ist eine unterernährte Plastikpuppe in pinkem Kleidchen, zugeklatscht mit Make-Up und Modeschmuck. Anzutreffen im Beautysalon oder im Traumurlaub, für den sie keine Minute ihres Lebens gearbeitet hat.

Der Barbie-Hersteller Mattel will, dass niemand mehr so denkt. Barbie sei viel mehr: nämlich Ideengeberin und Vorbild. Das zumindest soll offenbar der neue Werbespot transportieren, in dem kleine Mädchen in verantwortungsvolle Berufe schlüpfen.

Sie tun so, als seien sie unabhängig:
Aber was zeigt der Werbespot wirklich?

Als finanziell angeschlagener Spielzeughersteller (SPIEGEL ONLINE) versucht Mattel, sein Barbie-Geschäft wieder ein bisschen lukrativer zu machen – doch anstatt eine innovative Kampagne abzuliefern, gibt es die ewig gleiche frauenfeindliche Leier:

  • Selbst wenn Mädchen sich beim Spielen mit Barbies ausdenken, dass sie eines Tages Museumsführerin oder Tierärztin werden wollen: Die Vorbilder in diesen Träumen sind noch immer magersüchtige und trotzdem barbusige Frauen mit unrealistisch langen Beinen. Das vermittelt falsche Vorstellungen vom weiblichen Körper!
  • Selbst wenn Mädchen eines Tages als Abteilungsleiterin oder Professorin arbeiten: Der Spot suggeriert, dass sie auch in diesen Positionen belächelt werden dürfen. "Kann deine Katze fliegen?", fragt die kleine Tierärztin im Video. Das verdatterte Katzenherrchen grinst schief. "Es gibt keine High School für Hunde", sagt die kleine Professorin – der Hörsaal bebt vor Lachen. Egal, was die Mädchen tun: Die Umstehenden nehmen es nie ernst. So niedlich-lustig ist es also, wenn Frauen arbeiten, Mattel?
  • Selbst wenn mit Barbie spielende Mädchen alles sein können, was sie nur möchten: Das gleiche gilt für Jungs. Die sind im Spot leider durchweg abwesend.
  • Selbst wenn die Frau von heute Lehrerin, Professorin oder Steuerberaterin werden kann: Warum kann sie nicht auch Automechanikerin werden? Oder Feuerwehrfrau? Oder Maschinenbauingenieurin? Erde an Mattel: Diese Berufe gibt es nicht nur für Männer – sondern auch für Frauen.
Sollte Mattel demnächst im Jahr 2015 ankommen, geben wir an dieser Stelle Bescheid.

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