Bild: Julius Erler
Sie versteht nicht, warum sich so viele Studenten über zu wenig BAföG beschweren.

Vor Kurzem erzählte die Studentin Jana bei bento, dass ihr mit BAföG und Kindergeld nur 700 Euro pro Monat zur Verfügung stehen, ihr nach Abzug aller Kosten nur noch 130 Euro pro Monat zum Leben bleiben und sie damit finanziell kaum klarkommt. 

Den Text las die 21-jährige Nell Spitzer, sie meldete sich bei uns. Sie bekommt 800 Euro pro Monat und kann sich davon alles leisten, was sie zum Leben braucht – anders als Jana. Mit 700 Euro sei durchaus ein gutes Leben möglich, sagt Nell. Hier erzählt sie, warum. 

Ich begegne ständig Studenten, die sich beklagen, dass sie zu wenig Geld zur Verfügung hätten und kaum über die Runden kämen. Das sind meist keine Studenten in Ausnahmesituationen, die zum Beispiel kein Bafög bekommen und gleichzeitig auch keine Unterstützung von den Eltern. Sondern die, die den BAföG-Höchstsatz erhalten, der bei 735 Euro im Monat liegt. 

Dabei lässt sich von diesen 735 Euro pro Monat definitiv gut leben.  

Deutschland ein Land, in dem eigentlich niemand verhungern oder auf der Straße leben muss, Studenten schon gar nicht: Die Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: BAföG) unterstützt Studenten und Schüler während ihrer Ausbildung – zumindest dann, wenn das monatliche Nettoeinkommen der Eltern einen festgelegten Freibetrag nicht überschreitet. Verdienen die Eltern zu viel, sind sie gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Kinder während des Studiums zu unterstützen

Von 735 Euro pro Monat lässt sich definitiv gut leben
Nell

Ich selbst bin Studentin im vierten Semester an der Universität Bremen. Da das Nettoeinkommen meiner Eltern zu hoch ist, bekomme ich keine BAföG-Förderung. Also geben meine Eltern mir monatlich 800 Euro, damit ich meine Lebenshaltungskosten decken kann. Und das klappt ziemlich gut.

Ich wohne allein in einer 36 Quadratmeter großen Wohnung, die eine tolle Küche und einen Balkon hat und sich nah an der Uni befindet. Für die Warmmiete und Stromkosten gebe ich 400 Euro aus, sodass noch 400 Euro für Kleidung, Internet, Sportvereinsmitgliedschaft, Lernmaterialien und Freizeit übrig bleiben. 

Ich gehe zwar recht sparsam mit meinem Geld um, bin aber keineswegs dazu gezwungen, die günstigsten Produkte in den Discountern oder gebrauchte Kleidung zu kaufen. Für Lebensmitteleinkäufe gebe ich jeden Monat um die 130 Euro aus, für Kleidung 30 bis 50 Euro, für Festnetz und Internet 35 Euro. Daraus ergibt sich, dass ich jeden Monat knapp 200 Euro übrig habe, die ich sparen kann. 

Auf dieses Geld greife ich zurück, falls mein Handy kaputt geht, ich einen neuen Laptop brauche oder andere größere Anschaffungen anstehen. Und ich kann davon in den Urlaub fahren: Letztes Jahr war ich zum Beispiel für zweieinhalb Wochen auf Bali. 

Die Semesterbeiträge betragen an meiner Uni etwa 330 Euro pro Semester. Die bezahlen zwar meine Eltern, aber selbst wenn ich sie selbst zahlen müsste, wäre das kein Problem – schließlich wären das nur etwa 55 Euro pro Monat. 

Im Juli ziehe ich nach Hamburg, eine der teuersten Städte in Deutschland, was die Mietpreise betrifft. Dort werde ich zusammen mit meinem Freund in eine zwei-Zimmer-Wohnung ziehen – mit Terrasse und nur acht Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Die Warmmiete werden wir aufteilen: Jeder zahlt 370 Euro. 

Wenn ich darüber nachdenke, dass ich mir Markenklamotten kaufen kann, in modernen, zentralen Wohnungen wohne, in den Urlaub fliege und dort in 4-Sterne-Hotels übernachte, frage ich mich schon: Wie kann es sein, dass einige Studenten meinen, 700 Euro im Monat sei zu wenig Geld? Diese Dinge sind ein Luxus, den ich als Student eigentlich nicht bräuchte. Hätte ich 100 Euro weniger zur Verfügung, hieße das vielleicht, dass ich, statt nach Bali, nur nach Portugal zum Campen fahren könnte – aber selbst das wäre doch nicht schlecht, oder? 

Nell während ihres Bali-Urlaubes

Ich kann verstehen, dass man als Student gerne allein wohnen möchte – das mache ich derzeit ja auch. Aber wenn man darauf großen Wert legt und nicht in der Lage ist, sich sein Geld dafür richtig einzuteilen, muss man eben woanders Abstriche machen. Zum Beispiel, indem man in einer Stadt studiert, in der die Mieten niedriger sind. Oder, indem man nebenbei arbeitet und dafür ein Semester länger studiert. 

Natürlich ist ein Leben mit 600 bis 800 Euro pro Monat kein wünschenswerter Dauerzustand. Aber das Studium ist eine Übergangsphase, mit absehbarem Ende. Die große Mehrheit der Studenten wird in wenigen Jahren ein wesentlich höheres Einkommen haben. 

Vielleicht sind die Studenten, die sich beklagen, einfach nicht in der Lage, sich ihr Geld richtig einzuteilen. Vielleicht sind ihre Ansprüche, was die Ausstattung einer Wohnung betrifft, zu hoch, vielleicht haben sie einen teuren Vertrag für ihr Handy, vielleicht geben sie regelmäßig Geld für Partys und Alkohol aus. 

Wovon ich aber ausgehe: Wer 700 Euro im Monat zur Verfügung hat, dürfte eigentlich kein Problem haben, sich und sein Leben damit zu finanzieren. 


Streaming

Zeitlos gut: Die Sci-Fi-Serie "Timeless" ändert die Geschichte der Menschheit
Für alle, die von Zeitreisen träumen.

Was haben Cowboy Jesse James, "007"-Schöpfer Ian Fleming und Gangsterboss Al Capone gemeinsam? Sie alle treten in der Netflix-Serie "Timeless" auf. Und damit ist der Kader an berühmten historischen Gaststars noch lange nicht erschöpft. Wie das sein kann? Ganz einfach:

Nachdem es ihm gelungen ist, der US-Regierung eine Zeitmaschine zu stehlen, ist die gesamte Menschheitsgeschichte ein mögliches Ziel für den Terroristen Flynn.