Bild: Privat

Studieren, feiern, lernen, essen, atmen. Zur Uni zu gehen – und dabei die Freizeit nicht zu vergessen, das kostet Geld. Um sich das Leben als Student finanzieren zu können, gehen viele arbeiten, bekommen Unterstützung von ihren Eltern – oder vom Staat.

Doch Bafög, die finanzielle Hilfe, die das Bundesausbildungsförderungsgesetz möglich macht, erhalten immer weniger Studenten: Im Jahr 2016 bekamen deutschlandweit 584.000 Menschen Bafög, das sind 27.000 weniger als im Jahr zuvor (Statistisches Bundesamt).

Mit Bafög soll sich jeder unabhängig vom familiären Hintergrund ein Studium leisten können – und alles, was dazugehört.

In den vergangenen Jahren gab es dafür viel Kritik: Die Bafög-Sätze seien zu niedrig, um in deutschen Städten ein Studium finanzieren zu können, beschwerten sich viele Studenten. Seit Jahren fordert auch das Deutsche Studentenwerk eine Anhebung der Beträge. 

Wir wollten von Studenten aus ganz Deutschland wissen: Was spricht für euch gegen Bafög? Warum habt ihr euch dagegen entschieden, obwohl ihr vielleicht was bekommen würdet?
Annika
Annika, 19, studiert Erziehungswissenschaften und Anglistik auf Lehramt – in Münster

"Von Bafög habe ich nur Schlechtes gehört. Fast alle, die ich kenne, sagen, dass sich der Aufwand nicht lohnt.

Die Beantragung bedeutet extrem viel Papierkram und ewige Wartezeiten. Wenn man was losgeschickt hat, kommt lange nichts zurück. Wenn was zurückkommt, dann die Info, dass man bitte alles noch mal neu ausfüllen muss, oder dass was fehlt. Und dieses Prozedere wiederholt sich dann drei- oder viermal. 

Ich hab nur Schlechtes von Bafög gehört
Annika

Vielleicht würde ich Bafög bekommen. Aber ich habe keine Lust auf den Stress und die schlechte Laune

Stattdessen spare ich lieber, indem ich noch zu Hause wohne. Meine Mutter bezahlt die Semesterbeiträge und gibt mir Taschengeld für Bücher und Essen. Und ich jobbe als Kellnerin auf 450-Euro-Basis. 

Doch ich würde mir wünschen, dass es mehr Informationen gibt: darüber, wie das Ausfüllen der Anträge funktioniert, an wen man sich wendet, wenn man Probleme damit hat. Vielleicht hätte ich dann nicht so große Hemmungen, mich einfach mal damit auseinanderzusetzen.

Ich brauche niemanden, der mir Händchen dabei hält – doch zu Beginn meines Studiums gab es nicht mal eine Infoveranstaltung. Da fragt man sich schon, ob der Staat überhaupt will, dass wir Studenten uns fürs Bafög interessieren."

Mit welchen Problemen bist du während deines Studiums konfrontiert? Hier könntest du Hilfe finden:
"Oft fühle ich mich erfolglos und allein. Was kann ich tun?"
"Meine Schwiegereltern mögen mich nicht – soll ich sie dennoch besuchen?"
"Meine Oma kommt auch nach zehn Jahren noch immer nicht mit meiner Homosexualität zurecht. Auf Familienfeiern geraten wir immer wieder aneinander – was kann ich tun?"
"Ich liebe meine Tante, aber sie geht an Weihnachten immer total herzlos mit meiner Cousine, um. Was kann ich tun?"
"Jedes Jahr an Weihnachten findet ein Klassentreffen statt. Was kann ich gegen Gefühl tun, dass alle anderen viel mehr erreicht haben als ich?"
"Ich bin überzeugter Vegetarier, will aber den Familienfrieden beim Weihnachtsessen nicht stören. Lasse ich mich auf die Diskussion mit meinen Eltern ein?"
"Meine Mutter sieht nicht ein, dass ich erwachsen bin. –Was soll ich tun?"
"Warum fürchten wir uns so vor einem Terroranschlag, aber nicht vor einem Fahrradunfall?"
"Ich habe Panik, keinen Job zu kriegen – Ist meine Angst berechtigt?"
"Ich verliebe mich zu schnell – was kann ich dagegen tun?"
Mein Studium überfordert mich und lässt mich jeden Tag leiden. Wo sind nur meine Träume und Ziele hin?"
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Jonas, 19, studiert Politikwissenschaft – in Duisburg
Jonas

"Meine Eltern sind beide Geringverdiener. Ich hätte also auf jeden Fall Bafög bekommen. Doch ich war von Anfang an dagegen, es zu beziehen.

Ich finde es leichtsinnig, sich schon so früh im Leben zu verschulden, selbst wenn man nur einen Teil des Geldes zurückzahlen muss.

Es gibt bessere Methoden, um an Geld zu kommen
Jonas

Meine Eltern haben sich zwar gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt, mir aber gesagt, dass sie versuchen würden, mich weiterhin zu unterstützen. Um die finanzielle Belastung so gering wie möglich zu halten, bin ich zu Hause wohnen geblieben und pendle zur Uni. 

Ich finde, dass es bessere Methoden gibt, sein Studium zu finanzieren, ohne dabei auf den Staat angewiesen zu sein. Ich verdiene mein Geld mit Nebenjobs, das finde ich immer noch besser, als einfach einen Studienkredit zu beantragen oder sich alles von seinen Eltern bezahlen zu lassen. Außerdem macht es verantwortungsbewusster, sein Geld selbst zu verdienen."

Janina, 27, hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert – und arbeitet jetzt bei einer PR-Agentur in Wien
Janina

"Als ich noch zur Uni ging, wollte ich sehr gern Bafög beantragen – ich bin aber an der Bürokratie gescheitert.

Meine Eltern sind getrennt und jeweils neu verheiratet. Dadurch brauchte ich alle Angaben doppelt. Dass mein Wunsch, Bafög zu bekommen, scheiterte, lag vermutlich maßgeblich an ihnen.

Keiner von beiden wollte, dass der jeweils andere erfährt, wie viel er verdient, und sie wollten auch vor mir nicht damit rausrücken.

Ich schob das Ausfüllen der Formulare immer weiter raus, doch auch nach mehrmaligen Gesprächen mit meinen Eltern bekam ich die Infos nicht, die ich von ihnen benötigte. Deswegen ging ich arbeiten, um Geld zu verdienen.

Sowieso: Ich hätte sieben Formulare ausfüllen müssen, drei davon doppelt. Die wollten damals sogar die Scheidungsurkunde meiner Eltern und das Gehalt meiner kleinen Schwester wissen.

Das alles in Erfahrung zu bringen und die Leute dazu zu nötigen, diese Dinge von sich preiszugeben, hemmt total. Ich habe vor dem Papierstapel aufgegeben – wieso läuft das alles, wie hier in Österreich, denn noch immer nicht online?"

Martyna, 24, studiert Kommunikationsdesign in Hamburg
Martyna

"Ich habe schon vor dem Studium nebenbei gearbeitet, als Grafikerin. Zu Beginn der Uni-Zeit wurde mir dann gesagt, dass ich, wenn ich Bafög bekommen will, nicht so viel verdienen darf – am besten nur 450 Euro im Monat. 

Dazu kamen die ständigen Kontrollen. Das Amt prüft ja immer wieder, ob man noch berechtigt ist oder nebenbei doch zu viel verdient – und die entsprechenden Unterlagen muss man regelmäßig einreichen. Das war mir zu umständlich. Ich hätte viel umkrempeln müssen, um 200 Euro Bafög zu bekommen. 

Wieso läuft das alles noch nicht online?
Janina

Ich habe mich dagegen entschieden, meine Arbeitsstunden als Grafikerin zu reduzieren, nur um Bafög zu bekommen. Selbst wenn ich nur einen Minijob hätte und den Höchstsatz bekäme, hätte ich am Ende des Monats weniger Geld, als wenn ich 20 Stunden die Woche arbeiten würde. 

Ich kann das Studium nach wie vor super mit der Arbeit verbinden und das Erlernte gleich anwenden. Das war mir immer wichtiger."

Sophia, 19, studiert Politikwissenschaft  – in Duisburg
Sophia

"Mein Vater hat sich vor meinem Studienanfang über Bafög informiert. Er hat mir dann gesagt, dass es für mich wahrscheinlich aussichtslos wäre. Meine Eltern verdienen wohl beide knapp zu viel.

Ich habe dann gar nicht erst versucht, die Unterstützung zu beantragen. Mich schreckt das ab.

Meine Eltern verdienen nicht schlecht, aber die Finanzierung meines Studiums ist schon eine enorme Belastung. Hätten sie nicht angefangen, Geld zurückzulegen, und würde ich nicht jobben, wäre die Situation schwieriger geworden. 

Ich will meinen Eltern nicht zur Last werden. Vor allem, wenn in zwei Jahren auch meine kleine Schwester studieren will. Selbst das würde aber die Bewertung beim Bafög-Amt nicht ändern. Das finde ich absurd."


Grün

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