Bild: imago/Christian Thiel
Von wegen Chancengleichheit

Die Bildungsministerin Anja Karliczek findet es vertretbar, dass Bafög-Studierende – also diejenigen, die staatliche Unterstützung für ihre Ausbildung erhalten – in billigere Universitäts-Städte ziehen. Das sagte sie in einem SPIEGEL-Interview

Ich finde, das ist eine schlechte Idee.

Was hat Anja Karliczek genau gesagt?

Der Satz fiel in einem Interview über die Erhöhung des Bafögs, die im Herbst 2019 ansteht: Sowohl die Höchstförderung als auch der Elternfreibetrag sollen steigen, und in diesem Zuge auch die Wohnpauschale von 250 Euro auf 325 Euro. 

Auf die Anmerkung der Interviewerin, dass auch 325 Euro für die Miete in Städten wie Köln, Hamburg, München oder Stuttgart nicht reichen würden, antwortet Karliczek: "Man muss ja nicht in die teuersten Städte gehen." Es gäbe hervorragende Hochschulen in Gegenden, in denen das Wohnen nicht so teuer sei.

Soll heißen: Wer nicht genügend Geld hat, soll aufs Land?

Darum ginge es nicht, erwidert Karliczek. Man wolle einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass Studierende sich die Hochschule frei aussuchen könnten. "Aber wir werden mit Bafög-Leistungen allein niemals die Einzelfallgerechtigkeit schaffen können, dass sich jeder in jeder gewünschten Wohnlage die für ihn ideale Unterbringung leisten kann."

Warum ist das ein Problem?

Zunächst einmal ist fraglich, ob dieser Ansatz so überhaupt verfassungskonform ist. Das zweifelt zumindest Achim Meyer auf der Heyde an, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW). Er sähe so die Chancengleichheit nicht gewährleistet und auch die Freiheit der Berufswahl nicht. (SPIEGEL ONLINE)

Karliczek macht Bafög-Empfängerinnen und -Empfänger durch diese Aussage zu Bittstellern, die dankbar sein sollen, dass sie überhaupt studieren können. Man verwehrt ihnen Möglichkeit, die jedem und jeder zusteht, nämlich sich einen Studiengang an der Universität zu suchen, an der man studieren möchte – auch wenn diese Universität in Hamburg oder München ist.

Die Bildungsministerin verkennt dabei aber auch die Lebensrealität vieler junger Menschen: Das Studium ist schließlich nicht der einzige Faktor, nach dem man sich die Stadt aussucht, in der man leben möchte. Viele wollen oder können vielleicht nicht allzu weit weg von ihrer Familie ziehen oder müssen und wollen aus anderen Gründen in einer bestimmten Region sein oder bleiben. 

Was aber noch verheerender ist: Wenn nun also diejenigen, die finanziell schlechter dastehen, allesamt in günstigere Städte ziehen müssten, weil die Politik sich dem Problem der explodierenden Mieten nicht annimmt, würde in den Städten eine Gruppierung von Wohlhabenderen und auf dem Land eine Gruppierung von sozial Schwächeren stattfinden. Das heißt, in Deutschland – einem Land, das für besonders schweren sozialen Aufstieg und ChancenUNgleichheit bekannt ist (SPIEGEL ONLINE) – soll eine weitere Mauer zwischen Arm und Reich gezogen werden. 

Das kann wirklich niemand wollen! 

Zumal es ja auch Gründe dafür gibt, dass das Leben in bestimmten Gegenden günstiger ist: etwa fehlende Infrastruktur, weniger Industrie, geringere Unternehmensdichte und -vielfalt – Faktoren, die den Berufseinstieg zusätzlich erschweren können. Nichts mit Werkstudierendenjob und Netzwerke knüpfen während des Studiums. 

Liebe Frau Karliczek, Studierende, die wenig Geld haben, einfach in günstigere Städte zu schicken – das kann nicht die Lösung sein. Das hat mit Chancengleichheit, die die Politik uns verspricht, nichts mehr zu tun. 


Gerechtigkeit

"Der Teufel trägt Always": Twitter sammelt Menstruationsfilme – nicht alle finden das lustig
Sie ist wieder da!

Twitter versteht es, aus jedem Thema einen Lacher rauszukitzeln: Wenn Deutschland unter einer Hitzewelle einknickt, dann trendet #Erfrischungsfilme. Und wenn Horst Seehofer mit dem falschen Fuß aufsteht, von seinem Amt zurücktreten will und dann aber doch nicht, erlauben sich die User, das unter #Horstfilme mit Humor zu nehmen.

Mit #Menstruationsfilme nimmt Twitter sich jetzt wieder eines Themas an, das nicht alle nur lustig finden: die Periode. Schwer vorstellbar, dass jemand hierüber nicht lachen kann: