Bild: Montage: bento
Der Verfassungsschutz hat bei der Erkenntnis geholfen.

Für gut 50 Mitglieder der AfD-Nachwuchsorganisation in Baden-Württemberg ist die "Alternative" nun keine Alternative mehr. Sie beobachten einen "Radikalisierungsprozess" und "sektenartige Strukturen" bei der "Jungen Alternative" (JA) im Bundesland – und wollen dabei nicht mehr mitmachen. So steht es in einer Austrittserklärung, die die ehemaligen Jung-AfDler am Samstag veröffentlicht haben. (SWR)

Was steckt dahinter?

Die AfD-Jugend kooperiert in vielen Verbänden mit den vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären. Die Gruppe gilt als rechtsextrem, gibt sich aber modern und unschuldig. Auch in Baden-Württemberg gebe es viele Bezirksverbände, die "regelrechte Parallelstruktren mit engen Verbindungen" zu den Identitären aufgebaut hätten, beklagen nun die Zurückgetretenen in ihrer Erklärung. 

Wer sind die Identitären?

Die "Identitäre Bewegung" sind vom Verfassungsschutz beobachtete Rechtsextreme, die seit 2012 in Deutschland aktiv sind. Der Verfassungschutz geht von etwa 600 Aktiven aus (Tagesschau). Flüchtlinge und Zuwanderer islamischen Glaubens werden von den "Identitären" diffamiert. Ihre Ablehnung umschreiben sie als "Ethnopluralismus", was sich mit "Ausländer raus" übersetzen lässt. Führende Mitglieder stammen aus rechtsextremen Organisationen oder der Kameradschaftsszene (bento).

Hier beleuchten wir das Netzwerke der Identitären genauer – und hier haben wir zwei führende Vertreter getroffen.

Ihre eigenen Versuche, sich gegen "die immer stärker wachsende politische Verantwortungslosigkeit" in der JA zur Wehr zu setzen, seien "einem Radikalisierungsprozess zum Opfer gefallen, der insbesondere in den letzten Monaten noch einmal erheblich an Fahrt aufgenommen hat".

Der Hälfte der JA-Mitgliedschaft gehe es nicht mehr "um eine freiheitlich-patriotische Jugendpolitik", sondern um "die Verfestigung einer in keiner Weise konstruktiven totalen Ablehnung dessen, was sie nebulös als 'System' bezeichnen". 

Was steckt wirklich dahinter?

Ein Stück weit auch der Verfassungsschutz. Denn der Rückzug der rund 50 JAler erfolgte nur einen Tag, nachdem bereits der Vorsitzender der JA in Baden-Württemberg, Moritz Brodbeck, gemeinsam mit vier weiteren Landesvorstandmitgliedern seinen Rücktritt angekündigt hatte. 

Der Landesverfassungsschutz hatte zuvor mitgeteilt, dass er die JA nun beobachtet. Für die Organisation lägen Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung vor. Diese Ankündigung hatte Brodbeck und seine Mitstreiter zum Rückzug animiert – und nun weitere folgen lassen. 

Die Beobachtung sei die "bedauerliche, aber letztlich nur logische Konsequenz fortgesetzten Fehlverhaltens eines nennenswerten Teils der baden-württembergischen JA-Mitglieder", sagte Brodbeck. (Die Zeit)

Mit Material von dpa


Grün

Schwedischer Sportler verzichtet dem Klima zuliebe aufs Fliegen – nun machen Hunderte mit
"Flygskam" – die Scham fürs Fliegen.

Den Klimawandel aufzuhalten gehört zu den schwierigsten Herausforderungen unserer Zeit. Viele Industrienationen tun sich allerdings schwer, Klimaschutz wirksam anzugehen. Und mal ehrlich, hier und dort einen Plastikbecher weniger zu kaufen oder einmal die Woche auf Fleisch zu verzichten, löst auch nicht alle Probleme.

Der schwedische Biathlet Björn Ferry geht es radikaler an – und verzichtet auf Flugreisen. Immer mehr Schwedinnen und Schweden folgen seinem Beispiel. 

Ferry, ehemaliger Weltcup- und Olympia-Sieger, verzichtet dem Klima zuliebe bereits seit zwei Jahren auf Flugreisen. Dass es ihm andere nun nachmachen, liegt an seinem neuen Job: Der schwedische Sender SVT hat ihn für die kommende Wintersportsaison als Experten eingekauft. Er soll Sportevents kommentieren.

Ferry hat vor dem Engagement allerdings eine Bedingung gestellt: Egal, ob es ins Studio nach Stockholm oder ins Ausland geht – er fährt nur Bahn.

Zwischen seinem Wohnort in Lappland und Stockholm sind es 800 Kilometer. Außerdem sind Reisen zu Wettkämpfen in Italien, Slowenien und Norwegen geplant. Insgesamt mindestens 13.000 Kilometer auf europäischen Schienen. 

Statt wenigen Stunden ist Björn Ferry dann schon mal zwei Tage bis in die italienischen Alpen unterwegs.

Der Sender hat zugesagt. Und auch Ferry stört es nicht, sagt er gegenüber Klimareporter: