Bild: Getty Images/Michael Masters
Die 4 wichtigsten Antworten zum Streit.

Was ist passiert?

  • Am Freitag hatte die australische Grünen-Abgeordnete Sarah Hanson-Young bei einer Debatte im Parlament gesprochen. Es ging darum, ob Frauen sich gegen Gewalt mit Pfeffersprays schützen sollten. Während ihrer Rede soll der liberal-demokratische Senator David Leyonhjelm dazwischen gerufen haben:
Hör auf, Männer zu vögeln, Sarah!
David Leyonhjelm
  • Als Hanson-Young ihn später konfrontierte, hat er zugegeben, diese Worte benutzt zu haben. Hanson-Young nannte ihn daraufhin einen "creep", einen "widerlichen Menschen", woraufhin er mit "Fuck off!" – "Verpiss dich!" – antwortete. 
  • Daraufhin wurde Leyonhjelm von unterschiedlichen Seiten dazu aufgefordert, sich zu entschuldigen, unter anderem auch von Australiens Bildungsminister Simon Birmingham und dem ehemaligen Premierminister Tony Abbott

Wie rechtfertigte sich der Politiker für seinen Spruch?

Leyonhjelm bestätigte in einer Stellungnahme, die er auf Twitter postete, dass sich das Gespräch so zugetragen habe. Allerdings sagt er, Hanson-Young hätte zuvor gesagt, dass alle Männer Vergewaltiger seien, woraufhin er gesagt hätte, wenn das der Fall sei, dann solle sie eben aufhören, Männer zu vögeln – in diesem Wortlaut. Seine Stellungnahme betitelte er mit "Männerfeindlichkeit". 

Dann ging es weiter: Ein Sprecher von Hanson-Young verneinte, sie hätte je gesagt, dass alle Männer Vergewaltiger seien. Sie hätte nur gesagt, dass "Elektroschocker auf den Straßen Frauen nicht vor Männern schützen werde." (Buzzfeed)

Leyonhjelm setzt in seiner Stellungnahme trotzdem noch einen drauf: Er schreibt, er werde sich nicht bei Hanson-Young entschuldigen, er sei allerdings bereit, seinen Kommentar neu zu formulieren:  

Ich fordere Senatorin Hanson-Young dringend dazu auf, so viele Männer zu vögeln, wie sie möchte.

Was ist dann passiert?

Am vergangenen Sonntagmorgen war Leyonhjelm bei dem Fernsehsender "Sky News" in der Show "The Outsiders" zu Gast. In der Bauchbinde stand:

Leyonhjelm: Sarah Hanson-Young ist bekannt dafür, dass sie Männer mag. Die Gerüchte über sie im Parlament sind bekannt. 

Viele Twitternutzer – darunter auch einige Journalisten – reagierten wütend darauf, dass der Sender "Sky News" Leyonhjelms Anschuldigungen einfach so verbreitet und sprechen von Verleumdung. Daraufhin entschuldigte sich der Sender via Twitter und erklärte, ein Produzent wäre suspendiert worden, bis die internen Untersuchungen abgeschlossen sind.  

Auch hierauf reagierten viele mit Ärger: Wieso werde jetzt ein Produzent verantwortlich gemacht und nicht der Sender oder die Moderatoren, die Leyonhjelm schließlich eingeladen und sich im Fernsehen über Hanson-Young lustig gemacht haben

Warum ist das alles wichtig?

Leyonhjelms Äußerungen sind klassisches Slutshaming. 

  • Das Wörterbuch Pons definiert Slutshaming als "Das Anprangern einer Frau aufgrund ihres (scheinbar) freizügigen sexuellen Verhaltens." 

Hanson-Youngs Sexleben hat aber nichts mit der Sache zu tun, wie Frauen in Australien sich besser vor Gewalt schützen können. Senator Leyonhjelms versucht, sie durch diesen Kommentar zu diffamieren. 

Die Politikerin selbst hat für die britischen Zeitung "The Guardian" eine Stellungnahme verfasst. Sie schreibt:

"Anspielungen über den Körper oder die Sexualität einer Frau zu nutzen, um sie einzuschüchtern, sind nicht neu, aber immer noch effektiv. Es funktioniert, weil es sowohl spezifisch als auch versteckt ist. Sich darüber zu beschweren würde heißen, die 'Geschlechter-Karte' auszuspielen, darum schweigen die meisten Frauen und nehmen es einfach hin."

Die Abgeordnete hat sich dazu entschlossen, nicht zu schweigen und die Angelegenheit dem Parlament zu melden. Daraufhin erntete sie weitere Häme in Leyonhjelms Stellungnahme auf Twitter und bei Leyonhjelms Auftritt bei "Sky News". 

Sie erklärte nun auf Twitter, dass sie sich rechtlichen Beistand nehmen werde:

Als Frau, als Schwester und als Mutter, werde ich weiterhin protestieren. Ich lasse mich nicht von beleidigenden und sexistischen Verleumdungen einschüchtern
Sarah Hanson-Young

In ihrer Stellungnahme schreibt sie weiter: "Wir belohnen schlechtes Benehmen mit Aufmerksamkeit. Männer, die Sexismus nutzen, um Frauen herabzuwürdigen oder einzuschüchtern, wie ich es bei Senator Leyonhjelm erlebt habe, müssen keine Konsequenzen fürchten. Das ist Politik in Australien in 2018."

Ob der Streit vor Gericht kommt, ist noch offen.


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