Warum er trotzdem nicht zur Verleihung darf.

Behrouz Boochani ist gerade umgerechnet 63.000 Euro reicher geworden. Aber die Freiheit kann sich der 35-Jährige dafür trotzdem nicht kaufen. 

Der Schriftsteller wurde mit dem Literaturpreis des Bundesstaates Victoria ausgezeichnet, dem höchstdotierten Literaturpreis Australiens. Er bekam die Auszeichnung für sein Buch "No Friend But the Mountains: Writing from Manus Prison". (CNN)

Entgegennehmen kann Behrouz Boochani den Preis jedoch nicht – denn er sitzt selbst im Gefängnis von Manus.

Manus ist eigentlich keine Haftanstalt, sondern eine Insel. Für viele Bewohner fühlt sich Manus jedoch wie ein Gefängnis an. Denn es ist die Insel, auf der Australien seine Asylbewerber festhält und nicht einreisen lässt.

  • Die Insel gehört zu Papua-Neuguinea im Pazifik. 
  • Versuchen Geflüchtete per Boot Australien zu erreichen, schickt sie die australische Regierung hier hin. 
  • Das Modell ist international umstritten, Hardliners in Europa loben es jedoch. 

So wie die EU zum Beispiel Abkommen mit libyschen Söldnern schließt, um Menschen von der Flucht über das Mittelmeer abzuhalten – so hat auch Australien Abkommen, um Geflüchtete von ihrem Kontinent fernzuhalten. Kritiker sagen, die Inseln sind Gefängnisse, die Regierung antwortet, jeder Asylbewerber könne ja wieder heimkehren.

Behrouz Boochani selbst sitzt seit 2013 auf Manus fest, er floh einst aus dem Iran. 

Der Schriftsteller ist Kurde, die Minderheit lebt im Nordwesten des Iran und hat dort nicht die gleichen Rechte wie die iranische Bevölkerung. Er floh, als Sicherheitskräfte eine von ihm gegründete Zeitungsredaktion gestürmt hatten.

Sein Buch soll er innerhalb von fünf Jahren geschrieben haben. Er schickte es Nachricht für Nachricht und Tag für Tag via WhatsApp an seinen Übersetzer. 

So sagt er der BBC:

WhatsApp ist wie mein Büro. Ich habe nicht auf Papier geschrieben, weil die Wärter immer wieder unsere Zimmer und unsere Sachen durchwühlen.

Dass ihm nun trotz der Auszeichnung die Einreise weiter verweigert werde, bezeichnet Behrouz als "paradoxes Gefühl": Einerseits sei er glücklich, dass nun viele auf seine Lage und die anderer Geflüchteter aufmerksam würden. Andererseits will er sich dieses Gefühl der Freude nicht erlauben, "weil ich hier an diesem Ort viele Freunde habe, die leiden."

Mit seinem Buch will Behrouz erreichen, dass Geflüchtete wieder als Menschen gesehen werden:

Wir sind keine Engel und wir sind nicht böse. Wir sind Menschen, einfach nur Menschen.

Was die australische Regierung mit ihren Insel-Internierungslagern mache, sei ein "systematischer" Versuch, Asylbewerbern und Geflüchteten "Identität, Menschlichkeit und Individualität" zu nehmen, sagt Behrouz. Alles, was sie wollen würden, sei: Freiheit.


Gerechtigkeit

Tausende feinden die Klimaaktivistin Greta Thunberg an – nun hat sie ihnen geantwortet
Die wichtigsten Sätze aus dem Brief gegen den Hass

Die Schwedin Greta Thunberg ist 16 Jahre alt und will nicht weniger, als die Zukunft unseres Planeten retten. Seit August protestiert Greta Thunberg mit ihrem "Schulstreik fürs Klima" jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm.

Am Anfang war sie noch allein, mittlerweile folgen ihr Zehntausende – in Stockholm wie auf der ganzen Welt. Schülerinnen und Schüler Schwänzen den Unterricht, um den Verantwortlichen in der Politik zu sagen: Nehmt den Klimawandel endlich ernst, und zwar heute und nicht erst morgen. Auch in Deutschland (bento war in Hamburg dabei).

Mittlerweile nahm Greta im Januar am Weltwirtschaftsforum in Davos teil, wo sie vor Managern und Politikerinnen ihre Botschaft wiederholte (bento). Aber all die Aufmerksamkeit zog auch Kritiker an. Und Pöbler.

Im Netz wird Greta Thunberg tausendfach für ihr Engagement angefeindet – nun hat sie dem Hass einen Antwortbrief geschrieben.

Auf Facebook postete Greta einen Brief, mit dem sie von anderen in die Welt gesetzten Gerüchten widersprach – und den Beleidigungen Mut entgegensetzte.

Greta schreibt, der Hass gegen ihre Person hätten sie nicht überrascht. Mit einem Schulstreik auf etwas Komplexes wie den Klimawandel aufmerksam zu machen, möge auf viele befremdlich wirken. Sie sei aber so frustriert darüber gewesen, dass sie einfach etwas habe tun müssen. Bei ihrer Idee habe sie sich von den Schülern in der US-Stadt Parkland inspirieren lassen. Diese hatten nach einem Amoklauf an ihrer Schule für schärfere Waffengesetze demonstriert – und ebenfalls viel Hass von rechten Trollen erfahren (bento).