Bild: privat

Sara erlebt sie schon länger, diese Diskriminierung. Wenn sie durch die Stadt gehe, werde sie immer wieder angepöbelt, erzählt sie. "Manche rempeln mich sogar in der Bahn an." Ältere Männer seien es meist. "Sie stört, dass ich ein Kopftuch trage", sagt sie.

Nun hat Sara erstmals erfahren, was es heißt, im Job diskriminiert zu werden – nur weil sie ein Kopftuch trägt.

Die 15-Jährige sucht derzeit nach einem Jahrespraktikum in einer Konditorei in Essen. Das will sie parallel zu ihrem Zehnte-Klasse-Abschluss machen, danach träumt sie von einer Ausbildung als Konditorin.

Allerdings: Positives Feedback auf ihre Bewerbungen gibt es immer nur am Telefon. Sobald Sara irgendwo vorstellig wird, sobald jemand ihr Kopftuch sieht, kommt die Absage. So erzählt es die Schülerin jetzt.

Ihr Bruder Ibrahim hat auf Facebook auf ihren Fall aufmerksam gemacht. Der 27-Jährige arbeitet als Koch und wollte seiner jüngeren Schwester bei der Jobsuche helfen. Seinen Frust hat er in einem Post verarbeitet, der in den vergangenen drei Tagen mehr als 1200 Mal geteilt wurde. 

"Ich bin wirklich sehr enttäuscht über die Reaktionen und die Absagen die Sie bekommt", schreibt er. Und setzt den Hashtag #AlleMenschenSindGleich dazu:

❌😤😡❌😤😡😤❌❌❌😤😡😡😡❌ Liebe Konditoren, Cafes und alle die mit dem Beruf Konditor/in zu tun haben! Seit Wochen bemüht sich...

Gepostet von CookIbo am Dienstag, 19. Juni 2018

Er sei früher ein "Problemschüler" gewesen, sagt Ibrahim über sich. Umso glücklicher sei er gewesen, als ihm damals jemand eine Chance gegeben hatte – und er ins Gastro-Gewerbe einsteigen konnte. Dass nun seine Schwester aufgrund ihres Äußeren diskriminiert werde, störe ihn. "Es sollte doch hier nicht um irgendwelche Religionen gehen", sagt Ibrahim zu bento, "sondern einfach nur um die Frage, ob jemand gut genug für eine Ausbildung ist."

Viele Ausbildungsstellen bleiben in Deutschland unbesetzt. 

Auf 572.227 angebotene Ausbildungsplätze kamen im vergangenen Jahr 547.002 Auszubildende – mehr als 25.000 Stellen blieben also offen (Statista). Trotzdem sagen Betriebe, sie fänden keine geeigneten Azubis – und trotzdem gehen Engagierte wie Sara leer aus.

Sie ist sich sicher, dass sie nur wegen ihres Kopftuches ausgeschlossen wurde. "Eine Bäckerin war am Telefon erst sehr freundlich", erzählt sie. "Als ich dann noch am gleichen Tag in den Laden kam, verzog sich sofort ihre Miene." Und dann habe sie abgestritten, dass es je ein Telefonat gab. 

Ein zweiter Fall, den sie schildert: Sara wurde beim Vorsprechen zwar freundlich behandelt, aber dann rasch wieder aus der Bäckerei verwiesen. Wenige Tage später kam ein Schreiben, dass sie es gerne versuchen könne – "aber nur, wenn ich mein Kopftuch abnehme".

Freundinnen, die ebenfalls nach Praktika suchen und kein Kopftuch tragen, seien erfolgreicher.

Wir sind in Deutschland geboren und hier aufgewachsen – wir sind ganz normale Deutsche. Was jetzt passiert, macht mich traurig.

Sara glaube, die Situation hänge mit dem Streit um die deutsche Asylpolitik zusammen. "Seit mehr Flüchtlinge in Deutschland leben, werde auch ich immer wieder für einen Flüchtling gehalten", sagt sie. Menschen würden ihr wieder negativer begegnen, "Scheiß Ausländer" höre die Essenerin wieder öfter. 

Seit der Facebook-Post ihres Bruders die Runde macht, bekam Sara viele Angebote.

Allerdings seien das alles türkische oder arabische Bäckereien. "Die wissen halt, dass es in der Küche egal ist, ob man ein Kopftuch aufhat", sagt Ibrahim. 

Sara selbst reicht das aber nicht. "Wenn ich lernen will, wie man arabisch backt, frag ich meine Mutter", sagt sie. 


Haha

Diese Promis sehen den Fußballspielern der WM wirklich extrem ähnlich
Oder sind sie doch heimlich dieselbe Person?

Diesen Spruch hat doch jeder schonmal gehört: "Ich hab deinen Doppelgänger gesehen!" So unwahrscheinlich ist es nicht, dass irgendjemand auf der Welt einem verdammt ähnlich sieht – bei fast 7,5 Milliarden Menschen. Wenn man nicht gerade Teil eines Zwillingspaares ist, klar. 

Trotzdem: Jeder hält sich für unverwechselbar, einmalig, ganz, ganz individuell.