Während der Attentate im vergangenen November hat "Didi" vielen Menschen das Leben gerettet.

Mehr als 36.000 Franzosen fordern in einer Petition, dass "Didi", der Türsteher des Konzertsaals Bataclan, französischer Staatsbürger wird. Während der Attentate am 13. November im Bataclan hat er unter Lebensgefahr einen wichtigen Notausgang des Saals geöffnet.

Thiaba Bruni steckt hinter der Petition. Vor drei Wochen hat sie den Aufruf für den 35-jährigen Algerier gestartet. Der Wachmann mit dem Spitznamen "Didi" möchte selbst anonym bleiben. Auf der Petitions-Seite schreibt Bruni: "Heute, während der Entzug der Staatsbürgerschaft in aller Munde ist, ist es umso wichtiger, dass der französische Staat Ausländer ehrt, die sich durch Mut und ihre heldenhafte Einstellung auszeichnen."

Wie hat "Didi" den 13. November erlebt?

"Didi" stand draußen auf dem Bürgersteig, neben der Eingangstür zum Konzerthaus, als die Terroristen zuerst das Bataclan Café angriffen. Die Bar liegt direkt neben dem Konzertsaal Bataclan. Er habe sofort verstanden, dass das Knallen keine Böllergeräusche waren. Der französischen Zeitung "Le Monde" sagte er: "Mein Reflex war - ich musste rein und meine Kollegen warnen." Obwohl er wusste, dass er in eine Falle laufen würde. (Le Monde)

Als die Terroristen in den Konzertsaal kamen, hat sich "Didi" mit den anderen Geiseln flach vor die Bühne gelegt. Er wusste, das nicht weit von ihnen ein Notausgang war. Als die Terroristen nachgeladen haben, ist "Didi" mit einer Gruppe zur Tür gerannt, hat sie geöffnet und ist nach draußen geflüchtet. Viele Menschen konnten sich in die angrenzenden Häuser retten. "Er hat die Führung übernommen, während wir benommen und terrorisiert waren", sagt später Myriam Péron, die von "Didi" gerettet wurde. Ein Journalist der französischen Zeitung "Le Monde" hat die Szenen am geöffneten Notausgang an der Straße Saint-Pierre Amelot mit seinem Handy festgehalten. (bfmtv.tv, Le Monde)

"Didi" war einer der sechs Wachmänner während des Konzertes der amerikanischen Rockband "Eagles of Death Metal". Seit 2004 kümmert er sich um die Sicherheit im Bataclan. Mit sechs Monaten ist er von Algerien nach Frankreich gekommen. Bis jetzt hat er nur eine Aufenthaltsgenehmigung, nicht aber die französische Staatsbürgerschaft. Er selbst sagt, er fühle sich nicht als Held und habe ganz selbstverständlich gehandelt. (Paris Match)

Wir haben mit Thiaba Bruni gesprochen, sie hat die Petition gestartet.

Ehrenamtlich engagiert sie sich in der französischen Anti-Rassismus-Organisation "Conseil Représantatif des Associations Noires" (cran). Bruni hat "Didi" zum ersten Mal vergangenen Samstag getroffen. Er sei sehr bescheiden und wolle keinen großen Rummel um seine Person.

(Bild: Thiaba Bruni)
Warum hast du die Petition ins Leben gerufen?

Ich hatte einen Artikel über "Didi" gelesen. Mich hat es sehr bewegt, dass sich jemand in einer immer egoistischeren Gesellschaft für andere einsetzt und sogar sein Leben für Fremde riskiert. Ich fand es ungerecht, dass die Politik nicht auf ihn zugekommen ist und ihm zum Beispiel die "Légion d'honneur" verliehen hat. Er hat immerhin Hunderte Menschen gerettet.

Wie hat "Didi" auf die Petition reagiert?

Er war sehr gerührt. Ihn hat sehr bewegt, dass die Leute, denen er geholfen hat, sich bei ihm bedanken wollten. Nach den Attentaten habe er sich nicht gut gefühlt. Er habe Albträume und immer wieder die Szenen des 13. Novembers im Kopf gehabt. Aber er hat mir auch gesagt, er fühle sich der französischen Nation nach dem Attentat noch stärker verbunden. Deshalb wolle er gerne die französische Staatsbürgerschaft annehmen.

In Frankreich denken viele bei den Worten "Muslim" oder "Nordafrikaner" gleich an Terroristen.
Hast du mit so viel Rückmeldung gerechnet?

Ich wusste nicht, wie die Leute reagieren werden. Es haben sich viele Leute gemeldet, die von "Didi" gerettet wurden. Eine fünfköpfige Familie und ein Mann, dessen Schwester gerettet wurde. Aber auch viele Leute, die "Didi" kennen.

Hat "Didi" zu den Leuten Kontakt, die er gerettet hat?

Am Anfang hatte er keinen Kontakt zu ihnen. Er kannte ihre Namen nicht, hatte keine Telefonnummern. "Didi" hat sich bei mir bedankt, dass er durch die Petition diese Leute wiederfinden konnte. Viele der Geretteten haben ihn gesucht und durch die Petition schließlich gefunden. Zusammen haben sie einen Verein gegründet, das "colléctiv du 13 novembre" ("Kollektiv des 13. Novembers"). Sie haben sich bereits mehrmals getroffen. Das hilft ihnen dabei, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.

Braucht Frankreich gerade mehr Vorbilder als sonst?

Vorbilder sind besonders wichtig für die Jugendlichen in den Banlieues. "Didi" ist eine gute Identifikationsperson für sie. In Frankreich denken viele bei den Worten "Muslim" oder "Nordafrikaner" gleich an Terroristen. "Didi" hat genau das Gegenteil bewiesen.

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