Bild: Facebook FC St. Pauli
"Nicht alles, was man vor 10 Jahren lustig fand, sollte auch heute noch lustig sein."

Nach einer Werbeaktion müssen sich die Menschen hinter der Biermarke "Astra" heftiger Kritik stellen – und trotzdem meinen einige, das rassistische Plakat verteidigen zu müssen. 

Warum bloß?

Aber von vorne. 

Was ist passiert?

Für die Werbung eines Biermischgetränkes hing die Brauerei mitten auf der Hamburger Reeperbahn ein Werbeplakat auf. Was darauf zu sehen ist, finden viele geschmacklos und rassistisch. Gezeigt wird ein Mann, der offenbar einen indischen Migrationshintergrund haben soll, in einem Meerjungfrauen-Kostüm. Darunter der Slogan: "Wolle Dose kaufen?" (bento)

Falsche Grammatik, merkwürdiges Kostüm – kein Klischee wurde ausgelassen.

Astra sei "schon immer eine Marke gewesen, die aneckt und mit Grenzen spielt", sagte Linda Hansemann, Pressesprecherin des Mutterkonzerns Carlsberg Deutschland zu bento. Das habe man auch dieses Mal versucht. 

Es war ein peinlicher Versuch.

Denn mit dieser Werbung zeigt Astra, wie normal Rassismus noch immer ist: In dem man Menschen auf einen Stereotypen reduziert, hofft man offenbar, ein paar Bierchen mehr verkaufen. 

Und ja, Astra hat als Marke schon immer mit Vorurteilen gespielt – aber normalerweise mit denen, die sie haben, wie zum Beispiel bei dem Werbeplakat mit einer Rollstuhlfahrerin. Ironische Distanz oder ein spielerisches Unterwandern von Stereotypen lässt sich bei "Wolle Dose kaufen" aber auf keiner Ebene erkennen. 

Schlimmer ist eigentlich nur, dass es durchaus Menschen gibt, die sich hinter Astra stellen und die Werbung verharmlosen. Man habe sich lediglich an Bastian Pastewka im Film "Der Wixxer" orientiert, schreibt zum Beispiel ein Nutzer auf Twitter. Das sei doch alles halb so schlimm. 

Pastewka spielte im Film einen Inder und nutzt den Slogan: "Wolle Rose kaufen?"

Diese Rolle war damals schon problematisch und ist es auch heute noch. Pastewka ist Deutscher, der einen Inder spielt. Dafür malt er sich das Gesicht dunkel an, spricht mit starkem Akzent und falscher Grammatik und will Rosen verkaufen, weil Inder das ja so machen. Er bedient mit seiner Rolle ein Klischee nach dem anderen.

Die Tatsache, dass sich die Astra-Werbung wahrscheinlich davon hat inspirieren lassen, macht sie also nicht weniger schlimm. Sie zeigt lediglich, wie lange Klischees und Vorurteile bereits als Werbe- und Unterhaltungsmittel eingesetzt werden.

Damit es ein Mal gesagt wurde: Nicht alles, was man vor 10, 20 oder 70 Jahren lustig fand, sollte auch heute noch lustig sein. Die Grenzen, die eine Gesellschaft zieht, ändern sich. Und das ist auch verdammt gut so – oder wollen wir wirklich noch über Blondinen, Polen oder Juden lachen?

Deshalb ist die Kritik an Astra so richtig und wichtig.

Sie zeigt nämlich, dass es genug Menschen gibt, denen es nicht egal ist, wenn ihre Mitmenschen diskriminiert werden. Denen es wichtig ist, darüber zu sprechen und darauf aufmerksam zu machen. Mir persönlich ist es wichtig, dass mein bester Freund als Inder nicht aufgrund seiner Herkunft diskriminiert wird, weil es Menschen gibt, die offenbar nur durch Rassismus zu erfreuen sind. 

Man ist keine "Spaßbremse", wenn man auf andere achtgibt und Diskriminierung ablehnt.


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