"Wir sind keine Bots!"

In Köln haben vor allem junge Menschen gegen den Artikel 13 der geplanten Urheberrechtsreform demonstriert. Die Reporter von @infozentrale schätzen, dass mehr als 1000 Menschen aus Angst vor Uploadfiltern auf die Straße gingen. Heise.de schreibt von mehr als 3000 Teilnehmern.

Die Demonstrierenden riefen: "Wir wollen keinen Artikel 13", "Nie wieder CDU" und: "Wir sind keine Bots". Damit spielten sie auf einen Tweet von CDU-Politiker Sven Schulze an (hier mehr dazu bei bento).

 Hier ist ein Video aus Köln:

Und hier sind die besten Plakate:

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Worum ging es bei der Demo?

Um die geplante Urheberrechtsreform der EU. Sie kann nur noch vom Europäischen Parlament gestoppt werden. Die Bundesregierung hatte am Mittwoch im EU-Ministerrat zugestimmt, genauso wie die Mehrheit der anderen EU-Regierungen.

Vor allem Artikel 13 der Reform ist umstritten: Plattformen wie YouTube sollen künftig selbst dafür sorgen, dass keine urheberrechtlich geschützten Werke mehr hochgeladen werden. Um das sicherzustellen, dürften die Plattformen wohl gezwungen sein, sogenannte Uploadfilter einzusetzen. Solche Filter gibt es bereits, sie funktionieren nicht perfekt, können oft Satiren oder Parodien nicht erkennen, die Ausschnitte von urheberrechtlich geschütztem Material benutzen.

Viele junge Menschen fürchten nun um die Zukunft der Meme-Kultur und andere YouTube-Formate. Denn es ist unklar, wie die Filter beispielsweise Parodien von Urheberrechtsverletzungen unterscheiden sollen.

Seit Wochen formiert sich der Protest, angeheizt von vielen YouTubern. Aktivistinnen und Aktivisten überreichten der deutschen Justizministerin Katharina Barley jüngst eine Onlinepetition mit fast fünf Millionen Unterschriften aus ganz Europa. Barley hatte in letzter Minute versucht, Artikel 13 aus dem Entwurf streichen zu lassen – nachdem sie zuvor monatelang federführend verhandelt hatte. Angela Merkel allerdings legte Einspruch ein.

Wie geht es weiter?

Die entscheidende Abstimmung im Parlament soll voraussichtlich Ende März erfolgen. Bis dahin bleibt Zeit, den Entwurf zu beeinflussen. Am 23. März sind in ganz Europa Demonstrationen geplant.


Fühlen

Fünf junge Menschen erzählen uns, wie es sich anfühlt, nicht mehr süchtig zu sein
"Wie auf Speed – nur ohne das Chaos im Kopf"

Ein Feierabendbier hilft, nach dem stressigen Tag abzuschalten. Und mit einer Flasche Wein und einer Freundin ist der Liebeskummer schon nicht mehr so schlimm. Das kann zum Problem werden: Wenn man sich daran gewöhnt, die Tiefpunkte im Leben nur noch mit Alkohol und Drogen durchzustehen.

Genau deshalb ist es auch so schwer, einer Sucht wieder zu entfliehen. Etwa 74.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums (Bundesregierung), etwa 1300 Menschen durch Drogen (BKA).

Es geht aber auch anders. Wir haben mit fünf jungen Menschen gesprochen, die ihre Suchterkrankung hinter sich gelassen haben.

Was hat sich in ihrem Leben verändert? Wie stehen sie den Alltag durch? Und wie fühlt es sich an, rückfällig zu werden?

Tim, 31, Elektroniker: "Meinen Speed-Dealer traf ich noch ein letztes Mal"

"Ich habe 15 Jahre lang Drogen konsumiert. Erst rauchte ich Cannabis, dann wurde ich Amphetamin-süchtig. Später wurde Alkohol zu meiner Ersatzdroge. Ich bin noch nicht sehr lange weg von den Stoffen, seit zwei Jahren clean, seit vier Monaten trocken. Doch schon jetzt hat sich mein Leben deutlich verändert.