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Es gab noch nie so viele arme Menschen in Deutschland wie zurzeit. Das zeigt der Jahresbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Nach ihrer Definition leben 12,9 Millionen Menschen unter der Grenze für Armutsgefährdung (vollständiger Armutsbericht).

Armutsbericht – was bedeutet es, arm zu sein?

Menschen gelten für die Wohlfahrtsverbände als arm, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesellschaft, in der sie leben, zur Verfügung haben. 

Bei einer alleinlebenden Person in Deutschland wären das weniger als 942 Euro im Monat. 

Einige Experten halten diese Definition für zu weit gefasst. 

Vier Erkenntnisse aus dem Bericht:
  • Insgesamt gelten 15,4 Prozent der Bevölkerung als arm, zehn Jahre zuvor lag sie noch bei 14,7 Prozent. Heißt: Deutschlands Wirtschaft geht es zwar stetig besser, davon sinkt die Armut aber nicht.
  • Wer ist gefährdet? Neben Arbeitslosen, auch Alleinerziehende, Ausländer und Familien mit drei und mehr Kindern und Rentner.
  • Minderjährige und junge Erwachsene sind häufig betroffen, wenn sie aus ärmeren Elternhäusern stammen, keinen oder einen niedrigen Schulabschluss haben.
  • Armut tritt besonders häufig im Ruhrgebiet und in Berlin auf.
Und:
Der Untersuchung zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen Armut und Lebenserwartung. Demnach haben arme Männer eine Lebenserwartung von 70,1 Jahren, wohlhabende Männer von 80,9 Jahren. Bei Frauen liegen die Zahlen bei 76,9 Jahren und 85,3 Jahren.
(Bild: Armutsbericht )
Doch warum ist das so?

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen mit niedrigem sozialen Status häufiger von Krankheiten und Beschwerden betroffen sind als Personen mit höherem sozialen Status (Armutsbericht). Weil sie sich häufig schlechter ernähren, weniger Bewegung haben, mehr rauchen und Alkohol trinken, erklärt Rolf Rosenbrock dem NDR. Er ist Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (tagesschau.de).

"Die Menschen sterben auch früher, weil sich der psychische Druck durch die insgesamt beengte Lebenssituation und meist auch schlechtere Arbeitsbedingungen oder auch durch Arbeitslosigkeit negativ auf das eigene Leben und die Möglichkeiten der Teilhabe auswirkt."

Wenn man sich die Daten der gesetzlichen Krankenversicherung anschaut, fällt auch auf, dass psychische Erkrankungen und Störungen in der niedrigen Statusgruppe vermehrt auftreten. Dies gilt zum Beispiel für Depressionen, Angststörungen und Substanzstörungen.

Die Unterschiede zwischen Armen und Wohlhabenden fallen auch bei noch mehr schwerwiegenden Krankheiten auf: Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder Lungenerkrankung. "Wir können davon ausgehen, dass das Risiko, an diesen Leiden zu erkranken, bei Personen, die von Armut betroffen sind, zwei bis drei Mal höher ist", sagt Thomas Lampert vom Robert-Koch-Institut.

Was bedeutet das für die Rentenversicherung?

Es führt im Grunde dazu, dass die Ärmeren die Reicheren auch noch mitfinanzieren. "Die armen Menschen, die ihr Leben lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt haben und dann im Durchschnitt vielleicht noch vier oder fünf Jahre die Rente genießen können, finanzieren im Grunde genommen die Rente der Wohlhabenderen, länger Lebenden mit", sagt Rosenbrock.

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