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Mehr als jede vierte junge Frau in Deutschland ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht: 28,4 Prozent der Frauen zwischen 18 und 24 Jahren hatten im Jahr 2014 so wenig Geld oder so geringe gesellschaftliche Teilhabechancen, dass das Statistische Bundesamt sie als armutsgefährdet einstufte.

In der Gesamtbevölkerung sind 20,6 Prozent der Menschen armutsgefährdet.

  • Männer von 18 bis 24 oder Frauen ab 25 liegen als Gruppe nur wenige Prozentpunkte über diesem Durchschnitt.
  • Altersarmut ist sogar ein vergleichsweise geringes Problem in Deutschland: Nur 17,4 Prozent der über 65-Jährigen zählen als armutsgefährdet – hier aber auch deutlich mehr Frauen als Männer.
  • Das zeigt: Armut in Deutschland ist vor allem jung und weiblich.
Wer gilt überhaupt als armutsgefährdet?

Die Statistiker bezeichnen eine Person als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Lebenssituationen zutrifft:

  • Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze von 60 Prozent des deutschen Durchschnittseinkommens: Für eine alleinlebende Person sind das 987 Euro, für Eltern mit zwei Kindern unter 14 Jahren sind es 2072 Euro.
  • Ihr Haushalt ist von erheblicher materieller Entbehrung betroffen: Sie können etwa nicht alle Rechnungen bezahlen oder sich keine einwöchige Urlaubsreise pro Jahr leisten.
  • Sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung. Dazu zählt man, wenn alle erwerbsfähigen Erwachsenen zusammengezählt weniger als 20 Prozent eines Vollzeitjobs arbeiten. Also etwa ein alleinerziehender Vater, der maximal einen Tag pro Woche einer Erwerbsarbeit nachgeht.
Warum sind gerade junge Frauen betroffen?

Das Statistische Bundesamt nennt keine Gründe, warum gerade junge Frauen so häufig armutsgefährdet sind. Es liegt aber nahe, dass viele alleinerziehende Mütter zu dieser Gruppe zählen. Für sie ist es schwerer, neben der Kinderbetreuung noch eine Vollzeitstelle anzunehmen.

Gleichzeitig lenkt der Staat seine Geldleistungen für Familien häufig nicht zu denen, die die Hilfe am dringendsten brauchen. So profitieren von Kinderfreibeträgen bei der Einkommensteuer vor allem die, die viel Einkommen zu versteuern haben. Auch das Elterngeld liegt höher, je höher das Einkommen vor der Elternzeit war.