Auf Facebook könnte er zuvor einen Hinweis gepostet haben.

Arkadij Babtschenko ist ein russischer Journalist, Blogger und Schriftsteller. Und er gehört zu den schärfsten Kritikern des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Am Dienstag soll er in seinem Haus ermordet worden sein, Unbekannte hätten ihn von hinten erschossen. (Ukraine Journal)

Allerdings: Der Mord war ein Fake. Arkadij Babtschenko hat ihn selbst inszeniert, um angebliche russische Machenschaften aufzudecken.

Zuvor hatte er auf Facebook geschrieben, welches Glück er hat, am Leben zu sein.

1.

Wer ist Arkadij Babtschenko?

  • Babtschenko ist russischer Staatsbürger, lebt aber zu seinem eigenen Schutz in der Ukraine.
  • Er arbeitet als Journalist und Blogger und gehört zu den härtesten und wütendsten Kritikern Putins.
  • Als junger Mann musste er in Russlands Tschetschenienkriegen dienen. Über seine Erlebnisse schrieb er das Buch "Ein Tag wie ein Leben". Es wurde auch in Deutschland zum Erfolg:
(Bild: Marc Röhlig)

Babtschenko hatte vor seiner Flucht nach Kiew in Moskau unter anderem für die oppositionelle Zeitung "Nowaja Gaseta" und den liberalen Radiosender Moskauer Echo gearbeitet. In seiner Arbeit wirft er Putin vor, Journalisten und Oppositionelle zu ermorden – und Russland wie eine Mafia zu führen. 

Auch die russische Beteiligung an den Kriegen in Syrien und in der Ostukraine verurteilt Babtschenko scharf. Russland hat 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert und rüstet pro-russische Kämpfer aus, die im Osten der Ukraine kämpfen. Ein Überblick:

(Bild: bento)

2.

Was ist über den inszenierten Mord bekannt?

  • Babtschenko wurde angeblich in seinem Haus in der ukrainischen Hauptstadt Kiew von hinten erschossen.
  • Die ukrainische Polizei verkündete am Mittwoch, sie gehe von einem "professionell durchgeführten Mord" aus. (Ukraine Journal)
  • Der ukrainische Ministerpräsident Wolodymyr Hrojsman gab Russland die Schuld. Er schrieb auf Facebook
Ich bin überzeugt, dass die russische totalitäre Maschinerie ihm seine Ehrlichkeit und Prinzipientreue nicht verziehen hat.

Am Mittwochnachmittag trat Babtschenko plötzlich auf einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes SBU auf. Darin entschuldigte sich der verheiratete Vater einer Tochter für Nachrichten über seinen angeblichen Tod.

Der angebliche Mord sei eine über Monate vorbereitete Aktion gewesen, um echte Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen, sagte der SBU-Chef Wassili Grizak. Der mutmaßliche Organisator sei festgenommen worden. (SPIEGEL ONLINE/Ghall)

In den vergangenen Jahren gab es eine ganze Reihe ungeklärter Morde an russischen Dissidenten und Journalisten in der Ukraine. Dutzende sind unter zum Teil ungeklärten Umständen ums Leben gekommen, seit Putin an der Macht ist.

Russland selbst streitet eine Beteiligung am Mord ab. Es sei traurigerweise Mode geworden, nach solchen Vorfällen sofort Russland zu beschuldigen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. (The Guardian)

3.

Was hatte Babtschenko vor seinem angeblichen Tod gepostet?

Der Journalist war vor vier Jahren als Frontberichterstatter in der Ostukraine, als dort die Kampfhandlungen hochkochten. Auf Facebook erinnert er sich, wie er dort beinahe ums Leben gekommen wäre:

Четыре года назад генерал Кульчицкий не взял меня на этот вертолет. Из-за перегруза. Не было места. Перегруженная...

Gepostet von Аркадий Бабченко am Dienstag, 29. Mai 2018


Er sollte mit einem Kampfhubschrauber an die Front fliegen, doch es war nicht genug Platz, schreibt Babtschenko. Dann wurde der Hubschrauber – ohne ihn an Bord – von pro-russischen Rebellen abgeschossen. 14 Menschen starben. 

Kurz vor seinem "Mord" schrieb Babtschenko also:

Ich hatte Glück. Ein zweiter Geburtstag, wie sich herausstellte.

Scheint, als war genau dieser Facebook-Eintrag nichts anderes als ein Hinweis auf die seltsame Aktion von Babtschenko.

Hinweis: Die erste Version dieses Textes war zuvor noch von Babtschenkos Tod ausgegangen. Wir haben ihn entsprechend aktualisiert.


Gerechtigkeit

Leipziger Polizisten sollen jugendliche Sprayer misshandelt haben
Jetzt ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft.

Ende April griffen Polizisten in Leipzig vier Jugendliche auf, die im Stadtteil Connewitz Graffiti gesprüht hatten. Sie hatten unter anderem die Schriftzüge "ACAB" und "Kill Cops" gesprüht, außerdem einen Aufruf für eine Demo gegen Rechtsextreme am 1. Mai in Chemnitz. 

Was vor dem Transport in die Wache geschah, darum geht es jetzt in Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. 

Denn: Der linke Verein "Rote Hilfe" und die Anwältin eines der Jugendlichen werfen den Polizisten vor, die vier 15-Jährigen misshandelt zu haben.

In der Mitteilung der Leipziger Ortsgruppe der vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestuften "Roten Hilfe" heißt es unter anderem, einem der Jugendlichen seien Geldscheine und ein Feuerzeug in den Mund gestopft worden. Die Polizisten sollen während "Friss, Friss, Friss" gerufen haben sollen. Bei dem Einsatz sollen die 15-Jährigen zudem geschlagen und beleidigt worden sein.