Bild: Arcadi

AfD-Parteitage und Pegida-Demonstrationen sind ungefähr so hip wie Kaffeefahrten. Man denkt an Hundekrawatten und alte Männer mit wutgeröteten Gesichtern. Passt ja irgendwie auch: gestrige Ideen von gestrigen Gestalten.

Tatsächlich ist es aber nicht so einfach: Bei der Bundestagswahl war der Anteil der AfD-Wähler bei den 18-24-Jährigen genauso groß wie bei den über 60-Jährigen. Und von den zwölf Abgeordneten unter 30 Jahren im neuen Bundestag sind die Hälfte von der AfD. (bento)

Es gibt also jede Menge junge Menschen, die mit rechten Parteien und Positionen sympathisieren. Und die sich deshalb von Vice, bento und anderen jungen Medien, die eine liberale Weltsicht vertreten, nicht verstanden fühlen.

Genau diese Lücke soll das "Arcadi"-Magazin füllen: "Arcadi" ist die "Neon" für AfD-Wähler. Es geht also nicht nur um Vaterland und Flüchtlinge, sondern auch um Film, Musik, Ernährung, Sport und Sex. So soll "Arcadi" laut Eigenwerbung "wertiges Kultur-Magazin für junge Europäer" sein und den Lifestyle einer neuen, rechten Jugend widerspiegeln.

Über das Arcadi-Magazin

Arcadi ist ein Lifestyle-Magazin, die sich an ein junges, politisch rechts gerichtetes Publikum wendet. Für diesen Artikel haben wir uns die erste Ausgabe angeschaut, die im Oktober 2017 herauskam. Ab jetzt soll das Magazin alle 2 Monate erscheinen. Zuvor existierte es bereits ein Jahr als Online-Magazin.

Chefredakteur des Magazins ist Yannick Noé, Vorstandsmitglied des AfD-Kreisverbandes Leverkusen.

Unter den Autoren der ersten Ausgabe finden sich weitere Mitglieder der AfD, bzw. der Jugendorganisation "Junge Alternative", sowie Mitglieder der vom Verfassungsschutz beobachteten "Identitären Bewegung".

Laut Impressum wird das Arcadi-Magazin zudem von "Ein Prozent" unterstützt, einem rechten Netzwerk, das Lobbyarbeit gegen "Masseneinwanderung" betreibt.

Was zeichnet die jungen Rechten von heute aus? Wir haben das "Arcadi"-Magazin gelesen und 7 Beobachtungen gemacht.

1

Politisch stehen sie in etwa da, wo du sie vermutest.

In den Artikeln, in denen es um Politik geht, sind die Rollen recht eindeutig in Gut und Blöde verteilt.

Gut kommen dabei weg:

  • Die US-amerikanische Alt-Right-Bewegung. Brittany Pettibone, Aushängeschild der Alt-Right, darf aufs Cover und in drei Seiten Interview erzählen, wie die westliche Zivilisation zu retten ist (Stichwort: America first!) und warum sie nach wie vor hinter Donald Trump steht.
  • Die "Defend Europe"-Kampagne, die diesen Sommer Seenotretter im Mittelmeer behindern wollte.
  • Identitäre, die Wahlkampf für den rechtsextremen Front National machen.
  • Das Militär. Mit der Bundeswehr kann sich "Arcadi" so gut identifizieren, dass die Macher für diesen Artikel glatt mal das Coporate Design der Armee klauen:
(Bild: Arcadi Magazin)

Blöd finden sie wiederum:

  • Einwanderung. Wenig überraschend ein Thema, das sich durch das "Arcadi"-Magazin zieht. Besonders hervor sticht ein Bericht über die "Defend Europe"-Kampagne, in dem davor gewarnt wird, dass Migration nach Europa "das Gesicht unseres einstmals blühenden Kontinents weiter zum Negativen verändern" wird.
  • Dass Gefängnisinsassen Mittagessen bekommen. "Warum der Staat Häftlingen eine warme Mahlzeit zahlt, aber Schulkindern nicht", fragt ein Artikel. Antworten darauf gäbe es viele, aber diese Frage wird natürlich aus einem anderen Grund gestellt: Weil Populismus mit Kindern immer noch am besten funktioniert.

2

Sie haben Sex. Aber nur so, wie es sich gehört.

Klar, auch Rechte haben Sex. Deshalb dürfen in "Arcadi" Artikel zu Sex-Themen nicht fehlen.

Einer davon stellt die "NoFap"-Bewegung vor – Männer, die der Selbstbefriedigung abschwören. Eine tolle Sache, findet Autor Robin Classen, wirft mit nicht belegten biologischen Behauptungen über die Schädlichkeit von Masturbation um sich und folgert: "Wer jeden oder jeden zweiten Tag masturbiert, wird nie besonders männlich sein."

Was man stattdessen tun soll, verrät auf der nächsten Seite eine Sexkolumnistin namens Fräulein Frech. Um in Langzeitbeziehungen "das alte Feuer wieder auflodern" zu lassen, sollen Frauen (!) nämlich ihre Männer (!) mit Sex an ungewöhnlichen Orten überraschen. 

Die frechen Vorschläge

  • der Wald (der gute deutsche Wald!),
  • die Garage (denn als guter Deutscher hat man natürlich ein Auto, und als noch besserer Deutscher stellt man dieses natürlich in eine Garage!) 
  • oder aber der Arbeitsplatz nach Feierabend (seiner natürlich, denn als gute deutsche Frau arbeitet man natürlich, wenn überhaupt, halbtags).

3

Sie haben keine Berührungsängste mit Neonazis.

Zumindest stört es sie nicht, wenn in ihrem Lieblingsmagazin Werbeanzeigen einschlägiger Verlage und Ausstatter stehen.

Im Sport-Teil der "Arcadi" werben beispielsweise das Mode-Label "Greifvogel Wear", bei dem T-Shirts ausschließlich T-Hemden heißen, und der Online-Shop "Sonnenkreuz" – beide betrieben von szenebekannten Neonazis. (Endstation Rechts)

(Bild: Arcadi Magazin)

Ansonsten geben die Anzeigen noch allerlei Hinweise auf weiteres Lesematerial für diejenigen, denen das "Arcadi"-Magazin noch nicht rechts genug ist: Den Verlag Antaios zum Beispiel, der die Autobiografie des Ober-Identitären Martin Sellner und Romane über Bürgerkrieg in Deutschland herausgibt und der auf der Frankfurter Buchmesse für Auseinandersetzungen sorgte. 

Oder das "Zuerst!"-Magazin, das von Experten als rechtsextrem eingestuft wird (Bundeszentrale für politische Bildung) (und daraus in seiner Werbeanzeige auch wirklich keinen Hehl macht):

(Bild: Arcadi Magazin)

4

Sie haben durchaus einen Sinn für Ästhetik.

In der Mitte des Heftes gibt es gleich drei Doppelseiten "Kunst". Für den geneigten "Arcadi"-Leser bedeutet das: Bleistift-Zeichnungen faschistischer Militärs und Tattoo-Motive, die dazu aufrufen, die eigene Holzhütte mit einem Gewehr zu verteidigen.

Lass uns Freunde werden!

5

Sie mögen dieselben Filme, Musik und PC-Spiele wie du.

Im Ressort "Kultur" rezensieren "Arcadi"-Autoren Alben, Filme, Bücher und Comics. Wer hier Landser oder wenigstens Freiwild erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen beschweren sich die Rezensenten über Caspers neues Album (hat keine klare Linie) oder darüber, dass Lana Del Rey gar nicht mehr so traurig ist wie früher. Selbst das vorgestellte Black Metal-Projekt ist, anders als manche anderen Bands der Szene, politisch unverdächtig. 

Bei Filmen und Spielen geht es um den neuen Star Wars-Teil und eine Erweiterung des PC-Spiels "Conan"

So weit, so mainstreamig.

6

Ihr Buchgeschmack ist allerdings etwas spezieller.

Im Gegensatz zu den anderen Rezensionen wird bei den Büchern deutlich, aus welcher politischen Richtung der Wind bei Arcadi weht.

Ausführlich wird das "schneidige" Buch des Identitären Mario Alexander Müller gelobt, welches "die Fülle des identitären Denkens" aufzeige. Was diese Fülle so beinhaltet, davon bekommt der Leser eine Vorstellung, wenn es heißt, das Buch zeige, "wie erstrebenswert für uns Europäer eine 'multipolare Welt' ist, in der jeder Kulturkreis und jedes Volk in seiner angestammten Hemisphäre leben kann."

Was dieser Autor sonst so treibt:

Ein Roman über ein Bürgerkriegsszenario, ausgelöst – natürlich – von aggressiven Flüchtlingen, sei leider "kein literarischer Meilenstein", dürfe aber durchaus gern eine neue Gattung von Büchern begründen. In der Realität ist dieses Szenario, so erfahren wir in einer anderen Rezension, lediglich vertagt. Umso schlimmer, dass, wie in der nächsten Rezension thematisiert wird, westliche Länder entmilitarisiert und somit zu "Weicheiern" gemacht werden.

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7

Ihr Lieblingsgetränk: Mate. Weil die so schön deutsch ist.

Das größte Ärgernis im Leben eines Rechten sind: die Linken. Besonders ärgerlich ist es, wenn diese Linken einem auch noch schöne, grunddeutsche Produkte kaputt machen wollen. Darum geht es im Artikel "Die neue deutsche Mate Welle".

Wie Autor Reimond Hoffmann richtig erkannt hat, ist Mate nämlich das Standardgetränk "in jedem Hipster- und Studenten-Laden" (Links-Alarmstufe Rot!). Davon sollen sich "Arcadi"-Leser jedoch nicht abschrecken lassen. Denn Mate ist, wie wir lernen, vor allem eins: ein sehr deutsches Getränk, das es schon in in der Weimarer Republik als "Sekt Bronte" gab und folglich "sehr gut als Getränk einer modernen deutschen Jugend dienen kann".

Wer dennoch zweifelt, ob er sich mit einer Mate in der Hand nicht doch versehentlich zum kommunistischen Manifest bekennt, den kann Hoffmann beruhigen: Sogar bei Treffen der Identitären und Kongressen seiner Jungen Alternative sollen die blau-gelben Flaschen schon gesichtet worden sein.

Und was sagt uns das alles?

Nach der Lektüre von "Arcadi" bleibt der Eindruck: Viel hipper als auf einem AfD-Parteitag geht es bei den jungen Rechten auch nicht zu. Die politischen Positionen sind ungefähr so innovativ wie die sexuellen: spießig-deutschtümelnd.

Mit der Abgrenzung zu Rechtsradikalen hat das Magazin dabei ebenso Probleme wie die AfD:


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