Tausende Jugendliche demonstrieren in mehreren marokkanischen Städten wie Casablanca, Fez, Nador und Marrakesch. Sie rufen "Nieder mit dem Regime" und "Gerechtigkeit", ihre Stimmen sind voller Wut. Auf Facebook und Twitter rufen sie zu weiteren Protesten auf, die Videos der Demos verbreiten sich in arabischen Netzwerken. (The New Arab, Middle East Eye)

Die Bilder erinnern an den Beginn des Arabischen Frühling vor fast sechs Jahren.
Was war passiert?

Auslöser der Proteste war der Tod des Fischers Mohsin Fikri am Freitag. Polizisten hatten seinen Fang konfisziert und in eine Müllpresse geworfen. Der 31-Jährige sprang hinterher, um den Fisch zu retten. Dann sollen die Beamten die Müllpresse aktiviert haben – Mohsin wurde zu Tode gequetscht. ("The Moroccan Times")

Ein Video des tragischen Todes verbreitete sich daraufhin im Netz. Achtung, wir zeigen es hier ebenfalls:

Bereits am Freitagabend gingen Hunderte Menschen nach dem Tod Mohsins in seiner Heimatstadt auf die Straße. Aus Hunderten wurden rasch Tausende: Nach seiner Beerdigung am Sonntag breiteten sich die Proteste im ganzen Land aus. Allein am Sonntagabend demonstrierten nach Angaben der marokkanischen Nachrichtenseite "Le360" rund 2000 Menschen in der Hauptstadt Rabat vor dem Parlament.

Zum Durchklicken – Diese Tweets zeigen die Proteste:
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Genutzt werden vor allem die Hashtags ("Zerquetscht ihn", was ein Polizist gesagt haben soll) und ("Wir sind alle Mohsin Fikri"). Aber auch #COP22 – nach der Weltklimakonferenz, die derzeit in Marokko stattfindet.

Was hat das mit dem Arabischen Frühling zu tun?

Der Arabische Frühling bezeichnet die Proteste in mehreren arabischen Ländern im Frühjahr 2011. Damals gingen vor allem junge Menschen gegen ihre korrupten Regime auf die Straße, viele organisierten sich über Facebook und Twitter – weil klassische Medien die Aufstände erst ignorierten.

Im Überblick – So wirkte sich der Arabische Frühling auf die einzelnen Länder aus:
TUNESIEN – Der Autokrat Ben Ali floh nach Protesten aus dem Land. Für den Demokratieprozess im Anschluss erhielten Politiker den Friedensnobelpreis.
Doch viele junge Tunesier sind heute frustriert. Perspektivlosigkeit lähmt die junge Generation, der Anteil an Islamisten im Land ist enorm.
ÄGYPTEN – Die Bevölkerung stürzte erst den Diktator Husni Mubarak, später gingen sie gegen die neue Islamistenregierung auf die Straße.
Seit einem Putsch herrscht der General Abdel Fattah al-Sisi – die Jugend sitzt heute im Gefängnis, im Land ist alles schlimmer als zuvor.
LIBYEN – Die Proteste verwandelten sich in einen Bürgerkrieg, der Diktator Muammar al-Gaddafi wurde getötet.
Heute ist Libyen in mehrere Rebellenregionen zerrissen, die Terrormiliz "Islamischer Staat" ist im Land eingesickert.
JEMEN – Nach Protesten floh der Autokrat Ali Abdullah Salih ins Ausland, doch eine Übergangsregierung scheiterte.
Heute kämpfen Salih-Anhänger, Regierungstreue, Rebellen und Islamisten gegeneinander – Saudi-Arabien fliegt Luftangriffe.
SYRIEN – Aus friedlichen Protesten wurde ein Bürgerkrieg, Dikator Baschar al-Assad ließ seine Bürger in Foltergefängnisse werfen.
Heute kämpfen Assad-Truppen gegen Islamisten, die Welt mischt sich mit Luftschlägen ein, mehr als 400.000 Menschen sind tot.
DIE GOLFSTAATEN - In Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain gab es Straßenproteste.
Alle wurden rasch niedergeschlagen, Saudi-Arabien setzte sogar Panzer ein.
MAROKKO – Nach Protesten sicherte das Königshaus eilig Reformen zu – und konnte so weitere Aufstände verhindern.
Doch die Lage hat sich für junge Menschen kaum verbessert, Königstreue und Politikfrust wechseln sich ab.
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Ausgelöst wurde der Arabische Frühling durch die Selbstverbrennung von Mohammed Bouazizi in Tunesien. Polizisten hatten im Dezember 2010 seinen Gemüsestand konfisziert, seinem kompletten Einkommen beraubt verbrannte sich der 26-Jährige aus Protest vor einer Polizeistation. Der Tat folgten Proteste in seiner Heimatstadt, dann im ganzen Land, dann in vielen arabischen Ländern. (Al Jazeera)

Die gleichen Parallelen gibt es nun wieder. Und wieder ist die Jugend wütend: Denn die Versprechen des Arabischen Frühlings haben sich kaum eingelöst. In den meisten arabischen Ländern stellen Menschen unter 30 Jahren die Mehrheit der Bevölkerung – und fast überall haben sie kaum eine Chance auf eine gute Ausbildung und faire Jobs.

Zwischen Marokko und Syrien wächst die tragischste Hälfte der globalen Generation Y heran.

Und der Tod von Mohsin Fikri ruft es ihnen in Erinnerung:

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Elf Dinge, die dringend mal jemand erfinden sollte
Und zwar besser jetzt als nachher!

Etwas zu erfinden, war auch schon mal einfacher. Vor ein paar tausend Jahren hättest du einfach nur einen Kreis in den Sand zeichnen müssen und schon hätten dich alle als Erfinder des Rads gefeiert. Heutzutage musst du dagegen scheinbar Physiker, Programmierer und BWLer gleichzeitig sein, um noch ein wirklich neues Produkt auf den Markt bringen zu können.

Das trügt aber: Was es als Einziges wirklich braucht, sind Neugier und Kreativität. Neugier, um herauszufinden, was für Probleme die Menschen heutzutage haben. Und Kreativität, um für diese Probleme smarte, effektive Lösungen zu finden. Alles andere kommt danach.